Befund: AHV-positiv

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Peach Weber
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Alle zwei, drei Jahre schreibe ich ein neues Programm, das nächste wird «iPeach» heissen. Seit etwa drei Wochen bin ich in der heissen Endphase. Das ist eine ziemlich unruhige Zeit, viele angefangene und halb­fertige Sachen liegen herum, denen aber noch der letzte Schliff fehlt. Tageweise hat man das Gefühl, man sei schon fast fertig, dann aber kommen Tage, an denen nichts läuft und plötzlich Panik aufkommt, weil man überzeugt ist, dass das alles noch nicht für einen lustigen Abend reicht.

Aber ich will mich nicht beklagen, ich schreibe nun zum 15. Mal und weiss, dass ich am 27. August um 20.00 Uhr im «Monti» in Frick mit einem fixfertigen Programm auf der Bühne stehen werde. Es war immer so und wird wohl auch dieses Mal so sein.

Dabei könnte ich mich dieses Jahr zurücklehnen, denn ich werde im November von der AHV mit Geld zugeschüttet. Ich bin jetzt schon am Überlegen, was ich mit den zusätzlichen 70 Franken machen werde, ich schwanke noch zwischen Immobilien und Oldtimersammlung …(Halt, liebe Leserbriefschreiber: Das war ein Scherz! Ich weiss sehr wohl, dass es Leute gibt, für die 70 Franken von existenzieller Bedeutung sind.)

Es ist auch so, dass ich es mir nach vierzig Jahren im Komik-Geschäft durchaus leisten könnte, einen Schlusspunkt zu setzen. Den habe ich ja gesetzt, allerdings erst im Jahr 2027 im Hallenstadion. Was ist denn die Motivation, wiederum ein Programm zu schreiben und auf Tour zu gehen? Es macht halt immer noch Spass, Leute zum Lachen zu bringen. Das ist mein Verhängnis.

Das Lachen ist wahrscheinlich die ehrlichste Reaktion des Menschen, denn Lachen passiert, oder passiert eben nicht. Man kann ohne weiteres einen Applaus vortäuschen, wenn einem der nicht so gute Sänger sympathisch ist. Ist der Komiker nicht lustig, kann man nicht ihm zuliebe lachen, das merkt jeder sofort. Das spontane Lachen ist eine Explosion, die fast nicht zu kontrollieren ist, ausser, man ist humorlos oder wittert hinter jedem Wort gleich eine politische Unkorrektheit. Diese Leute tun mir leid.

Übrigens, etwas Lustiges zu produzieren, man höre und staune, ist nicht immer sehr lustig. Wer die Doku über «Divertimento» gesehen hat, weiss, wovon ich rede. Aber wir Komiker machen das alle freiwillig, keiner wird gezwungen, auf der Bühne zu stehen, man könnte ja auch einfach arbeiten gehen.

Was meine Arbeit auflockert, ist die Tatsache, dass wir parallel noch am zweiten Band des «Zwerg Stolperli» arbeiten. Das ist eine andere Welt und doch ähnlich, denn wir sind alle kleine Stolperli in unserem Leben. Stolpern und hinfallen ist ja nicht schlimm, nur wer liegen bleibt und jammert, vergeudet seine Zeit. Auch jeder kreative Prozess ist ein Ablauf von Hochgefühl, Stolpern, Aufstehen, neuen Weg suchen!

So mache ich munter weiter, auch wenn der Rollator glüht. Ehrlich gesagt, es fehlt mir auch eine vielversprechende Alternative. Ich reise nicht gern, hätte keine Freude an einem Motorboot auf dem Vierwaldstättersee, Golf würde mir vielleicht gefallen, wenn es die Golfer nicht gäbe, beim Marathon wären mir die vier Übernachtungen zu teuer, etc.

Ich habe den Job als Komiker nie als Beruf angesehen, es war immer eine Mischung zwischen Job und Hobby. Das war ein grosses Glück für mich, denn ich war mal bei einem Berufsberater, habe ihm meine Stärken und Schwächen aufgezählt, er hat sie in seinen Computer eingegeben. Der Compi hat gerechnet und wir schauten gespannt auf das ausgespuckte Resultat: Es war die Telefonnummer des RAV.