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Bauernverband fordert ein griffiges CO2-Gesetz – und geht damit auf Konfrontationskurs mit der SVP

Der Klimawandel fordert die Landwirte gleich doppelt heraus. Sie müssen sich auf trockenere Sommer einstellen und gleichzeitig die eigenen Emissionen verringern. Der Schweizer Bauernverband fordert deshalb Massnahmen - und bringt damit die traditionell bauernfreundliche SVP in die Bredouille.
Maja Briner
Kühe grasen auf dem Urnerboden. (Bild: Keystone/Alexandra Wey, 10. Juli 2019)

Kühe grasen auf dem Urnerboden. (Bild: Keystone/Alexandra Wey, 10. Juli 2019)

Während Bauernpräsident Markus Ritter über den Klimawandel spricht, fressen wenige Meter von ihm entfernt Dutzende Kühe in aller Ruhe ihr Heu. Ihnen ist der Rummel egal, den der Bauernverband mit seiner Medienkonferenz gestern auf einem Hof im bernischen Moosseedorf veranstaltete. Dabei geht es auch um sie: Sie sind Opfer und Mitverursacher des Klimawandels, so wie die ganze Landwirtschaft. Denn Kühe stossen Methan aus, ein Treibhausgas, das für den Klimawandel mitverantwortlich ist.

Die Menge ist nicht unbedeutend: 13 Prozent der Schweizer Treibhausgasemissionen stammen aus der Landwirtschaft, fast die Hälfte davon ist Methan. Hinzu kommen Lachgas und CO2.
Die Folgen bekommen die Landwirte hautnah mit. «Wir Bauern spüren die Klimaveränderung bei unserer täglichen Arbeit», sagt CVP-Nationalrat Ritter.

Höhere Temperaturen, mehr Wetterextreme und trockenere Sommer stellten die Landwirtschaft vor Herausforderungen. Kurzfristig gebe es zwar auch positive Effekte – Obst, Beeren oder Reben profitierten von den wärmeren Temperaturen. Aber das Negative überwiege klar, sagt Ritter.

Mehr Schädlinge, weniger Erträge

Bleibt der Regen aber länger aus, fehlt es mancherorts an Wasser – so wie letztes Jahr. Bei höheren Temperaturen verbreiten sich zudem Schädlinge schneller. Manche Pflanzen wie die Kartoffeln wiederum vertragen die Hitze nicht gut, was zu weniger Erträgen führt.

Wegen der Trockenheit hatte der Bauernverband vergangenes Jahr einen Forderungskatalog präsentiert, beispielsweise Zollerleichterungen für Heu. Das trug ihm von linker Seite Kritik ein: Der Bauernverband habe jahrzehntelang nicht geholfen, etwas gegen den Klimawandel zu tun, monierte etwa SP-Vizepräsident Beat Jans. Tatsächlich hatte sich der Bauernverband 2016 bei der Vernehmlassung zur Klimapolitik skeptisch gezeigt: Die geplanten Reduktionsziele seien «sehr ambitiös», schrieb er etwa.

Jetzt will der Bauernverband aber vorwärts machen. Die Bauern müssten ihren Beitrag leisten, sagte Ritter (siehe Kasten). Auch politisch müsse etwas gehen: Für die Landwirtschaft sei ein «griffiges CO2-Gesetz von zentraler Bedeutung», schreibt der Verband. «Alle müssen sich beteiligen, sonst werden wir die Ziele nicht erreichen», sagt Ritter. Es brauche deshalb auch eine Flugticketabgabe.

Und was tun die Bauern selbst?

Die Landwirtschaft müsse ihren Beitrag leisten, um den Klimawandel zu bremsen, betont der Bauernverband. Landwirte können zum Beispiel den Kühen Futterzusätze wie Leinsamen geben, welche die Bildung von Methan hemmen. Auch mit Biogasanlagen und besseren Motoren lassen sich Treibhausgase einsparen. Martin Rufer vom Bauernverband räumte indes ein, die Massnahmen würden heute wenig genutzt, da die wissenschaftliche Basis noch fehle. Und Bauernpräsident Markus Ritter warnte vor zu hohen Erwartungen. Biologische Prozesse liessen sich nicht beliebig steuern, sagte er. «Wir werden den Kühen die Fürze und Rülpser nicht austreiben können.»

SVP wettert gegen «Klimahype»


Mit der Forderung nach einem griffigen CO2-Gesetz geht der Bauernverband auf Kollisionskurs mit der traditionell bauernfreundlichen SVP. Diese wehrt sich gegen neue Abgaben – und kritisiert entsprechende Forderungen als «sozialistische Umverteilungspolitik». SVP-Präsident Albert Rösti sagte kürzlich an der Delegiertenversammlung, man solle sich über das schöne Wetter freuen, schliesslich sei es Sommer und normal, dass es heiss sei. Die Massnahmen zum Schutz der Umwelt seien kontraproduktiv und «teuflisch», so Rösti.

Es gibt in der SVP aber auch andere Stimmen, gerade bei den Landwirten. Bergbauer Erich von Siebenthal beispielsweise sagt, es brauche Massnahmen zum Schutz des Klimas – inklusive Flugticketabgabe. Auch eine moderate CO2-Abgabe auf Treibstoffe sei notwendig.

Der Thurgauer SVP-Nationalrat und Landwirt Markus Hausammann unterstützt die Forderung des Bauernverbands nach einem griffigen CO2-Gesetz ebenfalls. Die Flugticketabgabe sieht er zwar skeptisch: «Ich befürchte, dass die Leute trotzdem gleich viel fliegen – und sich dank der Abgabe einfach das schlechte Gewissen freikaufen.» Eine CO2-Abgabe auf Treibstoffe befürwortet Hausammann aber grundsätzlich. «Die Mobilität ist zu günstig. Wäre sie teurer, würde das auch der inländischen Produktion helfen», sagt er.

Ritters Spitze gegen SVP

Es gibt allerdings auch SVP-Bauern wie Marcel Dettling, der letzten Sommer in einem Interview mit der Zeitung «Bote der Urschweiz» lapidar erklärte: «Ich lebe lieber in wärmeren Zeiten.»

Bauernpräsident Ritter wollte sich gestern nicht zur Klimapolitik der SVP äussern. Der Bauernverband sei parteipolitisch neutral, es stehe ihm nicht an, irgendwelche Parteien zu kritisieren, erklärte er. Aber er sagte auch: «Wer die Klimaveränderung letztes Jahr nicht realisiert hat, ist nicht Bauer.»

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