Bald weniger Diensttage für Soldaten?

Viele Soldaten sind im WK unterbeschäftigt: Das räumt nun indirekt auch der Bundesrat ein – und Armeechef André Blattmann überlegt, den Soldaten weniger Diensttage zuzumuten.

Martin Messmer
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Wehrmänner im WK. (Bild: Urs Jaudas)

Wehrmänner im WK. (Bild: Urs Jaudas)

BERN. «Langweilig ist nur der Vorname»: Das sagt Michael Betschart (23) aus Ibach, wenn er gefragt wird, wie es im WK denn so zu- und hergeht. Er hat letztmals im August Dienst gemacht und ist dabei durch eine Explosion schwer verletzt worden – was den Schwyzer CVP-Nationalrat Reto Wehrli veranlasste, im Rat einen Vorstoss einzureichen mit kritischen Fragen zur Armee. Titel der Interpellation: «Grüne Ferien?»

Zu wenig Beschäftigung

Für Soldat Betschart, inzwischen wieder gesund, steht jedenfalls fest: «In unserem WK verrichten drei Soldaten eine Arbeit, für die einer völlig genügen würde. Da ist es doch logisch, dass Unterbeschäftigung herrscht.» Die Folge: Noch nie hat Betschart so viele Filme geschaut wie während seines WK.

In seiner Antwort auf die Interpellation räumt der Bundesrat nun erstmals indirekt ein, dass es in den WK das Problem der Unterbeschäftigung gibt. Konkret schreibt er: «Es ist nicht auszuschliessen, dass es unterschiedliche Ruhephasen und Zeiten von geringerer Arbeitsintensität gibt.» Für Reto Wehrli ist klar, dass es sich bei dieser Aussage um «einen klassischen Euphemismus» handelt. Indirekt gebe der Bundesrat damit zu verstehen, dass es sehr wohl Unterbeschäftigung gebe. «Man will aber einfach nicht offen sagen, es seien grüne Ferien.» Wehrli, der Ende Legislatur aus dem Nationalrat zurücktritt, verlangt von seinen Nachfolgern im Parlament: «Hier muss man politisch dranbleiben.»

Unfallgefahr steigt

Enttäuscht von der Antwort des Bundesrats ist auch die Mutter des verunfallten Soldaten, Marianne Betschart-Kaelin, CVP-Kantonsrätin im Kanton Schwyz. Als ehemalige Lehrerin weiss sie: «Es gibt nichts Problematischeres als unterbeschäftigte Schüler. Sie machen Blödsinn.» Gleich verhalte es sich auch in einem WK, «und dort besteht dann Unfallgefahr, wenn die Soldaten nicht gescheit beschäftigt sind».

Offenbar ist sich auch Armeechef André Blattmann bewusst, dass sich etliche seiner Soldaten im WK langweilen. Nach dem Unfall traf er sich mit Marianne Betschart-Kaelin zu einem Gespräch. Der Armeechef habe ihr gesagt, wie er das Problem der Unterbeschäftigung lösen wolle: «Er kann sich eine Verkürzung der Dienstdauer vorstellen, beispielsweise müssten die Soldaten dann nur noch alle zwei Jahre statt wie heute jedes Jahr einrücken. Und in der Zwischenzeit könne es verkürzte Intensivkurse geben, in denen die Soldaten genau das üben, worin sie in der Rekrutenschule ausgebildet wurden.»

Beim VBS bestätigt man das Treffen, kommentiert den Inhalt des Gesprächs mit Verweis auf die Weiterentwicklung der Armee aber nicht. Entscheide würden nicht vor Mitte nächsten Jahres fallen.

Interpellant Wehrli selber will Blattmanns Vorschlag nicht beurteilen, dazu sei er technisch gar nicht in der Lage. Er sagt aber: «Wenn selbst der Chef der Armee feststellt, dass die Soldaten zu wenig zu tun haben, aus welchem Grund auch immer, dann können sie trotzdem etwas Schlaueres machen als einfach herumsitzen – und sei es ein Sportprogramm.»

Vorschlag begrüsst

Wie Wehrli sagt auch Ida Glanzmann (CVP), Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats: «Ich höre überall und immer wieder, dass es den Soldaten im WK langweilig ist.» Zu Blattmanns Vorschlag mit weniger WK, dafür intensiveren Kursen, sagt Glanzmann: «Auf den ersten Blick denke ich, das müsste machbar sein. Man müsste aber wohl einige Strukturen ändern.» Auch der grüne Nationalrat Joe Lang aus Zug hält viel von Blattmanns Vorschlag: «Weniger WK durchzuführen, dafür reduzierte und intensive Kurse, das macht Sinn», sagt Lang, wie Glanzmann Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission.

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