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BAHNVERKEHR: Gotthardsperre weckt Verdacht

Die Gotthard-Bergstrecke ist wegen Lawinengefahr tagelang unterbrochen. Die zögerliche Wiederfreigabe verwundert Anwohner: Scheuen die SBB die Kosten, weil die Linie an Bedeutung verloren hat?
Gerhard Lob
Viel Schnee am Gotthard in Airolo: Züge und auch Ersatzbusse wurden gestrichen. (Bild: Pablo Gianinazzi/Ti-Press ( 23. Januar 2018))

Viel Schnee am Gotthard in Airolo: Züge und auch Ersatzbusse wurden gestrichen. (Bild: Pablo Gianinazzi/Ti-Press ( 23. Januar 2018))

Gerhard Lob

Die Schneemassen türmen sich im Gotthard-Gebiet, mit Folgen für den öffentlichen Verkehr auf der Gotthard-Bergstrecke. Wegen Lawinengefahr war die Strecke, inzwischen Panoramalinie genannt, Anfang Woche vollständig gesperrt – vom späten Sonntagabend bis am Dienstagmittag. Die RE-Züge zwischen Erstfeld und Bellinzona wurden gestrichen. Als auch die Kantonsstrasse zeitweise nicht befahrbar war, gab es keinen Busersatzverkehr.

Dass fast zwei Tage lang kein Zug fuhr, ist der Bevölkerung nicht entgangen. Und einige SBB-Kunden im Reusstal und der Leventina fragten sich, ob die Wiederfreigabe der Strecke nicht mehr mit der nötigen Dringlichkeit vorangetrieben wird. «Wir haben den Eindruck, dass es nicht mehr ganz so schnell geht wie früher», sagt Franco Pedrini, Gemeindepräsident von Airolo. Es passiere ja nicht zum ersten Mal in der 136-jährigen Geschichte der Gotthardbahn, dass so viel Schnee liege. Er wolle das Thema mit anderen Gemeindepräsidenten diskutieren und dann Kontakt mit den SBB aufnehmen.

Basistunnel schmälert Bedeutung

Bekanntlich ist die Bedeutung der Gotthard-Bergstrecke zurückgegangen. Bis zur Inbetriebnahme des Basistunnels war sie ein internationaler Transitkorridor, dessen Unterbruch gravierende Konsequenzen hatte. Im März 2014 verwirklicht die SBB-Abteilung Naturrisiken angesichts einer Lawinenbedrohung bei Rodì in der Leventina präventive Sicherungsarbeiten mit Palisadenfeld, Lawinenreissleinen und Beobachtern. Der damalige Chefgeologe Marco Hauser erklärte, dass dieser grosse Aufwand nach der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels (GBT) nicht mehr betrieben werde: «Dann wird man die Bergstrecke für die Zeit der Bedrohungslage einfach sperren.» Es habe sich damals in Rodì um einen «speziellen Einzelfall» gehandelt, heisst es heute bei den SBB. Und sie verweisen auf die Priorität der Sicherheit. «Wir machen bei der Sicherheit keine Kompromisse, egal wie viele Züge eine Strecke befahren», hält SBB-Sprecher Reto Schärli fest. Experten entschieden über Sperrungen aufgrund aller vorliegenden Informationen wie Lawinenbulletins, Wetterprognosen und eigenen Beobachtungen im Gelände.

Tatsache ist, dass das Aufkommen an Zügen seit der Inbetriebnahme des GBT sehr bescheiden ist: ein Regionalzug pro Stunde und Richtung. Äusserst selten werden Personen- oder Güterzüge über die Bergstrecke umgeleitet. Von den insgesamt über 43000 Zügen, die seit der Inbetriebnahme im Dezember 2016 bis Anfang Dezember 2017 auf der Gotthard-Achse verkehrten, war dies nur bei 0,01 Prozent der Fall. Laut SBB konnten 99,9 Prozent regulär durch den GBT geführt werden.

Nur noch halb so hohe Unterhaltskosten

Da die Strecke weniger befahren wird, werden Schienen und Weichen weniger abgenutzt. Die In­frastruktur wurde dem neuen, reduzierten Angebot angepasst. Rund 100 Weichen wurden verschraubt, da sie für den Betrieb nicht mehr benötigt werden. «Deshalb ist auch weniger Unterhalt nötig, was aber keinen Einfluss auf den Winterdienst hat», teilen die SBB mit. Die Kosten für den Unterhalt der Panoramastrecke haben sich jedenfalls halbiert: von 50 Millionen Franken pro Jahr vor Inbetriebnahme des GBT auf mittlerweile 23 Millionen Franken pro Jahr.

Ist die Gotthard-Strecke erstmals unterbrochen, merkt man dies auch in Andermatt. «Wir spüren dies umgehend – auch in diesen Tagen», sagt Flurin Riedi, Direktor von Andermatt Tourismus. Er könne nicht einschätzen, wie schnell die Bahnlinie wieder in Betrieb genommen werden könnte: «Sicherheit geht vor.» Trotz der unbequemen Bahnverbindung mit Umsteigen in Erstfeld und Göschenen würden nach wie vor viele Gäste aus der Deutschschweiz mit dem Zug anreisen.

Allerdings käme auch das neue Busangebot gut an: Seit 23. Dezember fahren jeweils am Wochenende sowie an Feiertagen und während der Schulferien Expressbusse von Aarau, Zürich und Luzern direkt bis Andermatt und retour. Dieses Busnetz wurde auf Initiative von Andermatt Swiss Alps AG wegen der schlechten Bahnverbindung aufgebaut.

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