Entgleisung Luzern

Bahnhof Luzern bleibt ganzen Donnerstag gesperrt – Zug wird in nächsten Stunden geborgen

Zwei Wagen eines Eurocity sind am Mittwoch bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Luzern entgleist. Sieben der rund 160 Passagiere wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Der Bahnhof Luzern bleibt nach der Entgleisung weiterhin gesperrt.

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Die Bergungsarbeiten laufen auch noch am Donnerstagvormittag bei Tageslicht weiter.
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Die Bergung des Zuges ist kompliziert - der Bahnhof Luzern bleibt voraussichtlich bis am Freitag gesperrt.
Der entgleiste Zug am Donnerstagmorgen vor den Toren des Bahnhofs Luzern.
Kopie von Zugentgleisung in Luzern II: Die Bergung des Zuges, Passagiere am Bahnhof gestrandet
Die Bergung des Zuges ist kompliziert - der Bahnhof Luzern bleibt voraussichtlich bis am Freitag gesperrt.
Nach der Entgleisung stehen die Züge noch immer still.
Gespenstig leer: Der verwaiste Bahnhof Luzern am Donnerstagmorgen.
Rettungskräfte am Mittwoch in Luzern bei der Einsatzplanung.
SBB-Fachleute bei der Bergung des Zuges.
Die vielen gestrandeten Passagiere wurden auf Busse verwiesen.

Die Bergungsarbeiten laufen auch noch am Donnerstagvormittag bei Tageslicht weiter.

Keystone

Nach der Entgleisung eines Zuges der Trenitalia dürfte der Bahnhof Luzern den ganzen Donnerstag gesperrt bleiben. Dies sagte ein SBB-Sprecher gegenüber «SRF». Die Züge verkehren nur bis in die Vororte, wo auf Ersatzbusse umgestiegen werden muss.

Wann der Bahnhof Luzern wieder offen sein wird, ist nach Angaben im Blog der SBB vom Donnerstagmorgen unklar. Der am Mittwochnachmittag zum Teil entgleiste italienische Eurocity-Zug konnte noch nicht geborgen werden. Bei der SBB geht man davon aus, dass es am späteren Vormittag soweit ist. Zur Unfallursache lagen noch keine Angaben vor.

Fernverkehrszüge nach Luzern wenden laut dem SBB-Blog in den Bahnhöfen von Sursee, Ebikon, Luzern Verkehrshaus und Arth-Goldau. Für die S-Bahnen nach Luzern ist in Emmenbrücke, Gersag, Ebikon, Littau respektive Luzern Verkehrshaus Endstation. Die SBB wollte um die Mittagszeit über die Dauer der Störung informieren.

Seit Donnerstag, 5 Uhr wieder ohne Einschränkungen fahren kann dagegen die Zentralbahn (zb). Nach der Zugentgleisung war auch ihre Schmalspur-Strecke von Luzern nach Horw gesperrt worden. Die Züge der Zentralbahn verkehren ab sofort wieder gemäss Fahrplan.

Pendler müssen mehr Zeit einrechnen

Morgenpendler von und nach Luzern werden deshalb gebeten, deutlich mehr Reisezeit einzuberechnen. Aktuellste Informationen könnten Reisende mittels einer Fahrplanabfrage oder auf der Website der SBB erhalten.

Auf der Störungs-Website der SBB wird die Dauer des Unterbruchs bis mindestens Freitag, 4.00 Uhr angegeben. Unter diesem Link finden Sie die aktuellsten Informationen.

Vierter Wagen kippte

Der Eurocity 158 kam von Mailand her und fuhr um 13:58 Uhr weiter Richtung Basel. Der vierte und fünfte Wagen der siebenteiligen ETR 610 der italienischen Staatsbahn Trenitalia entgleisten noch im Bahnhof unter der Langensandbrücke. Der vierte Wagen kippte und beschädigte einen Querträger der Fahrleitung, die auf den Zug fiel.

Bahnhof blockiert

Durch den Unfall wurden alle drei dort vorhandenen Gleise der normalspurigen Bahnhofszufahrt blockiert. Weil der Strom ausfiel, konnten auch die Schmalspurzüge der Zentralbahn (zb) nicht mehr verkehren.

Der Bahnverkehr kam in Luzern ab 14 Uhr zum Erliegen. Die Züge verkehrten nur noch bis zu Vororten. Von dort wurden Busse eingesetzt. Dieser Zustand dürfte noch bis in den Donnerstag hinein andauern, sagte Toni Häne vom SBB Personenverkehr an einer Medienkonferenz.

Die Heimreise der Pendler dauerte am Mittwochabend erheblich länger als sonst. Einige Pendler organisierten sich via Twitter und beschafften so Mitfahrgelegenheiten in Autos. Die SBB riet zudem von Reisen von und nach Luzern ab.

Der Unfall löste ein Grossaufgebot der Blaulichtorganisationen aus. Die Polizei, Ambulanzen aus der ganzen Zentralschweiz, die Feuerwehren der SBB und der Stadt Luzern sowie Fachdienste der SBB seien rasch ausgerückt, sagte Kurt Graf, Sprecher der Luzerner Polizei.

"Daumen nach oben"

Die Bergung der Passagiere verlief relativ einfach, weil der entgleiste Zug leicht zu erreichen war. Die Passagiere hätten den Rettungskräften durch die Scheiben mit dem "Daumen nach oben" signalisieren können, dass nichts Schlimmeres passiert sei, sagte Graf.

Die Fahrgäste mussten eine Stunde im verunfallten Zug ausharren. Bevor sie geborgen werden konnten, musste der Wagen in Schräglage gesichert und die beschädigte Fahrleitung geerdet werden. Alle Passagiere konnten den Zug dann selbst verlassen. Sieben Personen erlitten leichte Verletzungen, fünf von ihnen wurden ins Spital gebracht. Sie erlitten hauptsächlich Prellungen und Schürfungen.

Eine S-Bahn nach Stans NW sowie ein Interregio nach Genf blieben nach der Entgleisung des Intercity-Neigezugs ebenfalls im Bahnhof stecken. Auch diese Passagiere wurden evakuiert.

Ermittlungen laufen

Zur Unfallursache war am Mittwoch noch nichts bekannt. Die Untersuchung führt die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle SUST. Wie gross die Schäden an den Gleisen, Fahrleitungen und am Zug sind, konnte noch nicht beziffert werden. Bevor die Bahnanlagen in Stand gestellt werden können, muss der verunglückte Zug weggeschafft werden.

Der Bahnhof Luzern ist ein Kopfbahnhof mit einer engen Zufahrt. Um die Kapazitäten zu erhöhen, möchte Luzern den bestehenden Bahnhof mit einem unterirdischen Durchgangsbahnhof ergänzen.

Wegen des am Mittwoch verunfallten Eurocity-Neigezuges ist der Bahnhof Luzern weiterhin gesperrt.

Wegen des am Mittwoch verunfallten Eurocity-Neigezuges ist der Bahnhof Luzern weiterhin gesperrt.

Keystone/URS FLUEELER