Mordprozess in Bülach: Sie nahmen die Kinder mit auf die Todesfahrt

Der erste Prozesstag zeigte, wie die Klebeband-Killer aus dem Kanton Bern ticken.

Pascal Ritter
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Thomas K. und Corine K. sollen gemeinsam eine Leiche beseitigt haben. (Illustration: Alexia Papadopoulos)

Thomas K. und Corine K. sollen gemeinsam eine Leiche beseitigt haben. (Illustration: Alexia Papadopoulos)

Thomas K. hat zwei Menschen auf dem Gewissen. Er tötete sie, indem er sie in seine Gewalt brachte und ihnen Mund und Nase mit Klebeband zuklebte. Darauf erstickten sie erbärmlich. In diesem Punkt war der Haupttäter im Mordfall Boppelsen am ersten Prozesstag vor dem Bezirksgericht Bülach geständig.

Ende März 2016 hatte er zusammen mit zwei mutmasslichen Mittätern, deren Tatbeteiligung noch zu klären ist, zuerst einen Bekannten überwältigt und versucht, ihn dazu zu bewegen, ihm Schulden zurückzuzahlen und verschollene Ware aufzutreiben. Schliesslich tötete K. den Serben aus Bern.

Im Juni 2016 entführte er darauf einen Zürcher Spediteur, zwang ihn einen Kaufvertrag zu unterschreiben und tötete ihn auf die gleiche Art. Mit ruhiger Stimme und etwas schmallippig gestand K. vor Gericht die Taten ein, sagte aber immer, er habe während dessen Ablauf immer die Hoffnung gehabt, dass «es doch anders herauskomme»oder, dass er es «irgendwie anders lösen könne».

Die Geschichte mit der Serben-Mafia

Thomas K. behauptete nämlich, er sei zu den Taten von einer «Serben-Mafia» gezwungen worden. Bei dieser habe er mehrere Hunderttausend Franken Schulden gehabt. Die Mafia habe damit gedroht, seiner Familie etwas anzutun, wenn er nicht stehle und töte, um seine Schulden abzubauen.

Der Mitangeklagte Markus N. bestritt in seiner Befragung die Existenz einer solchen Mafia. Und es gelang auch Thomas K. nicht, glaubhaft darzulegen, wer genau ihn wie bedroht haben soll.

«Ich habe immer gehofft, dass es doch anders herauskommt.»

Der Prozess zeigte, wie gross das Zerwürfnis zwischen den ehemaligen Komplizen, Freunden und Eheleuten mehr als drei Jahre nach der Tat ist. Zur Zeit der Taten, so führte Thomas K. aus, hätte er mit seinem Freund N. bis zu acht Stunden pro Tag telefoniert. Im Gerichtssaal schauten sich die beiden nun kaum noch in die Augen und N. sagte: «K. muss mir im restlichen Leben nicht mehr über den Weg laufen.» Sie bezichtigten sich gegenseitig, nicht die Wahrheit zu sagen.

Auch das Verhältnis der Eheleute K., die zusammen zwei Kinder haben, ist zerrüttet. Sie wollen sich scheiden lassen. Zu seinen beiden Kindern hat K. nur noch selten Kontakt. Er wisse nicht, wie sie denken werden, wenn sie einmal grösser seien, aber sie würden im Moment noch zu ihm halten.

Wenn sie älter werden, erfahren sie, dass ihre Eltern sie mitnahmen, als sie in den Bezirk Dielsdorf fuhren, um den Verkäufer eines Lastwagens zu entführen. Als Thomas K. und Markus N. mit dem Opfer eine Probefahrt machten, folgte ihnen Corine K. mit den Kindern in ihrem Subaru Legacy. Sie zog damit einen Anhänger, mit dem später das Opfer abtransportiert werden sollte.

Drogengeschäfte und Schwarzarbeit

Offen blieb am ersten Prozesstag die genaue Rolle von Corine K. Sie wird erst zu einem späteren Zeitpunkt vom Gericht befragt.
Der erste Verhandlungstag gab einen Einblick in die Lebenswelt des kriminellen Trios aus dem Kanton Bern. Das Ehepaar K. wohnte auf einem abgelegenen Bauernhof und hatte Schulden. Das gemeinsam betriebene Transportunternehmen musste Konkurs anmelden.

K. kaufte in Osteuropa eine Zeit lang billig Paletten und verkaufte sie in der Schweiz wieder. Später war er auch in Drogengeschäfte verstrickt. Er lieferte etwa Pakete aus für 1500 Franken das Stück. Der Garagist Markus N. meldete sich arbeitslos und besserte sein Arbeitslosengeld mit kleineren Schwarzarbeiten aus, etwa Reifenwechseln.

Angeklagte konnten sich in Haft absprechen

Der Prozess brachte auch Behördenversagen ans Licht. Offenbar konnten sich die Angeklagten nach ihrer Verhaftung in Deutschland absprechen. Der Richter zitierte aus Zetteln, die die Angeklagte ausgetauscht hatten. Darin forderte Thomas K. von Markus N., er solle ihn nicht beschuldigen.

Am Anfang hielt sich N. noch daran und verweigerte komplett die Aussage. Später wechselte er den Anwalt und damit seine Taktik. Er reichte eine Art schriftliches Geständnis ein.