ARMEEWAFFE: Soldaten wollen ihre Waffe nicht im Zeughaus lagern

Seit einigen Jahren können Wehrmänner und -frauen ihre Dienstwaffe im Zeughaus hinterlegen. Das Angebot wird jedoch kaum genutzt - obwohl die Akzeptanz für die Heimabgabe der Waffe in den letzten Jahrzehnten gesunken ist.

Michel Burtscher
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Die meisten Angehörigen der Armee bewahren ihre persönliche Waffe noch immer zu Hause auf. (Bild: Benjamin Manser)

Die meisten Angehörigen der Armee bewahren ihre persönliche Waffe noch immer zu Hause auf. (Bild: Benjamin Manser)

Für die einen ist es Tradition und ein Grundpfeiler der Milizarmee, für andere ein alter Zopf und gefährlich: Die Dienstwaffe im Kleiderschrank oder Estrich der Schweizer Wehrmänner und -frauen. Schon in der Militärorganisation aus dem Jahr 1874 hiess es, dass «die persönliche Bewaffnung in der Regel während der Dienstzeit im Besize des Mannes» bleibt. Strikt gilt diese Regel heute jedoch nicht mehr: Seit Anfang 2010 können Angehörige der Armee ihr Sturmgewehr oder ihre Pistole freiwillig und ohne Begründung in einem Logistikcenter oder einer Retablierungsstelle hinterlegen – und müssen sie dann jeweils abholen, wenn sie in einen WK einrücken oder das Obligatorische schiessen müssen. Mit unter anderem dieser Massnahme wollte der Bundesrat die Sicherheit beim Umgang mit Ordonnanzwaffen verbessern.

Weniger als gedacht

Das Angebot wird jedoch kaum genutzt, wie aktuelle Zahlen des Verteidigungsdepartements zeigen. Ende Juni waren laut Armeesprecher Christoph Brunner schweizweit nur gerade 789 persönliche Armeewaffen hinterlegt. Und dies bei einem Effektivbestand der Armee von rund 170 000. Das Interesse stieg laut Brunner nach der Einführung des Angebots zwar kontinuierlich, überschritt aber nie die Tausendergrenze. In den letzten beiden Jahren habe man gar sinkende Werte festgestellt.

Den höchsten Wert weist der Kanton Genf mit 160 hinterlegten Waffen auf, dahinter folgen Zürich mit 129 und Bern mit 101. Im Kanton Uri ist nur eine Waffe hinterlegt, im Kanton Jura sind es vier. Die Ostschweizer Kantone sind im Mittelfeld: in St. Gallen sind 30 und im Thurgau 28 Waffen hinterlegt. Die interdepartementale Arbeitsgruppe Ordonnanzwaffen war in ihrem Schlussbericht von 2008 noch von «schätzungsweise 25 000 Waffen» ausgegangen, die statt zu Hause in den Logistikcentern und Retablierungsstellen gelagert würden, wenn man dies erlaube. Was sind die Gründe dafür, dass die Zahl nun so tief ist? Darüber will Armeesprecher Christoph Brunner nicht mutmassen. Der St. Galler Kreiskommandant Andreas Schwarz sagt: «Für die meisten Angehörigen der Armee ist es zu umständlich, die Waffe für die WK und die ausserdienstlichen Pflichten immer wieder zu holen und dann wieder abzugeben.» Viele der hinterlegten Waffen seien zudem von Personen, denen man empfohlen habe, diese aufgrund der Wohnsituation zu hinterlegen oder solche von Grenzgängern.

Akzeptanz für Heimabgabe sinkt

Eigentlich zeigen Umfragen, dass die Akzeptanz für die Heimabgabe der Armeewaffe in der breiten Bevölkerung während der vergangenen Jahrzehnte gesunken ist. Die generelle Zustimmung dazu lag 1989 laut dem Bericht der Arbeitsgruppe Ordonnanzwaffen noch bei 57 Prozent. 2008 waren es 34 Prozent. Einer der Gründe für den Rückgang sei der «wertwandelsbedingte Zentralitätsverlust des Militärs in der heutigen schweizerischen Gesellschaft». Die Umfragen hätten zudem gezeigt, dass die Heimabgabe der Armeewaffe in den Augen der Befragten ihren militärischen Nutzen verloren hat.

Linke und grüne Politiker haben denn auch mehrmals versucht, die Heimabgabe abzuschaffen – scheiterten damit jedoch immer am bürgerlichen Widerstand. So hatte beispielsweise die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé im Jahr 2007 eine entsprechende parlamentarische Initiative eingereicht – ohne Erfolg. Auch die grüne Fraktion scheiterte mit einer 2011 eingereichten Motion. Im gleichen Jahr konnte sich auch das Volk über dieses Thema äussern: bei der Abstimmung zur Initiative «Für den Schutz vor Waffengewalt». Diese forderte unter anderem, dass die Armeewaffen zwingend in gesicherten Räumen der Armee hinterlegt werden müssen. Das Volksbegehren wurde abgelehnt. Auch der Bundesrat war damals dagegen: Eine solche Pflicht sei unverhältnismässig, argumentierte er unter anderem.