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Armeekader studiert auf Kosten des Militärs

Wer bei der Armee weitermacht, erhält einen Bildungsgutschein. Nun soll dieser Bonus auf gewöhnliche Unteroffiziere ausgedehnt werden. Spendabel sei man hier, beklagen Vertreter von links, während Zivildienstleistende schikaniert würden.
Roger Braun
Bis zu 11 300 Franken erhalten Armeekader an ihre zivilen Ausbildungen bezahlt. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Bis zu 11 300 Franken erhalten Armeekader an ihre zivilen Ausbildungen bezahlt. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Verteidigungsministerin Viola Amherd hat es eilig. Seit gut einem Jahr erhalten Offiziere und höhere Unteroffiziere einen Beitrag an ihre zivile Ausbildung. Und bereits will Amherd die Zulage auf gewöhnliche Unteroffiziere wie Korporale oder Wachtmeister ausdehnen. Das Anliegen scheint ihr wichtig zu sein. Bereits nach einem Jahr soll das neue Militärgesetz wieder angepasst werden. «Unkonventionell» sei das, räumte sie ein, doch der Bundesrat wolle nicht auf die nächste umfassende Gesetzesrevision warten. Es gehe um die Attraktivität des Armeediensts.

Die forsche Gangart ist erstaunlich, denn ein Hit sind die Ausbildungsgutscheine bisher nicht. Seit Sommer 2017 können höhere Kader ihre Anträge einreichen. Bisher taten sie das in 127 Fällen; davon hat die Armee 104 Gesuche – in der Gesamthöhe von 288 000 Franken – bewilligt. Dieses Geld kann für staatlich anerkannte Ausbildungen wie auch Sprachschulen im Ausland verwendet werden. Bisher floss der Grossteil des Geldes in Bachelor-Studiengänge (49 Armeeangehörige) sowie Sprachkurse (36 Armeeangehörige). Die Armee hält auf Anfrage weiter fest, dass es derzeit keinen Mangel an Militärkadern gebe.

Wieso also trotzdem die frühzeitige Ausweitung der Ausbildungsgutscheine? «Die Ausweitung auf Unteroffiziere soll Gerechtigkeit schaffen», sagt ­Armeesprecherin Delphine Alle­mand. Denn auch Korporale und Wachtmeister gehörten zum Armeekader. Sie geht davon aus, dass die Nachfrage noch zunehmen wird. «Viele der in Frage kommenden Kader müssen zuerst ihre militärische Ausbildung abschliessen, respektive den praktischen Dienst leisten», sagt Allemand.

Interesse hält sich bisher in Grenzen

Die Armeesprecherin äussert sich überzeugt, dass die Ausbildungsgutscheine die Attraktivität einer Militärkarriere erhöhten. «Bei den Gesprächen mit den Betroffenen hat man gespürt, dass die Ausbildungsgutschriften ein Plus waren», sagt sie.

Unbestritten ist: Mit der Ausweitung der Gutscheine auf gewöhnliche Unteroffiziere nimmt der Kreis der Begünstigten stark zu. Zu den 1050 Offizieren und höheren Unteroffizieren, welche die Armee jährlich ausbildet, kommen 2600 gewöhnliche Unteroffiziere hinzu. Dass sich die Armee selbst nicht so sicher ist, wie gross die Nachfrage nach Ausbildungsgutschriften sein wird, zeigen die Kostenschätzungen. Im Sommer 2017 ging die Armee noch von jährlichen Ausgaben von 23 Millionen Franken aus. Nun, da die gewöhnlichen Unteroffiziere hinzukommen sollen, lautet die Schätzung – unbesehen der markanten Ausweitung – plötzlich auf nur noch 21 Millionen Franken.

Höhe der Ausbildungsgutschriften für Armeekader in Franken

Hauptmänner 11300*
Leutnant und Oberleutnant 10600*
Fouriere und Feldweibel 10100*
Korporale und Wachtmeister 3000**

Für den ehemaligen Nationalrat der Grünen Jo Lang ist der jüngste Entscheid des Bundesrats bezeichnend. «Für das militärische Kader macht man alles Mögliche, auch wenn es nichts bringt. Beim Zivildienst hingegen ist keine Schikane zu gross, um die Leute abzuschrecken», sagt Lang. Für das GSoA-Vorstandsmitglied ist es nicht überraschend, dass die Nachfrage bisher lau ausfiel. Er sagt: «Das Militär überzeugt inhaltlich nicht, deshalb machen die Leute nicht weiter. Es ist ein Armutszeugnis, dass nun Zückerchen genutzt werden, die null und nichts mit der militärischen Ausbildung zu tun haben.»

Im Parlament stört man sich auf linker Seite ebenfalls am gegensätzlichen Umgang mit Zivildienst und Armee. Doch auch wenn SP und Grüne entschiedenen Widerstand gegen die bundesrätlichen Pläne zur Schlech­terstellung von Zivildienstleistenden ankündigen; mit den Ausbildungsgutschriften für Armeekader können sie leben. Fraktionschef Balthasar Glättli sagt, die Grünen hätten die Armee immer darin unterstützt, attraktiver zu werden, solange der Zivildienst nicht darunter leide. «In diesem Sinne kritisieren wir die Ausbildungsgutscheine nicht.» Ähnlich äussert sich die Zürcher SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf. Sie sagt: «Es ist nicht fair, den Zivildienst gegen das Militär auszuspielen.»

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