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Armee sorgt für Missklänge: 300'000 Franken für Posaunen aus Ausland – Schweizer Angebot war günstiger

Die Militärmusik der Armee kauft 48 Posaunen in den USA statt aus einheimischer Produktion. Im Kanton Thurgau ist die Politik erbost. Verteidigungsministerin Viola Amherd soll sich erklären.
Christian Kamm
Patriotische Klänge auf ausländischen Blasinstrumenten: Konzert des Militärspiels beim Einkaufszentrum Schlosspark in Frauenfeld. (Bild: Nana do Carmo)

Patriotische Klänge auf ausländischen Blasinstrumenten: Konzert des Militärspiels beim Einkaufszentrum Schlosspark in Frauenfeld. (Bild: Nana do Carmo)

Dissonanzen im Zusammenhang mit der Instrumentenbeschaffung für die Schweizer Militärmusik sind nicht neu. Schon vor zwei Jahren deckte diese Zeitung auf, dass sich die Armee reichlich unpatriotisch mit Instrumenten aus dem Ausland eindeckt – statt die kleinen, aber feinen Schweizer Hersteller zum Einsatz kommen zu lassen. Diese konnten in der Vergangenheit nicht einmal Offerten einreichen. Das hat sich bei der jüngsten Beschaffung – 300000 Franken für 48 Bassposaunen – zwar geändert. Das Resultat blieb dasselbe: Der Auftrag geht ins Ausland, in die USA und nach Frankreich. Auch der Weinfelder Hersteller «Blaswerk-Haag» ging leer aus, obwohl er sogar günstiger offerierte.

Entscheid sei nicht nachvollziehbar

Diese Beschaffungspolitik der Armee, die sich auf das Gesetz beruft, stösst nicht nur vielen Parlamentariern sauer auf, sondern jetzt auch der Thurgauer Regierungsrätin Cornelia Komposch. Die Chefin des Departementes für Justiz und Sicherheit hat deshalb der neuen Verteidigungsministerin Viola Amherd geschrieben. Melodie des Briefes: Auch wenn am Entscheid nicht mehr gerüttelt werde könne, bitte man dennoch um Transparenz und eine Stellungnahme. «Es interessiert uns zu wissen, weshalb die USA und Frankreich den Zuschlag erhielten», heisst es im Schreiben vom 4. Januar.

Regierungsrätin Cornelia Komposch (Bild: PD)

Regierungsrätin Cornelia Komposch (Bild: PD)

Erstaunt zeigt man sich im Kanton des ausgebooteten Unternehmens nicht zuletzt über die Gewichtung der Vergabekriterien: 70 Prozent betreffen die Qualität und lediglich 30 Prozent den Preis. «Es ist nicht nachvollziehbar, wieso die vom Thurgauer Instrumentenbauer Blaswerk Haag eingereichte Offerte betreffend die Posaunen bezüglich Qualität so viel schlechter bewertet wurde», schreibt Regierungsrätin Komposch. Zumal das Unternehmen national als auch international einen sehr guten Ruf geniesse. «Die Instrumente bürgen für hohe Qualität.» Auch heisse es in Artikel 37 der Verordnung über das Beschaffungswesen, dass das wirtschaftlichste Angebot den Zuschlag erhalten müsse. «Aus unserer Perspektive, die zugegebenermassen eine einseitige ist, ist die Vergabe also kritisch zu hinterfragen», so Komposch.

Der Armee treu verbunden

Sie sei als Militärdirektorin mehrfach auf «diese sehr wohl befremdliche Vergabe angesprochen worden», begründet Cornelia Komposch gegenüber der «Thurgauer Zeitung» ihre Intervention. Dass ein äusserst qualifizierter Thurgauer Instrumentenbauer mitofferiert habe, der Auftrag jedoch zu einem bedeutend höheren Preis an die USA gegangen sei, «hat auch mich persönlich sehr gestört». Im Schreiben wird ausserdem auf die aktuelle Politik der USA verwiesen. Schliesslich erinnert Komposch Amherd daran, dass der Kanton Thurgau «seit jeher treu und eng mit der Armee verbunden» sei. «Es geht in dieser Sache um Transparenz und Vertrauen.»

Weder die Militärmusik noch deren Instrumente sind kriegsentscheidend. Symbolträchtig ist das Einkaufsverhalten eines Aushängeschilds der Armee allemal. So bewerteten 2016 in einer Online-Umfrage unserer Zeitung 50 Prozent der Teilnehmer es als daneben, dass das Militär auf ausländischen Instrumenten spielt, 35 Prozent votierten für eine ökonomische Entscheidung und 15 Prozent war die Frage egal. Ein Antwortschreiben aus Bern ist, Stand Dienstag, noch nicht in Frauenfeld eingetroffen. Dass die neue Bundesrätin der Militärmusik den Marsch blasen wird, ist kaum zu erwarten. Dann schon eher: Stetes Posaunen höhlt vielleicht den Stein.

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