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ARBEITSLOSE: Bund plant Inländervorrang für Praktikanten

Firmen in allen Branchen müssen künftig die Behörden informieren, wenn sie einen Praktikanten einstellen wollen. So sieht es die Stellenmeldepflicht vor. Der Arbeitgeberverband hat dafür kein Verständnis.
Maja Briner
Eine Praktikantin auf einem Bauernhof im Napf in Hergiswil. (Bild: Pius Amrein)

Eine Praktikantin auf einem Bauernhof im Napf in Hergiswil. (Bild: Pius Amrein)

Maja Briner

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Die Zuwanderung eigenständig steuern: Das wollte die SVP mit ihrer Masseneinwanderungs-Initiative erreichen. Das Parlament machte daraus einen Arbeitslosenvorrang. Ab 1. Juli müssen Firmen gewisse freie Stellen den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) melden, bevor sie diese öffentlich ausschreiben. Dank des Informationsvorsprungs sollen vermehrt arbeitslose Inländer einen Job erhalten statt Personen aus dem Ausland.

Die Meldepflicht trifft vor allem die Gastro- und die Baubranche, jedoch nicht nur. Unbemerkt blieb bisher, dass gemäss der Lis­te des Bundes auch Praktikanten unter die Regelung fallen. Damit sind potenziell alle Branchen betroffen, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigt: Praktikumsstellen seien der Meldepflicht unterworfen, unabhängig davon, in welchem Bereich sie absolviert werden, erklärt ein Sprecher. Eine Ausnahme gilt nur für Praktika, die obligatorischer Bestandteil einer Ausbildung sind oder weniger als zwei Wochen dauern. Eine Firma, die zum Beispiel ein dreimonatiges KV-Praktikum anbietet, muss dies also künftig dem RAV melden. Tut sie das aus Versehen nicht, droht ihr eine Busse von bis zu 20000 Franken.

Ist ein Praktikum eine Berufsart?

Die Praktika-Regel stösst dem Arbeitgeberverband sauer auf. Die Meldepflicht sei für Berufsarten vorgesehen, bei denen die Arbeitslosenquote hoch sei, ruft Daniella Lützelschwab in Erinnerung: «Eine Praktikumsstelle ist aber keine Berufsart.» Für eine solche pauschale Meldepflicht bestehe daher keine gesetzliche Grundlage, sagt sie.

Die Liste der meldepflichtigen Berufe ist erst provisorisch, der Bundesrat muss sie noch absegnen. Gröbere Retuschen sind aber kaum zu erwarten, auch wenn die Unzufriedenheit der Wirtschaft gross ist: Die Berufsbezeichnungen seien zu wenig differenziert und zu unklar, beklagt sie. Der Arbeitgeberverband fordert dringend eine Gesamtrevision der Liste.

Kritik kommt auch von anderer Seite, etwa von der Schweizerischen Stiftung für Arbeit und Weiterbildung. Sie unterstützt Arbeitslose und Ausgesteuerte dabei, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuss zu fassen. Vizepräsident Tino Senoner sagt: «Der Versuch, die Leute nach Berufen zu klassifizieren, ist seit über 20 Jahren überholt.» Diese Zuteilung stimme höchstens noch bei Menschen, die eine Ausbildung in einem manuellen Beruf haben, in dem Fachkräftemangel herrscht. «Sonst kann niemand mehr jahrzehntelang im selben Beruf arbeiten.» Daher müssten die Erfahrungen und Kompetenzen berücksichtigt werden, fordert er.

Michael Siegenthaler von der KOF der ETH Zürich verteidigt die Methode des Seco in diesem Punkt. Dass es besser wäre, sich an den Kompetenzen zu orientieren statt an Berufen, sei inhaltlich zwar richtig. «Die praktische Umsetzung wäre aber extrem kompliziert», sagt der Arbeitsmarktexperte. «Es wäre zum Beispiel schwierig zu kommunizieren, welche Stellen gemeldet werden müssten.» Er betont, dass die RAV den Firmen auch Arbeitslose vorschlagen können, die zuletzt nicht im gesuchten Beruf gearbeitet haben, aber die nötigen Kompetenzen mitbringen.

Offen ist, wie viele Arbeitslose dank der Meldepflicht einen Job finden werden. Gemäss Seco waren rund ein Viertel der registrierten Stellensuchenden zuvor in einem Beruf tätig, der neu der Meldepflicht untersteht. Sie könnten profitieren. Wen eine Firma anstellt, kann sie indes nach wie vor frei entscheiden.

Wie viel die Massnahme nützen werde, sei schwierig abzuschätzen, sagt Michael Siegen­thaler. «Die Forschung zeigt aber, dass RAV mehr Arbeitslose vermitteln können, wenn sie gute Kontakte zu den Arbeitgebern haben», erklärt er. Daher könne die Meldepflicht dazu beitragen, das inländische Potenzial besser zu nutzen. «Weil die Schweizer Arbeitslosenquote tief ist, wird das aber keinen grossen Effekt auf die Zuwanderung haben.»

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