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ARBEIT: Starthilfe fürs Berufsleben

800 Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene sollen nächstes Jahr mit einer speziellen Vorlehre auf die Berufswelt vorbereitet werden. Das ist das Ziel des Bundes. 19 Kantone machen beim Integrationsprojekt mit.
Maja Briner
Nicht nur Deutsch steht auf dem Stundenplan, sondern auch Praktika. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Nicht nur Deutsch steht auf dem Stundenplan, sondern auch Praktika. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Maja Briner

Viele Flüchtlinge bleiben in der Schweiz jahrelang arbeitslos. Diese Situation will der Bund mit einem vierjährigen Pilotprogramm verbessern. Ab 2018 sollen jährlich 800 Personen eine sogenannte Integrationsvorlehre machen. Zur Umsetzung braucht der Bund die Kantone –sie haben die Federführung für die einzelnen Projekte. Nun zeigt sich: Das Ziel von 800 Plätzen dürfte im kommenden Jahr wohl erreicht werden.

Bis Mitte September mussten die Kantone ihre Projekte beim Bund einreichen. Laut Staatssekretariat für Migration (SEM) haben das 19 Kantone getan. Eine abschliessende Aussage darüber, wie viele Plätze zur Verfügung stehen, sei noch nicht möglich, heisst es beim SEM. «Gemäss einer ersten, unverbindlichen Einschätzung» würden die 800 Plätze aber voraussichtlich ausgeschöpft.

Vorbereitung auf die Berufslehre

Mit der Vorlehre sollen anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene den Einstieg in den Arbeitsmarkt finden. Die einjährige Ausbildung richtet sich an Personen, die im Heimatland bereits eine Ausbildung gemacht oder gearbeitet haben. Sie sollen auf eine Berufslehre vorbereitet werden. Zur Vorlehre gehört zwingend auch ein praktischer Teil: Der Bund schreibt Betriebseinsätze oder Praktika von mindestens acht Wochen vor.

Pro Platz und Jahr zahlt der Bund den Kantonen 13000 Franken. Insgesamt stellt er 54 Millionen Franken zur Verfügung. Beschlossen hat der Bundesrat das Pilotprogramm bereits Ende 2015, doch die Finanzierung läuft erst ab nächstem Jahr. Manche Kantone haben ihre Projekte dennoch schon lanciert. Laut SEM haben vier Kantone ein Gesuch eingereicht für eine Mitfinanzierung von Vorlehren, die im Sommer 2017 gestartet sind.

Ein Kanton, in dem bereits eine Vorlehre angeboten wird, ist Schaffhausen. Der Rektor des kantonalen Berufsbildungszentrums, Ernst Schläpfer, sagt: «Je schneller integriert wird, desto besser. Deshalb wollten wir nicht bis 2018 warten.»

«Keine Ahnung von Schweizer Berufswelt»

In Schaffhausen zeigt sich, wie eine Vorlehre aussehen kann. 17 Personen haben im Sommer begonnen. Während eines Jahres besuchen die Teilnehmenden im Alter von 25 bis 33 Jahren an zwei Tagen pro Woche die Schule. Dort steht vor allem Deutsch auf dem Stundenplan, aber auch etwa Mathematik und Informatik. An den anderen drei Tagen bringen ihnen im ersten Halbjahr Lehrmeister verschiedene Berufe näher – Forstwirt etwa, Polymechaniker oder Elektriker.

Das sei wichtig, denn Flüchtlinge hätten oft keine Ahnung, wie die Schweizer Berufswelt aussehe, sagt Schläpfer: «Wir müssen sie an die Arbeit heranführen, ihnen zeigen, was beispielsweise ein Bäcker macht.» Sonst bestehe das Risiko, dass viele eine Ausbildung abbrechen. Auch ein Umdenken brauche es: Manche müssten sich damit abfinden, dass ein Studium oder ein Bürojob nicht in Frage kommt, sogar, wenn sie im Heimatland studiert haben. Das sei schwierig, weil die Wertschätzung für gewerbliche Berufe im Ausland teilweise anders sei, sagt Schläpfer. «Manche denken, wer es nicht an die Uni schafft, hat versagt. Und Bauer ist für einige kein Beruf, sondern eine Strafe.» Diese Personen müssten zuerst lernen, dass es in der Schweiz anders ist.

Ziel ist, dass am Ende des ersten Semesters alle eine Praktikumsstelle in einem Berufsfeld haben, in dem sie sich vorstellen könnten, später einmal zu arbeiten. Zwei der 17 Teilnehmenden sind jedoch bereits nicht mehr dabei – unter anderem wegen «Problemen mit den Verhaltensregeln», wie Schläpfer sagt. Diese Ausfallquote liege aber absolut im Rahmen. «Wenn 50 bis 60 Prozent den Weg in den Arbeitsmarkt schaffen, ist das immer noch viel mehr als ohne Integrationsvorlehre.» Das Projekt kostet rund 250000 Franken. Das ist laut Schläpfer gut investiertes Geld. «Wenn es uns nicht gelingt, jemanden in den Arbeitsmarkt zu integrieren, zahlen wir jahrelang Sozialkosten.»

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