Antigen-Tests
Chinesen verkaufen Covid-Tests für 65 Rappen – Bund zahlt das Neunfache

Jetzt liegen konkrete Zahlen vor: Testzentren verrechnen dem Bund alleine fürs Testmaterial den neunfachen Einkaufspreis. Ein Kritiker erklärt, wieso man nicht überhastet reagieren darf.

Petar Marjanović/watson.ch
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Der Bund zahlt bis zu 36 Franken für einen Antigen-Test.

Der Bund zahlt bis zu 36 Franken für einen Antigen-Test.

Bild: Pius Amrein

Schweizer Testzentren machen grosse Geschäfte mit den Antigen-Tests: Sie können lukrative Margen beim Covid-Abstrich kassieren, weil Aufwand und Kosten relativ gering sind und der Bund bis zu 36 Franken dafür bezahlt. Sechs Franken davon werden alleine fürs Testmaterial entschädigt, heisst es in Recherchen von watson.

Neue Informationen zeigen nun, wie hoch die Margen tatsächlich ausfallen können: Chinesische Firmen verkaufen die Antigen-Testkits für einen Bruchteil von dem, was Testzentren dem Bund verrechnen können.

Eine Herstellerin dieser Tests in Hángzhōu (Provinz Zhèjiāng) verrät gegenüber watson, dass derzeit Testkits für umgerechnet 0.65 bis 1.40 Schweizer Franken verkauft werden. «Unsere Preise hängen von den Mengen ab, die bestellt werden», so die Stellungnahme einer Produktionsfirma, deren Testkits in der Schweiz zugelassen sind und zur Anwendung kommen.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erklärte vergangene Woche, dass für Materialkosten höchstens sechs Franken verrechnet werden dürften. Sprich: Allfällige «direkte oder indirekte Vergünstigungen» müssten weitergegeben werden. Doch das passiert nicht immer, wie Selbstversuche von watson-Mitarbeitenden zeigen: Einzelne Testzentren verrechnen für Material und Aufwand den vollen oder beinahe den vollen Betrag von 36 Franken.

Günstiges Testkit aus China – verrechnet wird aber fast der volle Preis.

Günstiges Testkit aus China – verrechnet wird aber fast der volle Preis.

Bild: watson

Der St.Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler wusste von den Tiefstpreisen auf den chinesischen Märkten schon im Dezember und erklärt heute, dass der Preisüberwacher in der Pflicht sei zu reagieren. Dieser intervenierte vor gut einem Monat beim Bundesrat, der für eine Anpassung der Testtarife zuständig ist. Dobler meint dazu:

«Das ist der richtige Weg. Der vom Bund bezahlte Betrag ist bei einfachen Walk-in-Testzentrums ohne grosse medizinische Beratung klar überrissen. Es wäre gefährlich, die Tarife in einer Hauruckübung drastisch zu senken.»

Bundesrat tagt am Mittwoch wieder

Doblers Einwände gehen in dieselbe Richtung wie die Argumentation des BAG. Dieses spricht bei der Tarifsetzung von einer «Gratwanderung»: Man müsse die notwendigen Testkapazitäten sicherstellen und gleichzeitig die «effizienteste Leistungserbringung» vergüten. Auf Deutsch heisst das: Die hohen Kostenübernahmen bei den Antigen-Tests schufen in den vergangenen Wochen riesige Testkapazitäten. Kürzt der Bund ihren Profit zu stark, so drohen diese wieder einzugehen – was angesichts der Überlastung bei den PCR-Testlaboren nicht zielführend sei. Bei dieser Frage müsse der Preisüberwacher einen Mittelweg finden, so Dobler.

Der St.Galler FDP-Nationalrat erwähnt in diesem Zusammenhang eine Idee des Epidemiologen Marcel Salathé: Der Bund soll den Menschen die Antigen-Selbsttests für zu Hause zur Verfügung stellen. Damit würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits könne die Quarantänezeit reduziert werden, andererseits müssten nicht alle Leute ein Testzentrum besuchen, um einen teureren Antigen-Test zu machen.

Diese könnte der Bundesrat selbstständig umsetzen: Das Covid-Gesetz erlaubt ihm, die Kostenübernahme bei «Schnelltests für die Eigenanwendung» zu regeln. Ob die Regierung diesen Vorschlag umsetzt, zeigt sich an der ersten regulären Bundesratssitzung des neuen Jahres am Mittwoch.

Behörden schliessen dubiose Testzentren

Behörden aus verschiedenen Kantonen haben gemäss der «SonntagsZeitung» reagiert: Mehrere Testzentren seien behördlich geschlossen worden, weil Mitarbeitende teilweise weder Masken noch Handschuhe trugen. Auch seien die Tests nicht immer von medizinischen Praxisassistentinnen und -assistenten durchgeführt worden, was in einigen Kantonen vorgeschrieben ist.

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