ANKLAGE GEGEN PYROWERFER: Bundesanwaltschaft: "Auch Pseudo-Fussballfans werden verfolgt"

Gefährliche Vorfälle mit Pyros sind in Schweizer Fussballstadien kein Novum. Dennoch wird die Bundesanwaltschaft erst jetzt aktiv und erstattet Anzeige gegen einen 23-Jährigen FCSG-Fan. Weshalb? Ein Sprecher gibt Auskunft.

Alexandra Pavlovic
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Ein Sicherheitsmitarbeiter entfernt die Rauchpetarde beim Spiel FC Luzern gegen FCSG vom vergangenen Februar und schützt sich vor dem Rauch. (Bild: Philipp Schmidli/Luzerner Zeitung)

Ein Sicherheitsmitarbeiter entfernt die Rauchpetarde beim Spiel FC Luzern gegen FCSG vom vergangenen Februar und schützt sich vor dem Rauch. (Bild: Philipp Schmidli/Luzerner Zeitung)

Die Tat begangen hatte der FC St.Gallen-Anhänger am 21. Februar 2016 in Luzern während dem Spiel zwischen dem FC Luzern gegen den FC St.Gallen. Wie die Bundesanwaltschaft in einer Mitteilung vom Freitag schreibt, war es dem heute 23-Jährigen aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden gelungen, pyrotechnische Gegenstände ins Luzerner Stadion zu schmuggeln. Bilder von Überwachungskameras zeigten, dass er die Spreng- und Rauchkörper auf das Spielfeld geworfen hatte. Durch die Knallpetarden hat laut Bundesanwaltschaft ein 48-jähriger Mann einen Hörverlust erlitten und musste sich einer Operation unterziehen.

Auf Nachfrage, weshalb Anzeige gegen den St.Gallen Anhänger erstattet wird, obwohl gefährliche Pyroaktionen in Schweizer Stadien Gang und Gäbe sind, heisst es seitens der Bundesanwaltschaft: "Der Beschuldigte hatte eben nicht nur Rauchkörper aufs Spielfeld geworfen, sondern auch Sprengkörper."

"Fehlverhalten wird geahndet"

Welches Strafmass für den 23-Jährigen gefordert wird, darüber gibt die Bundesanwaltschaft aufgrund des laufenden Verfahrens keine Auskunft. André Marty, Mediensprecher der Bundesanwaltschaft, sagte aber gegenüber FM1Today: "Pseudo-Fussballfans müssen realisieren, dass das Fussballstadion ein Ort ist, der so sicher wie möglich sein soll."

Was aber will die Bundesanwaltschaft mit der Anklage bezwecken? Will man damit ein Zeichen setzten und zeigen, dass man künftig bei Chaoten härter durchgreift? Auf Nachfrage sagt eine Sprecherin: "Das Stadion gilt auch als öffentlicher Ort, der sicher sein muss. Sämtliches Fehlverhalten von Personen wird hier geahndet und strafrechtlich verfolgt."

Verantworten müssen wird sich der Beschuldigte vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. Bis zu einem Urteil gelte für ihn aber nach wie vor die Unschuldsvermutung. Ein Blick ins Strafgesetzbuch jedoch zeigt: Der FCSG-Anhänger kann für schwere Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von bis zu maximal zehn Jahren oder zu einer Geldstrafe ab 180 Tagessätzen verurteilt werden. Für die Sachbeschädigung können ihm bis zu drei Jahre Haft drohen. Und wer "vorsätzlich und in verbrecherischer Absicht durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Menschen oder fremdes Eigentum in Gefahr bringt", wird mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bestraft.