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Angewiesen auf Ausländer

Trotz hoher Arbeitslosigkeit rekrutiert das Gastgewerbe viele Arbeitnehmer aus dem Ausland. Kritiker sehen dies als weiteres Argument für die Einführung eines Inländervorrangs. Das Potenzial im Inland sei ausgeschöpft, sagt die Branche.
Michel Burtscher
Im Gastgewerbe arbeiten viele Ausländerinnen und Ausländer. (Bild: ky/Christian Beutler)

Im Gastgewerbe arbeiten viele Ausländerinnen und Ausländer. (Bild: ky/Christian Beutler)

Noch in diesem Jahr debattiert das Parlament über die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative der SVP. Vor rund einem Monat hat der Bundesrat seine Botschaft verabschiedet, umgesetzt werden muss das Vorhaben bis im Februar des nächsten Jahres.

Das Gastgewerbe beobachtet die Diskussionen darüber mit Spannung. Denn es ist neben dem Baugewerbe eine der Branchen, die besonders viele Menschen aus dem EU-Raum rekrutieren. Die ausländischen Arbeitnehmer sind laut GastroSuisse überlebenswichtig: «Ohne die Möglichkeit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ennet der Grenze zu finden, gäbe es kein Gastgewerbe in der Schweiz», schreibt der Branchenverband auf Anfrage.

Arbeitsmarkt «leergefegt»

Wenn man sich die Zahlen zur Branche ansieht, fällt jedoch auf, dass es auch sehr viele Arbeitslose in der Schweiz gibt. So waren beispielsweise im Dezember des vergangenen Jahres im Gastgewerbe knapp 14 000 Menschen als arbeitslos registriert: 4100 in der Beherbergung und 9900 in der Gastronomie. Gleichzeitig wanderten gemäss Zuwanderungsstatistik des Staatssekretariats für Migration im gleichen Monat aus den EU- und Efta-Staaten über 6600 Arbeitnehmer in die Branche ein, inbegriffen sind hier auch Kurzaufenthalter. Sie kamen vor allem aus Portugal, Deutschland und Frankreich. Dieser Monat war zwar ein Höhepunkt bei der Zuwanderung, doch auch in anderen zeigt sich eine ähnliche Tendenz: Im November waren es 1900 Einwanderer, im Oktober, September und August je 1400.

Trotz der hohen Arbeitslosenzahlen betont GastroSuisse, dass der inländische Arbeitsmarkt «leergefegt» sei. Im Zusammenhang mit den Zuwanderungszahlen müsse man zudem bedenken, dass sich die Einwanderung in die Branche beispielsweise im Jahr 2014 mit der Auswanderung die Waage hielt.

Ein Verdrängungseffekt?

Für den ehemaligen Preisüberwacher und früheren SP-Nationalrat Rudolf Strahm sind die Zahlen trotzdem ein «zwingender Grund» für einen Inländervorrang. Die Personenfreizügigkeit habe klar einen Verdrängungseffekt, schrieb er kürzlich in einer Kolumne im «Tages-Anzeiger». Für Firmen sei es einfacher und billiger, Personal im Ausland zu rekrutieren, argumentierte Strahm.

Dem widerspricht GastroSuisse: Einerseits sei es mit einem «viel grösseren Aufwand» verbunden, Personal aus dem Ausland zu holen. Andererseits unterstünden auch ausländische Mitarbeiter dem allgemeinverbindlichen Landes-Gesamtarbeitsvertrag. Eine Lohndiskriminierung gebe es darum nicht.

Wiedereinstieg ins Berufsleben

Dass im Gastgewerbe trotz hoher Arbeitslosigkeit so viele Arbeitnehmer im Ausland rekrutiert werden, kann SVP-Nationalrat Thomas Aeschi (ZG) nicht nachvollziehen: Die Branche müsse bei den inländischen Arbeitslosen ansetzen, sagt er. Genau darum habe die SVP den Inländervorrang in ihre Initiative geschrieben. Das Potenzial inländischer Arbeitskräfte werde bereits so gut wie möglich ausgeschöpft, kontert GastroSuisse. So biete die Branche beispielsweise ein Ausbildungsprogramm für Erwachsene an, um den Einstieg oder den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Der Hauptgrund für die hohen Arbeitslosenzahlen liegen laut des Branchenverbands bei der fehlenden Schul- oder Ausbildung der Arbeitslosen.

Gegen den Inländervorrang hat auch GastroSuisse nichts. Man befürworte aber, dass die Botschaft des Bundesrates dessen Prüfung im Einzelfall nicht vorsehe, schreibt der Verband. Kritisch gegenüber steht er jedoch der vorgeschlagenen Kontingentierung der Kurzaufenthalter zwischen vier und zwölf Monaten.

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