AMTSZEITBESCHRÄNKUNG: Zurück aufs lokale Parkett

Sie ist jung ins Parlament gewählt worden und muss nun die zweite Hälfte ihres beruflichen Lebens aufgleisen: Chantal Galladé will sich in der Bildung engagieren.

Eveline Rutz, Winterthur
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Chantal Galladé schaffte 2003 den Sprung in den Nationalrat. (Bild: Anthony Anes/KEY (Bern, 21. September 2017))

Chantal Galladé schaffte 2003 den Sprung in den Nationalrat. (Bild: Anthony Anes/KEY (Bern, 21. September 2017))

Eveline Rutz, Winterthur

Sie ist nicht die erste, die der Amtszeitbeschränkung ihrer Partei zum Opfer fällt. 2015 waren es die ehemaligen Parteipräsidenten Christophe Darbellay (CVP) und Ueli Leuenberger (Grüne), die ihre Sitze im Nationalrat räumen mussten. Nun trifft es in eineinhalb Jahren neben Adrian Amstutz (SVP) und Viola Amherd (CVP) auch Chantal Galladé (SP).

Doch während die einen Regierungsräte werden oder sich nach einem Mandat in der Wirtschaft umsehen, ist das bei Galladé anders: Sie möchte ins Präsidium der Kreisschulpflege Winterthurer Stadt/Töss. Sie wolle näher zu den Leuten und habe den Wunsch, Verantwortung zu übernehmen, erklärt die Zürcherin, die seit 15 Jahren im Nationalrat politisiert. «Alle Kinder haben es verdient, gerne in die Schule zu gehen und angemessen gefördert zu werden», sagt sie.

Die 45-Jährige kandidiert nicht für irgendein lokales Behördenamt, sondern will sich eines Problemfalls annehmen. Am Schulhaus Brühlberg kündigte 2017 die gesamte Lehrerschaft, was in erster Linie dem bisherigen Präsidenten Felix Müller angelastet wurde. Eltern und Schüler gingen auf die Barrikaden und forderten dessen Rücktritt. Müller wurde von seiner Partei, den Grünen, letztlich fallen gelassen. Trotz aller Kritik bewirbt er sich nun erneut für das Vollamt.

Von besorgten Eltern angesprochen

In der akuten Krisenphase seien viele Leute an sie herangetreten, sagt Chantal Galladé. Aus eigener Erfahrung wisse sie, wie ­belastend eine schwierige Schul­situation für Eltern und Kinder sein könne. Die SP-Politikerin ist Mutter einer 13- und einer 2,5-jährigen Tochter. Sie bringt im Bereich Bildung viel Erfahrung mit. Sie hat Pädagogik studiert, mehrere Jahre an Berufsschulen unterrichtet und als ­Nationalrätin viele Jahre in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur mitgearbeitet. «Eine Führungsaufgabe in diesem Bereich zu übernehmen, reizt mich», sagt Galladé, die zuletzt vor allem als Sicherheitspolitikerin wahrgenommen wurde. «Ich habe genügend Waffenplätze gesehen.»

Hohe Hürde für Langzeitpolitiker

Dass sie sich neu orientiert, liegt auch an der Altersguillotine ihrer Partei. Nach drei Amtsperioden müssen Kandidierende der SP zwei Drittel der Basis hinter sich scharen, um erneut antreten zu können. Vor drei Jahren passierte die Winterthurerin diese Hürde noch souverän; nun will sie sich dem Verfahren aber offenbar nicht mehr stellen.

Marcel Vosswinkel, der sich im Konflikt um die Brühlberg-Schule für die Seite der Eltern engagiert, begrüsst ihre Kandidatur. Chantal Galladé verfüge nicht nur über eine grosse politische Erfahrung, sondern bringe auch von ihrer Ausbildung her Fachkenntnisse mit. «Sie wird sich in das System Schule wohl gut hineindenken können.» In den letzten Jahren sei die Schule Brühlberg in erster Linie verwaltet worden, kritisiert der Familienvater. Nun brauche es jemanden, der wieder das Kerngeschäft der Schule, nämlich die Kinder und Lehrpersonen sowie die Pädagogik, ins Zentrum stelle. «Ich traue Galladé zu, diesen Fokus wiederzubeleben.»

Nicht nur Vosswinkel räumt der SP-Frau sehr gute Chancen ein, am 10. Juni gewählt zu werden. Im Gegensatz zu ihrem Konkurrenten hat sie unter anderem eine grosse Partei und die Interparteiliche Konferenz im Rücken. Wie breit sie unterstützt werden dürfte, zeigt ein positiver Facebook-Post der SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. «Ich bin Politikerin, keine Wahrsagerin», sagt Galladé. Sie denke nicht in Chancen, sondern folge ihren Interessen. «Und dann steige ich voll in den Wahlkampf.»