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Branche wehrt sich gegen neue Kennzeichnung auf Lebensmitteln

Konsumentenschützer fordern die Einführung einer Kennzeichnung, die zeigt, wie gesund verarbeitete Lebensmittel sind. Die Branche wehrt sich dagegen. Doch der Druck auf sie steigt.
Michel Burtscher
Welches Produkt ist gesund und welches nicht? Dank eines neuen Labels sollen Konsumenten diese Frage künftig einfacher beantworten können. (Bild: Fotolia)

Welches Produkt ist gesund und welches nicht? Dank eines neuen Labels sollen Konsumenten diese Frage künftig einfacher beantworten können. (Bild: Fotolia)

Seit einigen Wochen schon kann man ihn auf den Verpackungen einzelner Lebensmittel sehen, die in den Regalen der hiesigen Supermärkte stehen: den sogenannten Nutri-Score, eine Lebensmittel-Ampel, die auf einer Skala von A bis E und grün bis rot angibt, wie gesund das Produkt ist. Anfang März hat der französische Konzern Danone als erstes Unternehmen diese Kennzeichnung in der Schweiz eingeführt. Bis Ende dieses Jahres will die Firma den Grossteil ihrer Milchfrischeprodukte mit dem Label ausstatten, bis Ende 2020 alle.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass das nur der Anfang ist. Denn hinter den Kulissen laufen Gespräche zum Thema. Heute treffen sich Beamte des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) mit Vertretern der Lebensmittelbranche und Gesundheitsorganisationen sowie Konsumentenschützern zu einem runden Tisch. Laut BLV geht es darum, die Akteure über die Kennzeichnungssysteme zu informieren, offene Fragen zu beantworten und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Branche sträubt sich gegen Label

Bisher wehrte sich die hiesige Branche gegen eine solche Kennzeichnung. Die IG Detailhandel, zu der unter anderen Migros und Coop gehören, bezeichnet das Ampelmodell in einem Positionspapier als «irreführend und zu vereinfacht». Die Begründung: Referenzwerte und Empfehlungen seien für die gesamte Ernährung konzipiert und könnten nicht auf einzelne Lebensmittel heruntergebrochen werden. Die Qualität der Ernährung werde nicht durch ein einzelnes, sondern durch die Summe aller aufgenommenen Lebensmittel bestimmt.

Unter anderem deswegen steht auch die Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (Fial) der Einführung einer Ampelkennzeichnung kritisch gegenüber. Trotzdem signalisiert sie Gesprächsbereitschaft: Im neusten Fial-Newsletter heisst es, dass man den Druck der Konsumentenorganisationen und des Bundes zur Kenntnis nehme und sich vertieft mit dem Thema auseinandersetzen wolle. Auf Anfrage schreibt Fial-Co-Geschäftsführer Urs Furrer, dass es noch viele offene Fragen gebe. Zum Beispiel, wie man am besten europaweit ein einheitliches Verständnis sicherstellen und neue Handelshemmnisse verhindern könne. Oder wie hoch die Kosten der Umsetzung seien und wer die «nötige begleitende Informationskampagne» organisiere.

Zudem verweist Furrer auf ein aktuelles Gerichtsurteil aus Deutschland. Das Landgericht Hamburg hat entschieden, dass der Nutri-Score gegen europäische Vorschriften zur Lebensmittelkennzeichnung verstosse. Laut Furrer besteht deswegen «eine gewisse Rechtsunsicherheit». «In einer solchen Situation ist es das Klügste, vorerst einmal zuzuwarten, statt in Aktionismus zu verfallen und sich verfrüht für oder gegen ein bestimmtes Modell auszusprechen», sagt er. Für die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hingegen ist klar, dass es eine solche Kennzeichnung auf allen Produkten braucht – und sie ist optimistisch, dass sie kommen wird. «Wir gehen davon aus, dass in der Lebensmittelbranche ein Umdenken stattfinden wird», sagt Alex von Hettlingen von der SKS. Durch das Vorpreschen einzelner Hersteller wie Danone werde sich eine Dynamik entwickeln, vermutet er. «Wenn die Produkte in den Regalen stehen und die Konsumenten positiv auf die Lebensmittel-Ampeln reagieren, geben die Detailhändler ihren Widerstand wahrscheinlich schnell auf», sagt von Hettlingen.

Sukkurs erhalten die Konsumentenschützer vom Bund: Man begrüsse, wenn die Konsumenten Unterstützung bei der Wahl von gesunden Lebensmitteln erhielten, schreibt das BLV. Wichtig sei jedoch, dass es eine einheitliche Lösung gebe. Das betont auch die SKS. Die Anbieter müssten erkennen, dass es nicht mehr darum gehe, ob eine Nährwertkennzeichnung komme, sondern ob man ein Kennzeichnungswirrwarr verhindern wolle. Denn heute gibt es in Europa neben dem französischen Nutri-Score auch andere Labels, wobei in der Schweiz bisher nur der Nutri-Score zugelassen ist.

Einzig auf die Kooperation der Branche will die Stiftung für Konsumentenschutz indes nicht vertrauen. Die Organisation fordert eine Regelung auf Gesetzesstufe. «Ansonsten ist die Gefahr der Aufweichung oder Abschwächung der Kennzeichnung zu gross», sagt Alex von Hettlingen. Davon will der Bundesrat, zumindest im Moment, aber nichts wissen. Er sehe «aktuell keine Notwendigkeit», die Verwendung eines Kennzeichnungssystems rechtlich zwingend vorzuschreiben, schrieb der Bundesrat kürzlich auf eine entsprechende Frage aus dem Parlament.

Michel Burtscher

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