Am runden Tisch für das Sorgerecht

Männerorganisationen fordern vom Bundesrat, das elterliche Sorgerecht möglichst rasch zu revidieren. Bundesrätin Sommaruga organisiert heute einen runden Tisch zu diesem Thema.

Nina Rudnicki
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Bern. Väter aus der ganzen Schweiz versammeln sich einmal im Monat zu einer Mahnwache vor dem Bundeshaus. Sie fordern eine schnelle gesetzliche Verankerung des gemeinsamen Sorgerechts – auch gestern, am Vorabend des von Bundesrätin Sommaruga zu diesem Thema einberufenen runden Tisches.

Alle Akteure versammelt

Mit dem runden Tisch bietet Sommaruga den Väter-, Mütter- und Familienorganisationen die Möglichkeit, ihre Sichtweise zum gemeinsamen Sorgerecht einzubringen. «Für uns ist die Förderung der Kooperation zwischen den Eltern zentral. Das gemeinsame Sorgerecht ist die Voraussetzung dafür», sagt Markus Theunert, Präsident des Dachverbands der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, Bisher habe die Frau faktisch ein Vetorecht. Für sie sei die Motivation gering, sich für ein gemeinsames Sorgerecht einzusetzen. Diesen negativen Anreiz gelte es abzuschaffen. Oliver Hunziker, Präsident der schweizerischen Vereinigung für gemeinsame Elternschaft, betont, es sei vor allem wichtig, dass es zu keinen weiteren Verzögerungen komme. Zusätzliche Themen wie etwa die unterhaltsrechtlichen Fragen könnten als Kompromiss in einem zweiten Rundgang diskutiert werden.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Der Schweizerische Verband alleinerziehender Mütter und Väter argumentiert, das Gesetz müsse den Kindern auch dann den nötigen Schutz bieten, wenn ihre Eltern sich nicht einigen können. Dies sei mit den heute geltenden Gesetzesbestimmungen bereits der Fall. Die Scheidungsforschung zeige, dass Konflikte und nicht die Trennung die Kinder am meisten belasteten.

Druck auf Sommaruga

Rückenwind bekommen die Väter von der Rechtskommission des Nationalrats. Mit einer Motion beauftragte die Kommission den Bundesrat, die Frage des gemeinsamen Sorgerechts rasch zu klären und die Gesetzesrevision zweizuteilen: In einer ersten Phase soll die gemeinsame elterliche Sorge als Regelfall im Gesetz verankert, danach erst das Unterhaltsrecht geklärt werden.

Damit erhöht die Kommission den Druck auf Sommaruga. Diese kündigte erst im Januar an, die Revision zu verschieben und neben der gemeinsamen elterlichen Sorge auch die unterhaltsrechtlichen Fragen zu regeln. Dadurch sollte die Situation der Mutter gestärkt werden, die in den meisten Fällen die Kinder betreut. Der Entscheid erzürnte die Väter. Sie befürchteten künstliche Verzögerungen.

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