Alle helfen Eveline – fast alle

Simonetta Sommaruga: Liebe Kollegin, liebe Kollegen, es tut mir leid, dass ich euch so kurzfristig zur heutigen Krisensitzung eingeladen habe. Aber es ging nicht anders und… Doris Leuthard: …wo ist denn Eveline? Sommaruga: Ja… äh… sie ist nicht da.

Christian Kamm
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Simonetta Sommaruga: Liebe Kollegin, liebe Kollegen, es tut mir leid, dass ich euch so kurzfristig zur heutigen Krisensitzung eingeladen habe. Aber es ging nicht anders und…

Doris Leuthard: …wo ist denn Eveline?

Sommaruga: Ja… äh… sie ist nicht da.

Leuthard: Das sehe ich.

Sommaruga: Sie wird auch nicht kommen, Doris. Weil ich sie… ich habe Eveline nicht eingeladen.

Johann Schneider-Ammann (protestiert): Simonetta! Du bist zwar Bundespräsidentin, aber du kannst doch nicht einfach…

Sommaruga: Es geht um s i e, Hannes. Verstehst du. Es geht um Eveline.

Leuthard (zeigt mit dem Finger auf Ueli Maurer): Warum sitzt dann der hier? Wir können doch nicht über Eveline reden, und der Ueli erzählt anschliessend alles brühwarm der SVP weiter.

Ueli Maurer (protestiert): Wir in der SVP sind doch die einzigen, die überhaupt wissen, was Treu und Glauben ist! Da wird nichts Vertrauliches weitererzählt – höchstens dem Christoph.

Sommaruga: Ich habe euch eingeladen, weil wir dringend darüber beraten sollten, wie wir Eveline helfen könnten. Damit sie noch möglichst lange bei uns bleiben kann.

Maurer: Wenn das so ist, dann gehe ich jetzt wieder.

Leuthard: Ueli, du bleibst!

Maurer: Du hast mir gar nichts zu befehlen.

Leuthard: Willst du morgen in den Zeitungen lesen, du hättest das Kollegialitätsprinzip verletzt? Du bleibst!

Sommaruga: Danke, Doris. Jetzt, wo diese Frage also geklärt ist, erwarte ich Vorschläge von euch. Wir brauchen dringend eine Strategie, einen nationalen Aktionsplan «Rettet Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf».

Alain Berset: Wir könnten sie per bundesrätliche Notverordnung als unverzichtbar für die inneren und äusseren Interessen unseres Landes erklären.

Schneider-Ammann: Du mit deinen Staatslösungen, Alain.

Sommaruga: Wie wär's mit dem frauenpolitischen Argument? Kein Mann darf Eveline aus dem Bundesrat verdrängen. Frauen, wehrt euch!

Schneider-Ammann: Das interessiert doch keinen Mann – äh Mensch, wollte ich sagen.

Leuthard: Und wir riskieren, dass die Blochers Tochter bringen. Wie heisst sie doch gleich?

Didier Burkhalter: Hélas, meine Freunde, ich hab's. Ich habe eine Idee!

Maurer: Dass ich das noch erleben darf. Zum Glück bin ich geblieben.

Burkhalter: In der Politik geht es doch immer ums Tauschen, um Tauschhandel. Das ist mit Europa so, und das ist mit der Bundesratswahl nicht anders. Wir sagen der SVP einfach: O. K., wir nehmen den Toni Brunner zu uns und geben euch dafür den Ueli zurück. Und schon sind alle zufrieden.

Schneider-Ammann: Einfach genial, Didier. Ich habe schon immer gewusst, dass aus dir einmal ein grosser Stratege wird.