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AIDS: Der HIV-Selbsttest steht in der Schweiz vor der Zulassung

Während sich in Europa immer mehr Personen selbstständig auf HIV testen, ist das in der Schweiz verboten. Angesichts der hohen Zuverlässigkeit der Instrumente sei dies unverständlich, argumentieren Fachstellen. Sie fordern eine Einführung.
Roger Braun
HIV-Schnelltest für den Heimgebrauch. (Bild: AFP)

HIV-Schnelltest für den Heimgebrauch. (Bild: AFP)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Vor vier Jahren, da war die Ablehnung noch einhellig. Das Bundesamt für Gesundheit, die Fachkommission für sexuelle Gesundheit und die Aids-Hilfe: Alle warnten sie davor, sich selbstständig zu Hause auf das HI-Virus zu untersuchen. Zu gross sei das Risiko, dass positiv getestete Personen überreagierten, wenn keine Fachperson anwesend sei, wurde argumentiert. Hinzu komme, dass viele diagnostische Instrumente unzuverlässig seien. Stichproben des Bundesamts hatten zuvor ein katastrophales Ergebnis ergeben. Von 33 Selbsttests, die im Internet bestellt wurden, zeigten nur 21 die Infektion korrekt an.

Tempi passati. Heute sind Selbsttests auf dem Markt, die es mit Laboruntersuchungen aufnehmen können. In Europa sind Tests für den Heimgebrauch bereits in Grossbritannien, Frankreich, Italien, Belgien und Luxemburg rezeptfrei erhältlich. Beispiel Frankreich: Über 150000 Personen haben sich in den vergangenen zwei Jahren auf das HI-Virus getestet. Das Instrument ist zuverlässig. Ist jemand HIV-positiv, weist dies der Test mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit aus. Ist jemand negativ, beträgt die Trefferquote 99,8 Prozent.

Bund führt Gespräche mit Produzenten

Der französische Hersteller des Autotests, AAZ-LMB, hat kürzlich beim Bundesamt für Gesundheit angeklopft. Gerne würde die Firma das Produkt auch in der Schweiz anbieten. Nur: Derzeit ist das hierzulande verboten. Die massgebende Medizinprodukteverordnung lässt indes Spielraum. Kommt die schweizerische Zulassungsbehörde Swissmedic zum Schluss, dass eine Ausnahme im Interesse der öffentlichen Gesundheit ist, kann sie einen diagnostischen Test erlauben.

Das Bundesamt für Gesundheit bestätigt die Gespräche mit AAZ-LMB. «Wir klären derzeit ab, ob der Selbsttest auch in der Schweiz angeboten werden soll», sagt Daniel Koch, der Abteilungsleiter für übertragbare Krankheiten. Kommt das Bundesamt zu einem positiven Schluss, wird es bei Swissmedic eine Sonderbewilligung beantragen – die dann einen oder mehrere Schnelltests zulassen wird.

Einfacher Zugang soll Übertragung stoppen

Die Aids-Hilfe Schweiz ist inzwischen eine dezidierte Befürworterin einer Zulassung. «Nun da die Tests zuverlässig sind, gibt es keinen Grund mehr, zuzuwarten», sagt Geschäftsführer Daniel Seiler. Schätzungen gehen davon aus, dass in der Schweiz 3000 Leute den HI-Virus in sich tragen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Seiler ist optimistisch, dass sich diese Zahl senken lässt, wenn sich die Personen selbst untersuchen können. «Heute verdrängen viele das Risiko oder schämen sich, eine Teststelle aufzusuchen», sagt er. «Je einfacher sich jemand testen kann, desto mehr werden dies tun und desto wirkungsvoller kann die Über­tragung gestoppt werden.» Internationale Studien zeigen denn auch, dass mehr Personen ihren HIV-Status abgeklärt haben, nachdem der Selbsttest zugelassen wurde.

Wenn der Bund einen Entscheid fällt, wird er das zusammen mit der Eidgenössischen Kommission für sexuelle Gesundheit tun. Der Präsident dieser ausserparlamentarischen Expertengruppe ist Marcel Tanner, der ehemalige Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts. Er sagt, die Kommission werde dem Bundesamt voraussichtlich im März eine Empfehlung abgeben. «Ich gehe davon aus, dass wir grundsätzlich eine Zulassung empfehlen werden», sagt er. Er sieht im Soforttest eine Chance für die öffentliche Gesundheit. «Er könnte dazu beitragen, dass es die Schweiz schafft, das Virus mittelfristig zu eliminieren», sagt er.

Mit der Zulassung allein ist es für Tanner allerdings nicht getan. «Ausschlaggebend ist, wie die Leute mit dem Testresultat umgehen», sagt er. «Wenn die positiv getesteten Personen ihr Leben fortführen, als ob nichts wäre, oder in Panik geraten, ist niemandem geholfen.» Tanner pocht darauf, dass Personen mit einem positiven Resultat nicht allein ­gelassen werden. Nötig sei mindestens ein aussagekräftiger Beipackzettel, der einfach zu verstehen sei, Hilfe anbiete und eine Kontaktadresse beinhalte.

Keine Affekthandlungen nach positivem Test

In Frankreich hat sich gezeigt, dass positiv getestete Personen relativ beherrscht auf das Resultat reagieren. Panikattacken oder gar Selbstmordversuche blieben aus. Seiler überrascht das nicht. «Wer einen Selbsttest macht, hat sich in der Regel bereits vertieft mit dem Thema auseinandergesetzt», sagt er. «Er oder sie weiss deshalb, dass eine Infektion im Unterschied zu früher kein Todesurteil mehr ist.» Für Seiler ist damit der Weg frei für die Zulassung. «Jede Person soll selbst entscheiden können, ob sie einen Selbsttest nutzen möchte oder zum Hausarzt gehen will. Die Menschen sind mündig genug.»

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