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Ärzte kassieren für Privatpatienten

Spitäler behalten Zusatzversicherte selbst bei einfacheren Eingriffen häufiger mehr als einen Tag bei sich. Das Geschäft ist lukrativ. Krankenkassen kritisieren die massiven Kosten.
Tobias Gafafer
Spitäler verdienen mit Privatversicherten viel Geld. (Bild: Gaëtan Bally/KEY (Lausanne, 23. August 2016))

Spitäler verdienen mit Privatversicherten viel Geld. (Bild: Gaëtan Bally/KEY (Lausanne, 23. August 2016))

Spitäler nehmen bei Zusatzversicherten bestimmte Eingriffe häufiger vor – und das öfter stationär statt ambulant. Dies ist in der Öffentlichkeit selten ein Thema, obwohl die Diskussion in Fachkreisen seit längerem läuft. Neue Auswertungen von Krankenkassen belegen nun aber konkret, wie lukrativ Zusatzversicherte für die Spitäler sind. Die Zahlen, welche die HSK, die Einkaufsgemeinschaft der Helsana, Sanitas und KPT vor kurzem an einer Fachtagung präsentierte, liegen unserer Zeitung vor.

Demnach werden Privatversicherte im Alter von 40 bis 49 Jahren bei einer Knie-Arthroskopie elfmal häufiger stationär behandelt als Allgemeinversicherte. Fast dreissig Prozent verbringen im Schnitt bis zu drei Tage im Spital, während Grundversicherte nach demselben Eingriff meist schneller wieder nach Hause können. Die Unterschiede sind in allen drei Altersgruppen zwischen 50 und 79 Jahren ähnlich. Halbprivat Versicherte im Alter von 40 bis 49 Jahren werden immer noch dreimal so häufig bis zu drei Tage im Spital behalten wie Grundversicherte. Dies ist nur ein Beispiel für einen Eingriff.

Drei- bis viermal so hohe Kosten

Mit den stationären Behandlungen der Zusatzversicherten fahren die Spitäler finanziell massiv besser. Für eine ambulante Knie-Arthroskopie in der Grundversicherung etwa erhalten sie von der Krankenkasse im Durchschnitt «nur» 2350 Franken. Für halbprivat Versicherte kostet die Behandlung stationär dagegen 7200 Franken – und für Privatversicherte rund 10 000 Franken. Dafür erhalten die Spitäler eine Fallpauschale, an denen sich die Kantone beteiligen, während für ambulante Behandlungen allein die Krankenversicherer zahlen. In einem Extremfall kostete die Knie-Arthroskopie laut HSK gar 11 323 Franken, wovon 900 Franken auf den Anästhesisten und allein 5416 Franken auf den verantwortlichen Arzt entfielen. Ähnlich sind die finanziellen Unterschiede bei Katarakt-Operationen (grauer Star).

«Zusatzversicherte werden weitaus häufiger stationär behandelt, weil es für die Spitäler lukrativ ist», sagt Peter Graf, Geschäftsführer der HSK. Die Zahlen zeigten, dass die Leistungserbringer die Knie-Arthroskopie und andere Eingriffe in den meisten Fällen auch für Zusatzversicherte ambulant durchführen könnten. Und damit Kosten sparen. Kommt hinzu, dass sich Patienten beim Spitalaufenthalt mit Infektionen anstecken können.

Graf verlangt eine Gesetzesgrundlage, damit gewisse Eingriffe nicht mehr stationär durchgeführt werden. «In Deutschland gibt es eine Liste mit Operationen, die im Normalfall ambulant erfolgen sollen.» Entsprechende Pläne hat der Kanton Zürich. Für Patientenschützerin Margrit Kessler ist das Problem, dass die Patienten zu schlecht informiert sind. Sie empfiehlt, vor einem Eingriff eine Zweitmeinung einzuholen, von einem Spital aus einem anderen Kanton.

Grundversicherte quersubventionieren

Unnötige Eingriffe seien medizinisch am heikelsten, sagt Bernhard Wegmüller, Direktor des Spitalverbands H+. «Man muss sehen, ob es wegen der Entschädigung zu Fehlanreizen kommt.» Er warnt aber vor einfachen Schlüssen. So sei fraglich, ob Zusatzversicherte wünschten, nach einem Eingriff im Spital zu bleiben. H+ unterstützt die Forderung nach einer einheitlichen Finanzierung für den ambulanten und stationären Bereich. Laut Wegmüller würde dies das Problem aber nicht lösen, da die Zusatzversicherung nur stationäre Behandlungen betreffe.

Klartext sprach jüngst gegenüber der «Schweiz am Sonntag» der Direktor des Spitals Uster, Andreas Mühlemann. «In der Grundversicherung können auch gut geführte Spitäler die Behandlungskosten mit den heutigen Tarifen nicht decken.» Sie müssten bei den Zusatzversicherten einen Gewinn machen, um die allgemein Versicherten querzusubventionieren.

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