Ärgernis oder praktisches Hilfsmittel? Ein Pro und Contra zum Laubbläser

Die Tage werden wieder kürzer, und die Natur zeigt sich von ihrer schönen Seite. Die Blätter der Bäume präsentieren sich in voller Farbenpracht. Doch die Herbstidylle kommt nicht ohne Nebengeräusche.

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(gia) Sobald der Herbst kommt, sind auch die Laubbläser nicht fern. Mit bis zu 300 Stundenkilometern und 100 Dezibel pusten sie die Blätter vom Rasen. Vielen sind die Geräte ein Dorn im Auge. In manchen Gemeinden wurde gar ein Verzicht auf Laubbläser diskutiert. Einerseits wegen des Lärms, der Ausmasse eines Presslufthammers oder Rockkonzerts erreicht. Gegner der motorisierten Pustemaschinen monieren gar, Laubbläser seien aufgrund ihrer ohrenbetäubenden Geräusche gesundheitsgefährdend.

Sobald die Blätter fallen, sind auch Laubbläser nicht fern. (Bild: Urs Bucher)

Sobald die Blätter fallen, sind auch Laubbläser nicht fern. (Bild: Urs Bucher)

Anderseits sind aber auch Auswirkungen auf die Fauna ein Streitpunkt, betrachtet man die Diskussionen um Laubbläser. Denn das systematische Wegföhnen von Laub raubt Igeln, Insekten und anderen Tieren die Schlafplätze und den Unterschlupf. Dass viele trotzdem lieber zum Laubbläser als zum Rechen greifen, liegt in erster Linie an der Effizienz. Wer grosse Flächen von Laub befreien will, spart mit einem Laubbläser einiges an Zeit.

Pro: «Laub ist wie Sand in den Strandkleidern»

Nicola Ryser, Redaktor Wilerzeitung.

Nicola Ryser, Redaktor Wilerzeitung.

Am Laub scheiden sich die Geister. Indirekt ist es nicht schädlich, jedoch soll es im Herbst vom Boden entfernt werden. Dafür haben wir Laubbläser. Nehmen wir die Szenerie nach einem Herbststurm, der die Bäume durchgeschüttelt hat. Ein Beispiel – in Form eines Kopfkinos. Man sitzt zu Hause, liest im gedämpften Licht ein Buch und kuschelt sich samt heissem Tee ins fedrige Bett. Indes peitscht draussen der Wind um die Hausecke und lässt die Fensterstoren erzittern, der Regen prasselt aufs Dach. Gibt es etwas Gemütlicheres? Wohl kaum. Nur: Die Kehrseite eines Herbststurms sieht man erst am nächsten Morgen, wenn man aufsteht, hinausschaut und – oh Graus – den Zustand der Aussenwelt betrachtet. Im eigenen Garten, auf der Terrasse, auf den Strassen und Gehwegen, überall liegt das Laub tausendfach herum – die Übertreibung sei hierbei gestattet. Und was jetzt? Das Laub liegen lassen oder aufsammeln? Für Pflanzen sind die Blätter nützliches Düngemittel, doch auf Rasenflächen soll man sie besser entfernen. Denn Laub entzieht dem Gras die Flüssigkeit und Sauerstoffzufuhr. Auf Gehwegen und Strassen können die Blätter in Kombination mit Wasser schnell seifig und rutschig werden. Deswegen muss es weg.

Die Krux ist, dass sich Laub wie Sand in Strandkleidern verhält. Es ist überall und man bringt es kaum weg. Zugegebenermassen reicht bei kleinen Flächen die «Zurhandnahme» eines Rechens. Doch was passiert mit grösseren Flächen wie Stadtparks? Oder mit Kieswegen, die schwieriger zu säubern sind? Hier kommt der Laubbläser ins Spiel. Mithilfe kontrollierter Luftstösse kann das Laub aus den Bodenspalten geblasen und danach gesammelt werden. So dauert die Arbeit nicht mehr drei Stunden, sondern nur noch 30 Minuten. Ein effizientes Werkzeug, das perfekt zu unserer «schnell, schneller, am schnellsten» tickenden Gesellschaft passt. Für alle Laubbläser-Gegner, die nun den Zeigfinger heben und lamentieren, dass die Geräte zu laut sind: Laubbläser dürfen nur zu Bürozeiten gebraucht werden, also dann, wenn wir mit Meetings und Mails anderweitig beschäftigt sind. Und wenn wir schliesslich aus dem Büro kommen, können wir die «gesäuberten» Strassen und Rasenflächen geniessen. Kein Laub am Boden, keine rutschigen Gehwege mehr. Zumindest bis zum nächsten Herbststurm.

Contra: «Die überflüssigste Erfindung der Neuzeit»

Andrea Häusler, Redaktorin Wiler Zeitung.

Andrea Häusler, Redaktorin Wiler Zeitung.

Noch tragen die Bäume ihr Blätterkleid. Doch bereits beginnen die Ahorne gelb zu werden, die Eichen zu erröten. Wenige Wochen noch, dann lassen sie die Blätter fallen, und es beginnt die Saison einer der überflüssigsten Erfindungen der Neuzeit: jene der Laubbläser. Was für die einen die bequemste Art ist, Laub von Strassen, Vorplätzen, aus Rabatten und Rasenanlagen zu entfernen, tötet anderen den letzten Nerv. Nachvollziehbar, denn je nach Modell erzeugen benzinbetriebene Laubbläser einen Schallleistungspegel von bis zu 115 dB und einen Schalldruckpegel am Ohr von 100 dB. Aus Sicht der Suva ein bedenklicher Wert. Den empfohlenen Ohrenschutz tragen jene, welche die Kravalltüten bedienen – alle anderen haben den Ärger. Gleichermassen einseitig verteilt sind die Auswirkungen der motorisierten Laubbekämpfung bei der Luftbelastung. Weil der aufgewirbelte Feinstaub Bakterien, Parasiten und Viren enthalten und auf Fahr- und Gehwegen Spuren von Dieselruss und Reifenabrieb aufweisen kann, rät das Bundesamt für Gesundheit zum Maskentragen. Wer das Laub – egal ob mit Benzin- oder Akkulaubbläser – durch die Luft pustet, tut dies in der Regel. Die genervten Unbeteiligten tragen die Konsequenzen.

Zugegeben, einfach ist das perfekte Entlauben von Steinbeeten und Kiesplätzen mit künstlichen Sturmböen aus dem Blasrohr schon. Obwohl leistungsstarke Laubbläser keine Leichtgewichte sind und längeres Arbeiten ganz schön in den Rücken gehen kann. Nur: Muss denn jedes Blättchen, jeder winzige, vom Herbstwind verwehte Sämling auf dem Komposthaufen vermodern oder in der Grünmülltonne abgeführt werden? Genügt es nicht, den guten alten Besen oder den Laubrechen zu behändigen und rudimentär zusammenzukehren, was die Mikrofauna vor Frost schützen und Igeln einen winterlichen Unterschlupf bieten kann? Rechen sind ausserdem preiswert, emissionsfrei und versehen ihren Dienst auch dann, wenn das Laub nass ist. Und wenn da und dort ein bisschen buntes, raschelndes Herbstlaub liegen bleibt – ist das tatsächlich schlimm? Natürlich, der Unfallgefahr wegen. Passanten könnten auf dem feuchten Blätterteppich ausrutschen. Das Risiko ist hoch. Ähnlich gross wie die Gefahr, unter ein Auto zu geraten, weil der Lärm des Laubbläsers das Motorgeräusch übertönt hat.