Ärger über Pestizid-Ziele

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Umwelt Ohne geht es nicht: Pflanzenschutzmittel seien für die Landwirtschaft ein Muss, um Lebensmittel in der nachgefragten Menge und Qualität anbieten zu können. Das schreibt der Bundesrat im Aktionsplan Pflanzenschutzmittel, den er gestern verabschiedet hat. Die Landesregierung will die Risiken für Mensch und Umwelt aber reduzieren, und zwar um die Hälfte.

Der Aktionsplan enthält zahlreiche Massnahmen, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll: So sollen ab 2020 jene Bauern mehr Direktzahlungen erhalten, die ganz oder teilweise auf Herbizide verzichten und Unkraut mechanisch bekämpfen. Gegenüber dem letztjährigen Entwurf hat der Bundesrat nur wenige ­Anpassungen vorgenommen.

Bauern kritisieren «einseitigen Fokus»

Auch die Reaktionen fallen ähnlich aus: Dem Bauernverband gehen einige Massnahmen zu weit, für die Umweltorganisationen ist der Aktionsplan zahnlos. Pascal König von BirdLife Schweiz stört sich unter anderem daran, dass die Anwendung von besonders ­risikoreichen Mitteln in den nächsten zehn Jahren «nur» um 30 Prozent reduziert werden soll: «Besonders gefährliche Pestizide müssen sofort aus dem Verkehr gezogen werden.» Auf der anderen Seite, beim Bauernverband (SBV), runzelt man die Stirn angesichts des Ziels, die Belastung des Grundwassers mit Pestizidspuren bis 2027 «deutlich» zu verringern – wo doch die geltenden Werte zu 98 Prozent eingehalten würden. «Wir können schlicht nicht abschätzen, was das bedeutet», sagt der Leiter Pflanzenbau beim SBV, David Brugger. Der Aktionsplan ziele zu einseitig auf die Landwirtschaft, dabei fänden sich im Grundwasser weitere Rückstände, etwa von Medikamenten.

Ganz im Sinne der Bauern ist der Verzicht auf Lenkungsabgaben. Der Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, Bernard Lehmann, hatte im vergangenen Jahr für eine Verteuerung der Pestizide plädiert. Gestern sagte er, Lenkungsabgaben seien erst im Rahmen der Agrarpolitik 2022+ wieder ein Thema. (bär)

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