Ältere Arbeitslose wehren sich

Einige Firmen stellen langjährige, ältere Mitarbeitende kaltschnäuzig auf die Strasse. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund hat nun Massnahmen präsentiert, mit denen er dieser Entwicklung entgegentreten will.

Rainer Rickenbach
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Mitglieder des Vereins 50-Plus Outin Work demonstrieren in Bern als Abfallsäcke verkleidet gegen «die vorzeitige Entsorgung vom Arbeitsmarkt». (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Mitglieder des Vereins 50-Plus Outin Work demonstrieren in Bern als Abfallsäcke verkleidet gegen «die vorzeitige Entsorgung vom Arbeitsmarkt». (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Die Fälle von langjährigen Angestellten im Alter von 50 bis 65, die oft mit fadenscheinigen Begründungen den blauen Brief erhalten, mehren sich. Bei den Gewerkschaften häufen sich denn auch die Klagen der Betroffenen. Am Montag machten sich ein paar aus der Arbeitswelt aussortierte 50- bis 65-Jährige bemerkbar, als die Mitglieder des Vereins 50-Plus Outin Work sich Kehrichtsäcke überstreiften und in Bern bei einem kurzen Hearing den Bundesrat auf ihre missliche Lage aufmerksam machten. «So fühlen wir uns ältere Erwerbslose: wie ein Müllsack, bereit zur Entsorgung», kommentiert die Luzerner Geschäftsführerin Heidi Joos.

Besserer Kündigungsschutz

Der Verein fordert unter anderem die Wiedereinführung der Inländer-Bevorzugung auf dem Arbeitsmarkt. So weit geht der Schweizerische Gewerkschaftsbund nicht. Für ihn steht ein besserer Kündigungsschutz für langjährige Mitarbeitende im Alter ab 50 im Vordergrund. «Wir meinen damit nicht Lohnfortzahlungen von mehreren Jahren, die letztlich eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und zahlreiche Zeitverträge für Berufsanfänger zur Folge haben. Wir verlangen das Niveau von guten, bereits bestehenden Gesamtarbeitsverträgen für alle», sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Gewerkschaftsbundes.

Auf seiner Agenda stehen auch Massnahmen gegen die Diskriminierung von älteren Stellensuchenden und Überbrückungsrenten für Ausgesteuerte, wie sie der Kanton Waadt heute schon kennt.

Mit der Überbrückungsrente lässt sich ein aus der Not getätigter, vorzeitiger Bezug von Pensionskassengeldern verhindern, der unweigerlich in eine knappe Altersrente münden wird.

Der Lehrlingsfonds als Vorbild

Als Anreiz für die Arbeitgeber schwebt dem Gewerkschaftsbund ein Solidaritätsfonds vor. Wer die treuen Mitarbeitenden auch in den letzten 15 Arbeitsjahren beschäftigt, zahlt weniger in einen neuen Solidaritätsfonds ein als einer, bei dem nur wenige oder gar keine ältere Mitarbeitenden beschäftigt sind.

Ähnliche Modelle gibt es bereits auf kantonaler Ebene als Ansporn zur Ausbildung von Lehrlingen. Der Ertrag aus dem Fonds für 50-Plus kommt gezielten Angeboten für diese Altersklasse zugute. Sei es für Weiterbildungsprogramme oder auch altersgerechte Arbeitsplätze und -modelle.

Langzeitarbeitslose: Hohe Quote

In der Schweiz ist die Beschäftigungsquote der 50- bis 65-Jährigen zwar überdurchschnittlich hoch. Doch wer in diesem Alter den Job verliert, hat es sehr schwer. Mehr als die Hälfte von ihnen bleibt länger als ein bis zwei Jahre stellenlos und taucht in der Statistik unter der Rubrik Langzeitarbeitslose auf. «Die Erwerbslosigkeit der 55- bis 64-Jährigen ist auf einem historischen Höchststand», sagt Lampart. Im internationalen Vergleich schneide die Schweiz schlecht ab. Vor allem im Dienstleistungssektor und Gewerbe würden ältere Mitarbeitende aussortiert.

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