Adieu, Madame Eigensinn

Für einmal macht Micheline Calmy-Rey sogar in den Augen ihrer Kritiker etwas richtig: Sie tritt korrekt zum Ende einer Legislaturperiode von ihrem Amt zurück.

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Eigenwillige Frisur und überhaupt ein eigenwilliger Kopf: Micheline Calmy-Rey. (Bild: Keystone)

Eigenwillige Frisur und überhaupt ein eigenwilliger Kopf: Micheline Calmy-Rey. (Bild: Keystone)

Für einmal macht Micheline Calmy-Rey sogar in den Augen ihrer Kritiker etwas richtig: Sie tritt korrekt zum Ende einer Legislaturperiode von ihrem Amt zurück. Also kein taktischer gewählter Termin, um in einer Einzelvakanz einen Sitz zu sichern – aber dennoch ein letzter Dienst an der Partei, denn die SP wird sich im Wahlkampf in zusätzlicher Aufmerksamkeit sonnen können.

Hoch umstritten: eine verschleierte Micheline Calmy-Rey bei ihrem Besuch in Iran. (Bild: Vahid Salemi (AP))
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Aus frühen Jahren: Micheline Calmy-Rey, 1987 noch Präsidentin der SP Genf, und der Genfer Staatsrat Christian Grobet. (Bild: Keystone)
Die Genferin Micheline Calmy-Rey im November 1993. (Bild: Keystone)
Micheline Calmy-Rey als Genfer Grossrätin. (Bild: Keystone)
Mit Genossin Christiane Brunner. (Bild: Keystone)
Am Autosalon Genf 2002 nahm Micheline Calmy-Rey neben Kaspar Villiger Platz. (Bild: Keystone)
Micheline Calmy-Rey wurde 2002 mit Ruth Lüthi (r.) als Bundesratskandidatin nominiert - in der Mitte SP-Fraktionspräsidentin Hildegard Fässler. (Bild: Keystone)
Wartet auf das Hearing bei den Grünen: Bundesratskandidatin Micheline Calmy-Rey. (Bild: Keystone)
Der grosse Moment: Calmy-Rey wird am 4. Dezember 2002 als 106. Mitglied der Landesregierung vereidigt. (Bild: Keystone)
Mit dem Enkel nach der Wahl. (Bild: Keystone)
Strahlt übers ganze Gesicht: Micheline Calmy-Rey mit ihren neuen Kollegen Pascal Couchepin und Ruth Metzler. (Bild: Keystone)
Der erste Auftritt als Bundesrätin in der TV-Arena. (Bild: Keystone)
Wohin geht die Reise? Bundesrätin Micheline Calmy-Rey im Januar 2003 auf dem Flug nach Helsinki. (Bild: Keystone)
An der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea im Frühling 2003. (Bild: Keystone)
Elegant mit Hut im Sommer 2003 auf der Corviglia oberhalb von St.Moritz. (Bild: Keystone)
Mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan. (Bild: Keystone)
Anfang 2004 wurde Micheline Calmy-Rey mit dem Swiss Award als Politikerin des Jahres ausgezeichnet - überreicht wurde ihr der Preis von alt Bundesrätin Ruth Dreifuss. (Bild: Keystone)
War Calmy-Rey stets ein Herzensanliegen: das Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU. (Bild: Keystone)
Starke Frauen unter sich: Micheline Calmy-Rey mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. (Bild: Keystone)
Betroffen vom Hochwasser: die Bundesrätin im Sommer 2007 in Riedes bei Delémont. (Bild: Keystone)
Im Herbst 2007 besuchte Micheline Calmy-Rey als Bundespräsidentin die Olma. (Bild: Keystone)
Zu Besuch im Kreml bei Vladimir Putin. (Bild: Keystone)

Hoch umstritten: eine verschleierte Micheline Calmy-Rey bei ihrem Besuch in Iran. (Bild: Vahid Salemi (AP))

Mit Micheline Calmy-Rey verlässt einer der originellsten Köpfe der jüngeren Vergangenheit die Landesregierung – die eigensinnige Magistratin hat einen überschaubaren Kreis von Fans, wird darüber hinaus aber vor allem als Nervensäge wahrgenommen, die sich mit Sololäufen zu profilieren sucht. Womit sie freilich im Bundesrat keine Ausnahme ist. Sie allerdings hat das Kollegialitätsprinzip deutlich überstrapaziert und als Bundespräsidentin gar Kollegen öffentlich kritisiert.

Calmy-Rey fühlt sich in der Welt der Diplomatie pudelwohl, sie selbst verhält sich aber selten diplomatisch oder geschickt. Sie hat bemerkenswerte Erfolge aufzuzeigen, doch in Erinnerung bleibt der verschleierte Auftritt bei Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad oder die SMS-Affäre: Noch während der damalige Bundespräsident Hans-Rudolf Merz in einer Pressekonferenz ein Abkommen mit Libyen erläuterte, liessen Calmy-Reys Leute die Journalisten wissen, dass sich das Departement für auswärtige Angelegenheiten von diesem Vertrag distanziere. Eine Unverschämtheit sondergleichen, die ohne Konsequenzen blieb.

Die kommende Bundesratswahl wird mit dieser Vakanz noch spannender, die SP hat ihren zweiten Sitz längst nicht auf sicher. Wichtiger als die Kandidatenkür wird für die SP das Schmieden einer Allianz – mit der SVP oder mit der CVP und deren Verbündeten – werden.

Philipp Landmark
philipp.landmark@tagblatt.ch

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