Acht Jahre Freiheitsstrafe für Rolf Erb

Rolf Erb ist vom Bezirksgericht Winterthur zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Urteilseröffnung war ursrpünglich am Donnerstagmorgen erwartet worden, verzögerte sich jedoch wegen taktischen Manövern der Verteidigung.

Felix Schindler, Winterthur
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Rolf Erb bei seiner Ankunft vor dem Gericht in Winterthur. (Bild: Keystone)

Rolf Erb bei seiner Ankunft vor dem Gericht in Winterthur. (Bild: Keystone)

Der Pleitier Rolf Erb ist vom Bezirksgericht Winterthur zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Dies ist vor wenigen Augenblicken bekannt geworden. Das Gericht folgte mit dem Urteil weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die zehn Jahre Freiheitsstrafe gefordert hatte.

Verzögerung der Urteilseröffnung

Sichtlich verärgert hatte der Präsident des Bezirksgerichts Winterthur am Donnerstagmorgen von einer «offensichtlichen Obstruktion des Prozesses» gesprochen, die nun dazu führe, dass sich das Urteil im Strafprozess gegen Rolf Erb weiter verzögere. Anstelle der Urteilseröffnung kam es zu einem weiteren Schlagabtausch zwischen der Anklage und der Verteidigung. Dabei ging es im Wesentlichen um die Anträge der Staatsanwaltschaft, einen Grossteil des Vermögens von Rolf Erbs Lebenspartnerin und seinen Zwillingen einzuziehen.

In diesem Zusammenhang ist es nach Abschluss der Hautverhandlung zu taktischen Manövern mit formaljuristischem Geschütz gekommen. Der Rechtsvertreter von Erbs Partnerin machte geltend, dass die Betroffenen im Rahmen einer öffentlichen Verhandlung hätten angehört werden müssen. Gleichzeitig hatte der Rechtsvertreter dem Gericht ein ärztliches Zeugnis zukommen lassen, wonach seine Mandantin bis auf Weiteres an keinen Verhandlungen teilnehmen könne. Diese Strategie war von Erfolg gekrönt. Nur einen Tag vor der geplanten Urteilseröffnung entschied das Zürcher Obergericht, dass das Winterthurer Bezirksgericht keinen Entscheid treffen dürfe, den die Partnerin oder die Zwillinge tangiere. Ein Wiedererwägungsgesuch des Bezirksgerichts Winterthur wurde nur eine Viertelstunde vor Verhandlungsbeginn abgelehnt.
Das Gericht hat sich kurz vor Mittag zur Beratung zurückgezogen und wird um 15 Uhr erneut zusammentreffen. Ob es am Donnerstag noch zu einem Urteil kommt, ist nicht sicher. Beim neuen Anwalt von Erbs Lebenspartnerin handelt es sich um Christoph Hohler, der unter anderem Carl Hirschmann und den Ex-SAir-Group-Finanzchef Georges Schordere vertreten hatte.

Systematische Fälschung

In der Hautpverhandlung Ende Januar forderte Anklage eine Freiheitsstrafe von 10 Jahren wegen gewerbsmässigem Betrug, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung. Die Staatsanwälte warfen Erb vor, systematisch die Jahresabschlüsse fälschen lassen, um den desolaten Zustand der Erb-Gruppe zu vertuschen. Das Schloss Eugensberg in Salenstein mit einen Wert von rund 27 Millionen Franken habe er kurz vor dem Zusammenbruch der Erb-Gruppe an seine damals einjährigen Kinder überschrieben, um es vor der Zwangsvollstreckung zu bewahren, befand die Staatsanwaltschaft.
Die beiden Pflichtverteidiger des Pleitiers dagegen verlangen einen Freispruch in allen Anklagepunkten. Die geschönten Jahresabschlüsse habe Erb zwar unterzeichnet, aber nur deshalb, weil ihn sein Vater dazu angehalten habe. Zudem habe der Angeklagte einen derart geringen Einblick ins Unternehmen gehabt, dass er den nahenden Kollaps nicht habe erkennen können.

Der 61-jährige Rolf Erb war bis 2003 Herr über einen Konzern beeindruckenden Ausmasses. Über 80 Firmen gehörten zum weltweit tätigen Unternehmen, das knapp 5000 Angestellte beschäftigte und 4,5 Milliarden Umsatz erwirtschaftete. Gegründet wurde das Unternehmen in den 1920er Jahren vom Grossvater des Angeklagten – als Autoreparaturwerkstatt in Winterthur. Unter Hugo Erb wurde aus der Werkstatt einer der wichtigsten Autohändler der Schweiz, später baute er das Unternehmen zu einem verschachtelten Firmenkonglomerat aus. Im Jahr 2003, wenige Wochen vor dem Tod des Patrons, kollabierte die Erb-Gruppe.