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Abstürzende Klein-Flugzeuge: Zufällige Häufung oder systematisches Problem?

Schiene und Strasse werden sicherer. Brenzlige Vorfälle in der Luft nehmen zu. Zuletzt kam es zu spektakulären Abstürzen.
Pascal Ritter
Dieses Kleinflugzeug stürzte beim Flugplatz Birrfeld ab. Bild: Ennio Leanza/Keystone (14. Mai 2019)

Dieses Kleinflugzeug stürzte beim Flugplatz Birrfeld ab.
Bild: Ennio Leanza/Keystone (14. Mai 2019)

Am 25. August traf es ein Ehepaar und ihr Baby aus Grossbritannien. Auf dem Alpenflug von Lausanne (VD) nach Perugia in Italien stürzte ihre Piper PA-28 oberhalb des Simplon-Hospiz auf 2000 Metern über Meer ab. Alle drei Insassen starben. Nur 75 Kilometer Luftlinie entfernt starben zwei Monate zuvor eine 24-jährige Frau und ein 27-jährigen Mann aus dem Kanton Aargau. Ihr zweiplätziges Flugzeug Remos GX zerschellte in Château-d’Oex. Am 14. Mai 2019 stürzte ein 66-jähriger Zürcher mit seiner selber zusammengebauten Alfa 207 beim Aargauer Flugplatz Birrfeld ab.

Es sind drei tragische Beispiele von tödlichen Unfällen mit Kleinflugzeugen, die sich diesen Sommer ereigneten.

Zufällige Häufung oder systematisches Problem?

In den letzten 30 Jahren starben in der Schweiz durchschnittlich 16 Personen pro Jahr durch einen Unfall in der Luftfahrt. Im letzten Jahr war die Zahl der Todesopfer überdurchschnittlich hoch. 2018 starben 33 Personen. Alleine der Absturz der Ju 52 am 4. August 2018 forderte 20 Menschenleben. Das Museumsflugzeug war auf dem Weg von Locarno nach Dübendorf, als es in den Bündner Alpen abstürzte.

Das mag ein ausserordentlicher Vorfall gewesen sein, doch auch andere Hinweise deuten darauf hin, das es in der Luft gefährlicher wird. So hat die Gesamtzahl der Unfälle und den schweren Vorfällen im letzten Jahr laut den Zahlen des Bundesamts für Statistik mit 115 einen neuen Rekord erreicht. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 69.

Zum Vergleich: Im Strassen- und Bahnverkehr gehen die Unfälle seit Jahren kontinuierlich zurück. Die Zahl der Strassenverkehrstoten hat sich in den letzten 30 Jahren gar von 550 auf 228 mehr als halbiert. In der Luftfahrt ist es schwieriger, einen Trend abzulesen, weil es weniger Fälle gibt und darum die statistischen Schwankungen stärker vom Zufall abhängen. «Im Gegensatz zu den Unfällen nahm die statistische Anzahl der schweren Vorfälle 2018 tatsächlich zu», sagt Christian Schubert vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl).

Allerdings könne das Bazl hierzu noch nicht abschliessend sagen, ob diese Zunahme auf eine über die Jahre besser gewordene Meldekultur – insbesondere in der Leichtaviatik – zurückzuführen sei oder ob die Anzahl Vorfälle tatsächlich so gross sei. «Das Bazl analysiert gegenwärtig mit der Sicherheitsuntersuchungsstelle die Entwicklung der schweren Vorfälle», sagt Schubert und erinnert daran: «Gemessen an den Personenkilometern ist das Fliegen immer noch das sicherste Fortbewegungsmittel.»

Es braucht eine offenere Fehlerkultur

Für den fliegenden Fotografen Niklaus Wächter hängen viele Zwischenfälle mit der Unerfahrenheit der Piloten zusammen. Der 66-Jährige hat am Schweizer Himmel schon 1400 Flugstunden verbracht. Mit seinem Motorsegler Taifun 17E II macht er Luftaufnahmen.
Er erzählt von Situationen, bei denen er das Weite sucht, weil er aus den Funksprüchen heraushört, dass unerfahrene Piloten am Werk sind. Etwa weil sie zweimal die gleiche Positionsangabe durchgeben, obwohl sie zwischen dem ersten und dem zweiten Funkspruch eine schöne Strecke zurückgelegt haben müssen. Wenn unerfahrene Piloten auf schlechtes Wetter stiessen, werde es besonders gefährlich. «Es gibt aber nicht den einen Grund für Abstürze», sagt Wächter. Die Fliegerei sei einfach komplexer als der Strassenverkehr, sagt er und zählt die Faktoren auf: Wetter, Technik, Erfahrung, Instrumente, Verkehrsaufkommen. Zudem sei der Schweizer Himmel in viele verschiedene Lufträume aufgeteilt, die man zum Teil nur mit einer Freigabe durchfliegen kann. Da immer den Überblick zu behalten sei auch für erfahrene Piloten nicht immer einfach.

Viele dieser Faktoren sind schwierig zu beeinflussen, andere aber könnten die Piloten selber verbessern. Wächter hat einen Vorschlag: «Wir Piloten müssen mehr über unsere Fehler sprechen. In den Aviatik-Medien oder an den Jahresversammlungen der Fliegerklubs könnte man Erlebnisse schildern, wie sie nicht vorkommen sollten, damit wir gegenseitig voneinander lernen können.» Wächter sagt, er wäre der erste, der hinstehen würde.

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