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Kommentar

Abstimmungen über die Agrarinitiativen: Die Schweizer sollten grüner einkaufen statt Ja stimmen

Gedankenlosen Konsum und eine Landwirtschaft wie zu Gotthelfs Zeiten: Die beiden Agrar-Initiativen enthalten Versprechen, die nicht einlösbar sind, schreibt Fabian Fellmann, Leiter der Bundeshausredaktion, zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 23. September 2018.
Fabian Fellmann
Ob der italienische Büffel-Mozzarella aus artgerechter Tierhaltung stammt, können Schweizer Kunden in Erfahrung bringen. (Bild: Alamy)

Ob der italienische Büffel-Mozzarella aus artgerechter Tierhaltung stammt, können Schweizer Kunden in Erfahrung bringen. (Bild: Alamy)

Fabian Fellmann,Leiter der Bundeshausredaktion

Fabian Fellmann,
Leiter der Bundeshausredaktion

Das Gewissen isst mit. Das erklärt, warum die beiden Volksinitiativen zur Nahrungsmittelproduktion durchaus Anklang finden. Sie wirken ansprechend: Sowohl die Fair-Food-Initiative als auch jene zur Ernährungssouveränität verlangen Esswaren, die gesünder, natürlicher und einheimischer sind. Die Schweizer Landwirte sollen dafür ökologischer arbeiten, und für Importe sollen die hiesigen Vorschriften gelten.

Doch die beiden Volksbegehren sind Mogelpackungen. Sie enthalten das implizite Versprechen, Konsumenten könnten in Zukunft gedankenlos zulangen, weil alle erhältlichen Esswaren höchsten ökologischen und ethischen Standards entsprechen. Nur ist das schon heute nicht der Fall – und es wäre es auch bei Annahme der Initiativen nicht.

Schweizer Fleischesser müssen damit umgehen können, dass in ihrem Rindssteak oft Soja aus Brasilien steckt. Auch Vegetarier können sich dem nicht entziehen: Ausländisches Kraftfutter nährt die Schweizer Kuh, welche die Milch für den Mozzarella gibt. Und selbst das Huhn in der Schweizer Bio-Farm pickt Kraftfutter südamerikanischer Provenienz, damit es sein täglich Ei legen kann.

Die heutigen Essbedürfnisse sind aus rein einheimischer Produktion gar nicht mehr zu befriedigen, weder in der Auswahl noch in der Menge.

Verzehrten die Schweizer nur noch, was die hiesigen Gärten und Felder hergeben, würden sie den Winter lang unter Dauerflatulenz vom vielen Sauerkabis leiden.

Oder Tag für Tag lustlos in Buchweizen- oder Gerstengrütze herumstochern wie weiland ihre Ahnen.

Darum kommt die Hälfte der hierzulande verbrauchten Esswaren aus dem Ausland. Wollte die Schweiz bei all diesen Lebensmitteln hiesige Öko-, Tierschutz- und Lohnstandards vorschreiben, würde sie damit rechtliche Querelen mit ihren Freihandelspartnern riskieren. Für ein Land, dessen Wirtschaft auf offene Märkte angewiesen ist, könnten sich daraus ernsthafte Probleme entwickeln.

Misstrauisch sollte die Konsumenten überdies stimmen, dass die Schweizer Bauernvertreter grosses Verständnis äussern für die beiden Initiativen, hinter denen das romantische Zielbild einer Landwirtschaft wie bei Gotthelfs Ueli der Knecht steht. Die heutigen Bauern erhoffen sich davon Chancen auf höhere staatliche Beiträge und besseren Schutz vor ausländischer Konkurrenz. Das aber würde sich in steigenden Preisen sowie sinkender Qualität bemerkbar machen – das Gegenteil dessen, was die Initiativen bezwecken.

Wer nachhaltig und gesund essen will, muss sich wohl oder übel mit dem Inhalt seines Tellers auseinandersetzen.

Das mag schwierig klingen, ist es aber nur bedingt. Jeder Schweizer Konsument weiss heute schon, wo er regional und umweltschonend hergestellte Lebensmittel beziehen kann. Das belegt zum Beispiel der Umstand, dass der Marktanteil von Bioprodukten stetig steigt, auf inzwischen 9 Prozent, bei Eiern sogar 27 Prozent. Auch erfreuen sich regionale Bauernmärkte und Hofläden grosser Beliebtheit. Und selbst die Grossverteiler zeichnen regionale und nachhaltige Produkte mit besonderen Labels aus.

Beim Einkauf wie auch im Restaurant bekommt der Kunde schon heute ausführliche Auskunft.

Niemand muss Poulet aus fernöstlicher Qualzucht oder Büffelmozzarella aus italienischer Massentierhaltung essen, wenn er nicht will.

Die Schweizer kaufen also besser grüner ein, als dass sie bei den beiden Agrarinitiativen grün abstimmen. Die jüngsten Umfragen legen nahe, dass eine Mehrheit der Stimmbürger dies in der Zwischenzeit erkannt hat – und sich die anfängliche Zustimmung zu den Vorlagen inzwischen zu Recht in Ablehnung verwandelt hat.

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