Absagen oder nicht? Wie Event-Organisatoren mit sich ringen

Der Bundesrat hat in Sachen Grossveranstaltungen keinen Entscheid gefällt. Obwohl offensichtlich ist, dass auf Monate hinaus keine stattfinden werden, sind Veranstalter namentlich von Openairs verunsichert.

Jürg Krebs
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Absagen oder nicht? Viele Veranstalter ringen mit sich. Festivalbesucherin am Openair St.Gallen.

Absagen oder nicht? Viele Veranstalter ringen mit sich. Festivalbesucherin am Openair St.Gallen.

(Bild: Michel Canonica)

Der Entscheid des Bundesrats zu den Schulschliessungen war gerade mal eine Woche alt, die Lage unübersichtlich, die Unsicherheit gross. Inmitten dieser verworrenen Situation mussten Daniel Frei (51) und sein Team am Samstag, 21. März, einen schwerwiegenden Entscheid fällen: Sollten die Vorbereitungen für das Albanifest weitergehen? Oder sollte er jetzt schon den Stecker ziehen? Frei ist OK-Chef des Winterthurer Stadtfests, das jeweils rund 100 000 Besucher anzieht.

Er weiss, wie gross die Bedeutung des Albanifests für die 90 Schausteller und rund 80 Vereine ist, die jedes Jahr daran teilnehmen. «Für viele Vereine ist es die wichtigste Einnahmequelle», sagt Frei zum SonntagsBlick, «und für die Schausteller ist es ohnehin das Haupteinkommen.» Gleichzeitig war sich Frei bewusst: «Wenn wir die Sache weiterlaufen lassen und am Ende trotzdem absagen müssen, bleiben alle auf noch höheren Kosten sitzen.»

Die Vorbereitungen für das Fest hatten schon Monate vorher begonnen: Bands und DJs waren gebucht, die Festzelte organisiert. Aber gegen Ende März hätten viele Vereine weitere Ausgaben tätigen müssen. Der Beschluss fiel Frei und seinen Mitstreitern nicht leicht. «Der Druck war riesig, ich hatte einige schlaflose Nächte» vor besagtem Treffen am Samstag, erzählt der Sportjournalist. Zum Glück sei sich das ganze Team einig gewesen, dass eine Verschiebung des Fests aufs nächste Jahr der richtige Entscheid sei.

Frei ist erleichtert, dass er nach der Verschiebung fast ausschliesslich positive und verständnisvolle Rückmeldungen erhielt. Dennoch schmerzt ihn die Zwangspause. Nicht nur, weil das OK auf Kosten in der Höhe von rund 100 000 Franken sitzen bleibt. «Es fehlt die Vorfreude, die jeweils die Stadt erfasst», sagt Frei. Denn das Albanifest ist nicht nur eine grosse Chilbi: Die Stadt feiert damit ihren Geburtstag. Ein Geburtstag, der nun im nächsten Jahr umso rauschender nachgefeiert werden soll.