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Abgeschaffte Hundekurse: mehr Vierbeiner landen in den Tierheimen

Tierschützer registrieren häufiger Spontankäufe von Hunden. In der Westschweiz wird das zum Problem. Und in der Deutschschweiz?
Daniel Fuchs
In Hundekursen wird unter anderm die Leinenorientierung oder der Rückruf trainiert. Im Bild ein Hundekurs in Buochs im Kanton Nidwalden. (Bild: Bettina Schuler/PD)

In Hundekursen wird unter anderm die Leinenorientierung oder der Rückruf trainiert. Im Bild ein Hundekurs in Buochs im Kanton Nidwalden. (Bild: Bettina Schuler/PD)

Einfacher ging es nie, einen Hund zu kaufen. Ab wenigen Hundert Franken ist man auf den gängigen Onlineverkaufsplattformen dabei. Doch mit ein paar Mausklicks zu einem neuen tierischen Freund, darin sind sich Schweizer Tierschützer einig, das ist ein Problem. Und im Kanton Freiburg fand die Tierschutzorganisation SPA in ihren Daten einen besorgniserregenden Effekt: Seit der Abschaffung der obligatorischen Hundehalterkurse vor zwei Jahren bringen Leute häufiger ihren Hund in ein Tierheim, weil sie das Tier überfordert. Als die Kurse vorgeschrieben waren, ging die Zahl der Hunde in Fremdbetreuung dagegen zurück, sagte die Präsidentin des kantonalen Tierschutzvereins, Nathalie Genilloud, vor kurzem der «Liberté».

Der Hintergrund: Von 2008 bis 2016 mussten Hundebesitzer in der Schweiz einen sogenannten Sachkundenachweis erbringen. 2017 wurde diese wieder gestrichen.

Gegenüber CH Media erklärt Nathalie Genilloud, besonders das Kursmodul vor dem Hundekauf sei wirkungsvoll gewesen. «Das half, die Leute zu sensibilisieren für das Thema, was es bedeutet, einen Hund zu halten. Dazu gehören vor allem Zeit für die Erziehung und Geld für die gesundheitliche Versorgung.» Nun, so die Tierschützerin Genilloud, habe man wieder spontane, unreflektierte Käufe. «Leute, die es kurz nach dem Kauf nicht aushalten, weil der Hund bellt, das Sofa zerbeisst, und ihn wieder abgeben wollen».

Dabei ist die freiwillige Platzierung in einem Tierheim noch die bessere Variante. Genilloud warnt: «Bemerkt der Hundebesitzer seine Überforderung nicht selbst, so wird es zum Problem: Einerseits für den Hund, der nicht artgerecht gehalten wird, andererseits für die Gesellschaft, weil der Hund zu einer Gefahr werden kann.»

Weniger klarer Effekt in der Deutschschweiz

Im Kanton Freiburg fordern Tierschützer deshalb die Wiedereinführung der Kurse. Wie aber wird das in anderen Kantonen beurteilt? Eine Umfrage dieser Zeitung ergibt ein unterschiedliches Bild. Zwar anerkennen Kantonstierärzte auch in der Deutschschweiz Probleme wegen der Zunahme von Spontankäufen. Allein auf die Abschaffung des nationalen Sachkundenachweises mögen sie es aber nicht abstützen.

In St. Gallen zum Beispiel sei keine Zunahme an Beschlagnahmungen zu erkennen, sagt Thomas Christen, beim kantonalen Tierschutz verantwortlich fürs Hundewesen. Generell stellt Christen fest, dass der Hund «zunehmend zum Gebrauchsgegenstand, zu einer Art Luxusware geworden ist». Und interessant: St. Gallen stellt Zuzüge von Zürcher Hundebesitzern fest. Sie weichen laut Christen der strengeren Gesetzgebung des Kantons Zürich aus.

Apropos kantonale Unterschiede: In Freiburg glaubt Tierschützerin Nathalie Genilloud, eine Art Röstigraben unter den Hundehaltern festzustellen. Genilloud, selbst Romande, sagt: «Generell sind die Deutschschweizer, die wir für die Platzierung eines Hundes kontaktieren, besser informiert als die Romands.» So verwundert es nicht, dass Freiburg viele Hunde in die Deutschschweiz vermittelt. Und das, obwohl das Freiburger Tierheim nur Hunde aus dem eigenen Kanton aufnimmt. «Es gibt weniger Westschweizer, denen wir einen unserer Schützlinge anvertrauen würden», sagt Genilloud.

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