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Interview

«Aber natürlich war die P-26
eine Geheimarmee»

Ein Buch des Historikers Titus Meier hat eine neuerliche Debatte über die Schweizer Widerstandsorganisation P-26 ausgelöst - die laut Meier keine «Geheimarmee» war. Dagegen wehrt sich im Interview der Vizepräsident der Parlamentarischen Untersuchungskommission zur P-26, der frühere Tessiner SP-Nationalrat
Werner Carobbio.
Fabian Fellmann
Er war einer der Hauptakteure bei der Aufdeckung der P-26: Werner Carobbio,SP-Nationalrat von 1975 bis 1999 und im Jahr 1990 Vizepräsident der PUK EMD.(Bild: Keystone/Karl Mathis (Bellinzona, 10. Dezember 2005))

Er war einer der Hauptakteure bei der Aufdeckung der P-26: Werner Carobbio,
SP-Nationalrat von 1975 bis 1999 und im Jahr 1990 Vizepräsident der PUK EMD.
(Bild: Keystone/Karl Mathis (Bellinzona, 10. Dezember 2005))

Ein neues Buch über die P-26 kritisiert die Parlamentarische Untersuchungskommission, deren Vizepräsident Sie waren. Ihr Bericht beruhe mehr auf Fantasien als Fakten. Haben Sie schlecht gearbeitet?

Werner Carobbio: Wir haben damals fast ein Jahr lang gearbeitet und alle Dokumente des Militärdepartements angeschaut. Wir sind zu drei wesentlichen Schlüssen gekommen: Erstens war die P-26 eine Organisation, die nicht unter der Kontrolle des Parlaments stand und über die auch der Bundesrat kaum informiert war. Zweitens war ihre Finanzierung heikel: Sie wurde gespiesen über Kredite des Militärdepartements an eine private Firma eines Militärs, des P-26-Chefs Ephrem Cattelan. Drittens liess der Umstand, dass keine parlamentarische Kontrolle bestand, zumindest die Möglichkeit zu, dass die P-26 verfassungswidrige Aktivitäten hätte entwickeln können.

Laut Historiker Titus Meier handelte es sich nicht um eine Geheimarmee.

Aber natürlich war die P-26 eine Geheimarmee. Das Parlament übte keine Kontrolle über sie aus.

Persönlich bin ich zur Auffassung gelangt, dass die P-26 die Schweizer Version der Nato-Widerstandsgruppen Gladio war, die es in anderen europäischen Ländern gab.

Dafür spricht, dass britische Offiziere die P-26-Mitglieder ausbildeten. Unsere PUK strebte ein Mandat für Ausland-Recherchen an, was die Bundesversammlung leider verweigerte. Stattdessen liess der Bundesrat den Untersuchungsrichter Pierre Cornu diese Fragen klären.

Cornu kam zum Schluss, dass die P-26 nicht mit Gladio kooperierte.

Das geht aus jenem Teil des Cornu-Berichts hervor, der veröffentlicht wurde. Der geheime Teil wurde aber nie publiziert. Was darin steht, wissen wir nicht.

Historiker Meier kritisiert, die PUK habe sich zu sehr darauf konzentriert, was die P-26 theoretisch hätte tun können statt auf ihren Auftrag.

Wir haben die PUK nicht einberufen, um die P-26 zu finden: Es ging um die Aufarbeitung der Fichen im Militärdepartement. Dabei stiessen wir auf Hinweise auf die P-26. Wir haben nie behauptet, diese hätte gefährliche Aktivitäten entwickelt. Aber das Risiko dafür bestand. Ich habe einen ganzen Sommer unter der Erde verbracht, in den Depots der P-26, wo Militärmaterial eingelagert war.

Jetzt geht die Debatte über die P-26 erneut los. Sind Sie überrascht?

Es gibt seit einigen Jahren eine Bewegung, die patriotische Ausrichtung der P-26 stärker zu betonen. Ich halte das für eine Folge der aktuellen nationalistischen Tendenzen in Europa. Ich betone, dass unsere PUK den guten Willen der P-26-Mitglieder nie in Frage gestellt hat. Aber wir haben darauf hingewiesen, dass die Gruppe nicht demokratisch kontrolliert wurde. Die PUK verlangte damals eine Mitgliederliste der P-26, was der Bundesrat verweigerte, um deren Privatsphäre zu schützen: Die meisten Familien von Mitgliedern wussten nicht Bescheid. Schliesslich erhielten PUK-Präsident Carlo Schmid und ich Einsicht in die Liste. Im Tessin fanden sich darauf ziemlich interessante Personen. Mehr darf ich leider nicht sagen, weil das noch immer der Geheimhaltung untersteht.

Inwiefern waren die Personen interessant?

Es gab eine klare politische Tendenz: Es waren Bürgerliche. Im Tessin stand kein Linker auf der Liste. Aber noch einmal: Das Hauptproblem war, dass die P-26 unter keiner politischen Kontrolle stand.

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