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60 Jahre Swissminiatur in Melide: Die Modellschweiz kommt in die Jahre

Swissminiatur feiert den 60. Geburtstag und denkt über einen Standortwechsel nach. Denn der fehlende Platz für eine Erweiterung der Anlage und zu wenig Parkplätze fordern das Familienunternehmen.
Gerhard Lob
Umbauarbeiten beim Freilichtmuseum Swissminiatur. (Bild: Keystone/Gabriele Putzu, Melide, 5. April 2017)

Umbauarbeiten beim Freilichtmuseum Swissminiatur. (Bild: Keystone/Gabriele Putzu, Melide, 5. April 2017)

Das Bundeshaus in Bern, das Schloss von Rapperswil oder die Festung Aarburg: Dies sind nur einige von insgesamt 128 Modellen, die im Freilichtmuseum Swissminiatur von Melide im Tessin zu besichtigen sind. Der Themenpark unter freiem Himmel öffnete im Juni 1959 – dieser Tage feiert er seinen 60. Geburtstag. Die Anlage spiegelt die Vielfalt der Schweiz im Kleinformat. Auf 14 000 Quadratmetern lassen sich die wichtigsten Gebäude der Eidgenossenschaft im Massstab 1 zu 25 sehen; 3500 Meter Gleise, auf denen drei Dutzend Lokomotiven und 320 Waggons verkehren, durchziehen die gepflegte Modelllandschaft mit ihrer Blumenpracht. Bergbahnen dürfen selbstverständlich nicht fehlen.

Just zum Jubiläum wurde dieser Tage der neueste Zug aufs Schienennetz gesetzt: der kupferfarbene Voralpen-Express «Traverso» der Südostbahn, der stattliche 6,10 Meter misst und somit das längste Zugmodell bei Swissminiatur darstellt. 1000 Arbeitsstunden investierten Chef-Modellbauer Renato Bernasconi und sein Kollege Sacha Caimi aus der Hightechabteilung. Für die originalgetreue Reproduktion von Sitzplätzen und Tischen kam gar ein 3D-Drucker zum Einsatz.

Eine Walliser Erfindung

Swissminiatur steht im Tessin, ist aber eine Walliser Erfindung. Pierre Vuigner aus Sion hatte in den 1950er-Jahren nach einem Besuch von Madurodam in Holland die Idee zur Gründung einer Schweiz im Kleinformat. Der Walliser prüfte damals mehrere Standorte, darunter Küssnacht, doch am Ende fiel die Wahl auf das direkt an der Nord-Süd-Route und landschaftlich malerisch gelegene Melide am Luganersee. Mit 12 Modellen begann es. Der Park ist stets ein Familienunternehmen geblieben. Lange managten die Söhne des Gründers, Dominique und Jean-Luc Vuigner, den Park. Seit diesem Wochenende leitet der 35-jährige Joël Vuigner, Sohn von Dominique, die Geschicke des Betriebs mit rund 30 Mitarbeitern.

In sechs Jahrzehnten hat Swissminiatur Höhen und Tiefen erlebt. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde der Park förmlich von Italienern überrannt. Damals zählte man bis zu 600 000 Eintritte während der achtmonatigen Saison. Mit dem Zerfall der Lira kam der Einbruch. Eine ähnliche Krise wiederholte sich mit den Deutschen. Mittlerweile hat Swissminiatur seine Märkte diversifiziert, neben dem Stammpublikum aus Deutschland und der Schweiz sind auch Inder, Chinesen, Brasilianer und Araber anzutreffen. Der Besucherschnitt seit 2014: rund 140 000 Personen pro Jahr.

«Die Araber lieben es übrigens, wenn es regnet», lacht Dominique Vuigner. Allerdings: Regen, Schnee und Sonne hinterlassen Spuren an der Modellschweiz unter freiem Himmel. Der langjährige CEO bringt es auf den Punkt:

«Die Anlage wird älter, die Unterhaltskosten steigen.»

Aus diesem Grund denke man darüber nach, die Anlage zu überdecken. Dann liessen sich die Installationen besser schützen und Unterhaltskosten senken. In Melide ist eine solche Operation aber kaum möglich. «Auch ein Standortwechsel ist daher nicht auszuschliessen», verrät der langjährige Manager, der zudem auf den Vorteil eines Ganzjahresbetriebs im Falle einer Überdeckung hinweist. Die Eigentümerfamilie müsse demnächst einen Grundsatzentscheid fällen.

Platzprobleme in Melide

In Melide läuft der Pachtvertrag mit der Gemeinde 2042 aus. Der Standort ist zwar zentral und direkt an der A2 gelegen, aber es gibt nur wenige Parkplätze – ein Dauerproblem. «In einer Kooperation mit den Hoteliers hoffen wir, dass die Gäste vermehrt mit S-Bahn, Bus und Schiff anreisen», so Vuigner. Eine weitere Folge der Platzprobleme in Melide: Eine Ausweitung der Anlage ist nicht möglich. Deshalb gibt es nur sehr wenige Modelle aus jüngerer Zeit, wie etwa die von Renzo Piano gebaute Galerie Beyeler in Riehen oder die Raststätte in Ambrì von Mario Botta. Die Anlage hat einen historischen Touch. Sie strahlt bis heute Ruhe und Kontemplation aus. Das ist ihre Stärke, für die junge Generation aber vielleicht auch ein Problem. «Im digitalen Zeitalter ist es kein einfaches Vermächtnis mehr», steht in der Mitteilung zum 60-Jahr-Jubiläum.

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