20 Ferientage für Papis

Im Parlament ist der Weg zu einem Vaterschaftsurlaub verbaut. Nun will die Gewerkschaft Travailsuisse eine Volksinitiative lancieren – «zugunsten der KMU».

Aleksandra Mladenovic
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Die Gewerkschaft Travailsuisse bereitet eine Volksinitiative für den Vaterschaftsurlaub vor. (Bild: ap/Michael Sohn)

Die Gewerkschaft Travailsuisse bereitet eine Volksinitiative für den Vaterschaftsurlaub vor. (Bild: ap/Michael Sohn)

Zwei Wochen bezahlter Vaterschaftsurlaub: Noch im letzten Frühjahr hiess die Gesundheitskommission des Nationalrates (SGK) eine entsprechende parlamentarische Initiative des Bündner CVP-Nationalrats Martin Candinas gut. Am letzten Freitag aber sprach sich die SGK, die nach den Wahlen in neuer Zusammensetzung tagte, dagegen aus. Damit ist der Vorstoss praktisch vom Tisch, zumal die ständerätliche SGK Candinas' Idee bereits im vergangenen November verworfen hatte.

Breite Allianz bilden

«Ich bin nach wie vor überzeugt von der Sache», sagt Candinas auf Anfrage. «Ich bin aber auch genug Realist, um einzusehen, dass es die parlamentarische Initiative im Nationalrat sehr schwer haben wird.» Auch die Gewerkschaft Travailsuisse zeigt sich enttäuscht. «Wir waren zuversichtlich», sagt Matthias Kuert, Leiter Sozialpolitik bei Travailsuisse. Candinas habe einen moderaten Ansatz vorgeschlagen. «Spätestens seit es bei den Wahlen am 18. Oktober einen konservativen Schub im Nationalrat gegeben hat, ist da aber nicht mehr viel zu holen», sagt Kuert.

Bereits vergangenen Dezember hat Travailsuisse deshalb beschlossen, zusammen mit anderen Organisationen eine Volksinitiative vorzubereiten. Nachdem der Weg zu einem Vaterschaftsurlaub im Parlament bereits zum wiederholten Mal verbaut ist, will die Gewerkschaft nun erst recht Gas geben. In den kommenden Wochen finden laut Kuert Treffen mit verschiedenen Organisationen statt, um wichtige Weichen zu stellen. «Wir wollen eine breite Allianz hinter der Initiative wissen.» An der Delegiertenversammlung vom 29. April soll die Einreichung der Initiative beschlossen werden. «Wir rechnen damit, im Mai mit der Unterschriftensammlung beginnen zu können», so Kuert.

Rund 400 Mio. Franken pro Jahr

Travailsuisse geht weiter als Candinas und fordert in der Initiative 20 Tage Urlaub für Neuväter. Gleich bleibt die Art der Finanzierung: Der Vaterschaftsurlaub soll über die Erwerbsersatzordnung (EO) berappt werden, mit der auch ein Teil des Erwerbsausfalls von Soldaten oder frischgebackenen Müttern kompensiert wird. Laut Berechnungen des Bundes würde ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub jährlich rund 200 Mio. Franken kosten. Ein vierwöchiger dürfte demnach mit einer doppelt so hohen Summe zu Buche schlagen. Bereits bei Candinas' parlamentarischer Initiative gingen die Wogen ob der Finanzierungsidee hoch: Die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter erreichte schliesslich im September mit einem Vorstoss, dass der EO-Beitragssatz von 0,5 auf 0,45 Lohnprozente gesenkt wird – befristet auf fünf Jahre. Damit wird die Wirtschaft um insgesamt 1 Milliarde Franken entlastet – das Geld fehlt dafür in der EO-Kasse.

Laut Kuert handelt es sich beim vierwöchigen Vaterschaftsurlaub um einen «Minimalkonsens». «Manche fordern wesentlich mehr», sagt er. Man müsse dem Volk aber eine mehrheitsfähige Initiative unterbreiten. Kuert räumt der Volksinitiative denn auch gute Chancen ein. Laut einer repräsentativen Umfrage von Travailsuisse befürworten rund 80 Prozent der Bevölkerung einen bezahlten Vaterschaftsurlaub.

Gleich lange Spiesse für KMU

Auch in der Wirtschaft habe man unterdessen den Wert eines Vaterschaftsurlaubs erkannt, sagt Kuert. Der grosse Wurf bleibe indes aus: «Es sind vor allem Grossunternehmen, die die Möglichkeit haben, Ferientage an Väter zu verteilen», so Matthias Kuert. Bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hinke die Entwicklung hinterher. Mit einem von der Allgemeinheit finanzierten Vaterschaftsurlaub werden auch gleich lange Spiesse zugunsten der KMU geschaffen. Gar nichts mit einem Vaterschaftsurlaub anfangen kann Hans-Ulrich Bigler, Direktor des nationalen Gewerbeverbandes. «Es ist ja schön, dass Travailsuisse sich Sorgen um die KMU macht. Tatsache ist aber, dass man sich in einem freien Arbeitsmarkt bewegt.» Dieser werde noch länger mit dem schwachen Euro zu kämpfen haben. Zudem befänden sich die Sozialversicherungen in Schieflage. So sei die Altersreform 2020 prioritär zu behandeln.

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