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Liberale Umweltpolitik: 1000 Wasserstoff-Laster für die Schweiz

Coop, Migros und Co. planen eine Wasserstoffoffensive mit neuen Speziallastwagen. Die FDP fördert die Pläne. Sie sieht darin eine liberale Antwort auf die schwelende Klimadebatte.
Othmar von Matt
Der Prototyp des Wasserstoff-Lastwagens, der eigens für Coop entwickelt wurde. (Bild: Kilian J. Kessler)

Der Prototyp des Wasserstoff-Lastwagens, der eigens für Coop entwickelt wurde. (Bild: Kilian J. Kessler)

Es ist die Führungsriege der FDP, die sich am 1. Juni im Aargau trifft. FDP-Präsidentin Petra Gössi ist genauso dort wie Fraktionschef Beat Walti, Ständeratskandidat Thierry Burkart und Vizepräsident Christian Wasserfallen.

Gerufen hat FDP-Frauenpräsidentin Doris Fiala. Sie und die Gruppe wollen der Öffentlichkeit zeigen, welche Chancen die sogenannte die Wasserstoffmobilität (H2) bietet. Es ist eine Antwort auf die schwelende Klimadebatte. Der Anlass findet in Hunzenschwil statt, dem Wasserstoffzentrum der Schweiz, wo die erste öffentliche H2-Tanksäule steht. Konkret will die FDP auf die neue Offensive hinweisen, die grosse Unternehmen wie Coop, Migros, Fenaco, Emil Frey Gruppe und Galliker Transport und Logistics in den nächsten Jahren planen. Elf Firmen sind es, die sich zum Förderverein H2-Mobilität Schweiz zusammengeschlossen haben. Sie beauftragten ein Start-up (H2 Energy), den Quantensprung zu orchestrieren.

«Wir wollen im Verbund die Wasserstoffmobilität in der Schweiz zum Fliegen bringen», sagt Jörg Ackermann, der von Coop zum Präsidenten des Fördervereins delegiert wurde. Diese Technologie sei hervorragend dafür geeignet, das CO2 von der Strasse zu bringen. «Jedes grössere Unternehmen sollte bestrebt sein, CO2 zu reduzieren.»

Exklusiv für die Schweiz

Bis 2023 sollen 1000 mit Wasserstoff betriebene Lastwagen für Coop, Migros und Co. fahren. Hyundai entwickelt die Fahrzeuge. Die ersten 1000 Stück sind exklusiv für die Schweiz reserviert. H2 Energy ging mit dem Konzern ein Joint Venture ein. Die Vorgabe: Es müssen mindestens 34-Tönner mit Anhänger sein, die fähig sind, in den Voralpen zu fahren. Bereits gingen von 50 Firmen Anfragen für 1400 Lastwagen ein. Sie haben verschiedene Vorteile gegenüber batteriegeladenen Elektrolastwagen: Sie sind in nur 10 bis 15 Minuten mit Wasserstoff vollgetankt. Und da sie keine schweren Batterien mitführen, bleibt ihnen mehr Nutzlast. Parallel dazu bauen Tankstellenbetreiber wie Agrola AG, Avia, Coop Mineraloel AG, Migrol und Shell, die auch zum Förderverein gehören, bis 2023 ein flächendeckendes Tankstellennetz für Wasserstoff auf. Schon heute sind 21 neue Zapfsäulen beabsichtigt. Es ist Coop, die in Zusammenarbeit mit H2 Energy Pionierarbeit leistete. Die Detailhändlerin hatte sich 2008 zum Ziel gesetzt, im Jahr 2023 CO2-neutral zu sein. Coop liess sich den Prototypen eines Wasserstofflastwagens bauen. «Wir spielten den gesamten Wasserstoffkreislauf eins zu eins durch», sagt Jörg Ackermann.

Aus Wasserstoff und Luftsauerstoff wird im Auto Strom für den Elektromotor erzeugt. Dem Auspuff entweicht dann Wasserdampf, der als Wasser ins Ökosystem zurückgelangt. «Die H2-Mobilitätsform funktioniert und bewährt sich», sagt Ackermann. Für Coop war aber klar: Die Initiative war eine Starthilfe. Sie musste auf andere Firmen ausgeweitet werden, sollte sie durchschlagenden Erfolg haben. Deshalb wurde der Förderverein gegründet.

Doris Fiala unterstützt diese Anstrengungen. «Wasserstoff erfüllt die Bedingungen für eine liberale Umweltpolitik», sagt sie. Sie hebt vier Punkte hervor: Die Wasserstoffmobilität werde erstens von privater Seite aufgebaut und nicht vom Staat. Zweitens stimme die Gesamtökobilanz, drittens funktioniere die H2-Mobilität nach dem Verursacherprinzip und viertens werde damit eine neue Technologie gefördert. H2-Mobilität soll nächstes Jahr global einen Schub erhalten. Toyota will der Welt als Olympia-Sponsor an den Sommerspielen 2020 von Tokio Wasserstoff als Energieträger präsentieren, mit 100 H2-Bussen Sora und 6000 H2-Limousinen Mirai. Toyota ist mit Hyundai weltweit führend in dieser Technologie. Auch Unternehmer und SVP-Politiker Walter Frey (75), grösster Autohändler Europas, liess sich den Wasserstoffkreislauf zeigen und kam zum Schluss: «Das ist die Zukunft.» Deshalb wurde er Mitglied des Fördervereins. H2 interessiert auch weitere SVP-Unternehmer. «Ich bin überzeugt, unsere LKW werden in zehn Jahren mehrheitlich wasserstoffbetrieben sein», sagte SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner in der «Schweizer Illustrierten».

Skeptiker sind an Bord

Hinzu kommt, dass die Unternehmen die Hyundai-Lastwagen nicht kaufen müssen. Sie zahlen einen Betrag pro gefahrenen Kilometer im sogenannten Pay-per-use-Modell. «Sie können so ihre Lastwagen zu vergleichbaren Betriebskosten wie die Diesel-LKW dekarbonisieren», sagt Rolf Huber, Gründer und Verwaltungsratspräsident des Start-up H2 Energy. «Sie müssen das Risiko, das eine neue Technologie bietet, nicht übernehmen.» Das Joint Venture bietet Wasserstoffversorgung, Service und Unterhalt der Trucks als Paket an. Dass die FDP die H2-Mobilität stützt, freut die Initianten. «Sie treibt die Bekanntheit dieser Technologie damit stark voran», sagt Huber. Fraktionschef Beat Walti betont, die Partei trage die Zielsetzungen des Pariser Klimaabkommens mit. «Einer der Hebel, um sie zu erreichen, ist für uns Technologie und Innovation. Deshalb ist die Wasserstofftechnologie für uns sehr interessant.» Es sei der FDP auch wichtig, dass eine Alternative zur batteriegetriebenen Elektromobilität existiere.

Doris Fiala hat mit ihrer Initiative auch innerparteiliche Skeptiker des neuen FDP-Kurses wie Thierry Burkart und Christian Wasserfallen an Bord geholt. «Mit dem Thema Wasserstoff konnte ich das FDP-Team einen», sagt sie. Dass bald 1000 CO2-freie Lastwagen das CO2 von 50000 Privatwagen kompensierten, sei «total bestechend».

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