Der Födle-Platz

Tönt wie ein ordinärer Scherz, ist aber wahr: Die abgelegenste Amdener Alp heisst Alp Arsch. So offiziell ihr Name, so inoffiziell der ihres Sennen: Arsch-Willi.

Michael Hug
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«Willkommen im Arsch»: Willi Fäh verbringt seinen 55. Sommer auf der Alp Arsch in Amden. (Bild: Michael Hug)

«Willkommen im Arsch»: Willi Fäh verbringt seinen 55. Sommer auf der Alp Arsch in Amden. (Bild: Michael Hug)

Dem St.Galler Verein für Wanderwege war der Flurname zu deftig. Er bezeichnete den Weg über die Alp Arsch kurzum als «Säss». Die Amdener Ortsbürger wunderten und Willi Fäh ärgerte sich: «Ich kann es nicht verstehen. Seit je heisst's hier Alp Arsch, niemand hat sich am Namen gestört.» Was den «Auswärtigen» denn eigentlich einfalle, Namen eigenmächtig zu ändern, wettert Fäh und stellte aus Protest seinen eigenen Wegweiser hin. Fünfmal grösser und unübersehbar: Alp Arsch.

Am weitesten entfernt von allen

Arsch-Will ist stolz auf seine Alp. «Mein Vater hat sie schon in Pacht gehabt und mein Grossvater auch. Seit 55 Jahren bin ich jeden Sommer hier oben, seit 30 Jahren bewirtschafte ich sie, und mein Sohn wartet auch schon drauf.» Noch vier Jahre muss der Nachwuchs warten, dann ist Bauer Fäh pensioniert. Er wird seinen Betrieb im Amdener Arvenbüel und damit auch die Alp an seinen Nachfolger übergeben.

Besitzer der Alp Arsch, des Arschwaldes und vieler weiterer Alpen und Wälder in der Region sind die Amdener Ortsbürger. Hier liegt – vermutlich – der Grund, warum diese Alp ihren Namen erhielt. Fäh: «Sie ist von den Amdener Alpen die am weitesten entfernte.»

Der erwartete Felssturz

Mit dem Auto ist Fähs Alp in fünfzehn Minuten zu erreichen. Im Sommer fährt er jeden Tag gegen Abend hinauf, versorgt das Vieh, übernachtet in der Alphütte und fährt morgens nach dem Melken wieder ins Dorf.

Einst führte nur ein Karrenweg vom Walensee ins Toggenburg. Amden, damals Teil der Grafschaft Windegg, wurde 1803 dem neugegründeten Kanton St. Gallen zugeschlagen. Verkehr und Versorgung erfolgten seit je vom Süden her. 1973 drohte ein brüchiger Fels die Verbindung nach Weesen zu unterbrechen und Amden zu isolieren. In aller Eile baute die Schweizer Armee im Auftrag des Kantons St.Gallen eine einspurige Notstrasse ins Toggenburg, die im folgenden Jahr auch tatsächlich für kurze Zeit nötig wurde, weil der erwartete Felssturz eintraf.

Einkehren im Toggenburg

Von der «Armeestrasse», wie sie bei den Einheimischen seither genannt wird, profitieren nun die Amdener Alpbauern. Und nur sie, denn für den allgemeinen Verkehr gilt ein Fahrverbot.

Verlockend wäre diese kürzeste Verbindung vom Obertoggenburg zum Walensee schon, doch wäre es dann mit der Abgeschiedenheit am Leistchamm, am Flügenspitz, auf der Vorderen Höhi und eben auch auf der Alp Arsch vorbei.

Willi Fäh nutzt sein Fahrrecht schon mal, um im Toggenburg einzukehren. Im Starkenbacher Restaurant Churfirsten zum Beispiel, wo man den Arsch-Willi von der anderen Seite des Berges bestens kennt und manch zotiger Spruch über seine Alp in die Runde fällt.

«Willkommen im Arsch»

Fäh sind die Sprüche über ihn und seine Alp einerlei. Im Toggenburg gibt es noch ganz andere doppelbödige Flurnamen: Seichberg, Schwanz, Nutenwil. Mit einer dicken Portion Schalk im Nacken hat er über der Tür seiner Alphütte ein Schild genagelt: «Willkommen im Arsch». Wenn ein Wanderer Durst hat, gibt's einen Becher Milch oder einen Kafi Chrüter.

Viel Besuch habe er aber nicht, sagt Fäh, seine Alp liegt abseits der «Armeestrasse» und der Fussweg ist Bikern zu stotzig. In Starkenbach auf der Toggenburger Seite steht sogar ein Hinweisschild: «Velofahrer, wenn du weiterfährst, bist du bald am Arsch und kannst wandern.»