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Zuschauer als Richter

«Terror – Ihr Urteil» ist ein Gerichtsdrama über den Abschuss eines von Terroristen entführten Flugzeugs. Und ein interaktives TV-Experiment.
Martin Weber
Schwierige Entscheidung: Burghart Klaussner als Richter. (Bild: SRF/ARD Degeto/Moovie GmbH/Julia Terjung)

Schwierige Entscheidung: Burghart Klaussner als Richter. (Bild: SRF/ARD Degeto/Moovie GmbH/Julia Terjung)

Darf man 164 Menschen töten, um 70 000 zu retten? Um diese nur auf den ersten Blick einfache, in Wirklichkeit immens schwierige Frage dreht sich das interaktive TV-Drama «Terror – Ihr Urteil», das aus zwei Gründen etwas Besonderes ist: Erstens dürfen die Zuschauer die aus moralischem wie juristischem Blickwinkel spannende Frage am Ende per Abstimmung über Telefon und Internet selber entscheiden. Zweitens lebt das auf einem erfolgreichen Theaterstück des Bestsellerautors Ferdinand von Schirach basierende Gerichtsdrama von Dialogen und Argumenten und verzichtet auf irgendwelche Action. Das von Regisseur Lars Kraume («Der Staat gegen Fritz Bauer») inszenierte Kammerspiel über den Prozess gegen einen Bundeswehrpiloten ist Fernsehen zum Mitdenken. SRF und ARD sowie Sender in Österreich, Tschechien und Slowenien zeigen das TV-Experiment nächsten Dienstag zeitgleich, verbunden mit Diskussionsbeiträgen (siehe Kasten).

Ist der Pilot ein Mörder?

Das Fernsehpublikum ist von Anfang an mit einbezogen, wenn sich der von Burghart Klaussner gespielte Vorsitzende Richter direkt an die Zuschauer wendet und sie zu Geschworenen beim Prozess macht. Verhandelt wird gegen den Bundeswehrpiloten Lars Koch (Florian David Fitz), der mit seinem Kampfjet ein Passagierflugzeug mit 164 Menschen an Bord abgeschossen hat und deshalb von Staatsanwältin Nelson (Martina Gedeck) wegen Mordes angeklagt wird. Kochs eloquenter Verteidiger Biegler (Lars Eidinger) plädiert auf Freispruch, denn sein Mandant hatte guten Grund, gegen den ausdrücklichen Befehl seiner Vorgesetzten zu handeln: Der in Berlin gestartete Passagierjet wurde auf dem Weg nach München von einem IS-Terroristen entführt, der die Maschine in die mit 70 000 Menschen gefüllte Allianz-Arena in München stürzen lassen wollte. Sowohl die Staatsanwältin als auch Kochs Verteidiger haben gute Argumente, die während der Beweisaufnahme und in zwei Plädoyers am Schluss der Verhandlung zur Sprache kommen.

Das Urteil in zwei Fassungen

Danach sind die Zuschauer aufgerufen, ihr Urteil zu fällen: Ist der Pilot schuldig oder unschuldig? Die Fernsehsender werten die Zahlen rasch aus und zeigen die entsprechende Urteilsverkündung durch den Richter – wofür zwei verschiedene Fassungen gedreht wurden. «Natürlich wissen die Zuschauer, dass es nur ein Stück und nicht die Wirklichkeit ist», sagt Ferdinand von Schirach, der am Drehbuch mitgeschrieben hat. «Aber uns allen ist durch die Anschläge in New York, Madrid, Paris und Brüssel klar geworden, dass wir uns diese Fragen stellen müssen.»

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