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ZUGVÖGEL: Das grosse Killen am Himmel

Rund um das Mittelmeer töten Wilderer jedes Jahr rund 25 Millionen Zugvögel. Ein neuer Bericht zeigt, dass das Vogeltöten auch im Norden Europas oft vorkommt.
Bruno Knellwolf
Wilderer sind in vielen Ländern eine Gefahr für Zugvögel. (Bild: Getty)

Wilderer sind in vielen Ländern eine Gefahr für Zugvögel. (Bild: Getty)

Manchmal ist man neidisch auf die Zugvögel – wie sie frei durch die Lüfte schweben, ohne Barrieren und Grenzen. Doch in der Realität ist das Leben der Vögel bedroht, wie die Studie von BirdLife International zeigt, die gestern veröffentlicht worden ist.

War bisher schon bekannt, dass rund um das Mittelmeer jedes Jahr rund 25 Millionen Zugvögel durch Wilderer getötet werden, zeigt die neue Studie, dass auch in Mittel- und Nordeuropa der Vogelmord gang und gäbe ist. Der Bericht heisst denn auch «The Killing 2.0» und darin steht, dass in Mittel- Nordeuropa und im Kaukasus rund 400000 bis 2,1 Millionen Vögel gewildert werden.

In diesen Ländern sind die Zugvögel zwar durch die Berner Konvention und EU-Richtlinien geschützt, was die Wilderer aber nicht zu beeindrucken scheint. Vor allem in den Hotspots der Wilderei nicht, welche BirdLife auflistet: Aserbaidschan, Armenien, Bulgarien, Deutschland, Georgien und die Niederlande. Besonders gefährlich ist es für Zugvögel in Aserbaidschan: ­Allein zwischen 160000 und 900000 Wasservögel kommen hier jedes Jahr durch Wilderei um. Aber auch in unserem nördlichen Nachbarland werden jährlich mehrere hunderttausend ­Vögel gewildert. «Die grösseren Vögel werden geschossen, die kleineren mit grossen Netzen gefangen», erklärt Eva Inderwildi von BirdLife Schweiz. In Mitteleuropa und im Kaukasus wird das Vogeltöten als «Sport» betrieben. Und auf wenig Naturverständnis trifft man in Nordeuropa, wo die Vögel gewildert werden, weil sie als Schädlinge gelten. Diese Abschüsse kommen zu den von den Behörden bewilligten Abschüssen von Krähen, Enten und Hühnervögeln dazu. In einigen Ländern sogar von Singvögeln. Auch legal werden Millionen von Vögeln getötet.

Wie im ersten Bericht «Killer» festgehalten, werden am meisten Vögel am Mittelmeer getötet. Vor allem in Ägypten, Italien, Syrien und im Libanon, die Schätzungen gehen da von 12 bis 38 Millionen gewilderter Vögeln aus. Am meisten betroffen sind der Haussperling (4,7 Mio.), Buchfink (2,9 Mio.), Mönchsgrasmücke (1,8 Mio.) und Wachtel (1,7 Mio.). Besonders problematisch ist die Wilderei allerdings für Greifvögel, die oft nur ein Junges pro Jahr hochziehen, schreibt Birdlife. Bei diesen Arten fällt ein Verlust weit mehr ins Gewicht als bei Vogelarten mit vielen Jungen.

In der Schweiz ist die Zahl der Wilderer zwar gering. Bekannt ist aber die Vergiftung von Wanderfalken. Inderwildi erwähnt die Fälle der Kamikaze-Tauben. Taubenzüchter standen vor Gericht, weil sie Tauben mit Gift bestrichen haben, um die jagenden Falken zu töten. Inderwildi spricht von etwa zwanzig Fällen in den letzten Jahren und hält diese Zahl für die «Spitze des Eisbergs». Die Wilderei sei einer der Gründe dafür, dass der Bestand der Wanderfalken stetig zurückgehe. Gemäss BirdLife besteht aber Hoffnung, weil immer mehr Länder und Institutionen gegen die illegale Jagd aktiv werden. Auch das Komitee gegen den Vogelmord unterstützt solche Bestrebungen.

Bruno Knellwolf

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