Zuerst knallt's, dann schreit's

Die Situation ist verfahren. Einerseits zieht man wegen der lieben Kleinen ins Grüne, andererseits sind es ebendiese lieben Kleinen, die es einem verunmöglichen, dieses Grün zu pflegen. Dabei hatte ich mir das alles so harmonisch vorgestellt. Endlich einen eigenen Garten.

Katja Fischer De Santi
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Bild: Katja Fischer De Santi

Bild: Katja Fischer De Santi

Die Situation ist verfahren. Einerseits zieht man wegen der lieben Kleinen ins Grüne, andererseits sind es ebendiese lieben Kleinen, die es einem verunmöglichen, dieses Grün zu pflegen. Dabei hatte ich mir das alles so harmonisch vorgestellt. Endlich einen eigenen Garten. Die Kleinen den ganzen Tag draussen mit roten Backen und dreckverschmierten Händchen. Die Mutter mit Zeitung im Liegestuhl, ab und an schweift ihr Blick über die üppige Blütenpracht.

Die Realität sieht leider etwas anders aus. In der Realität brauche ich eine ganze Woche, um zehn Erdbeerpflänzchen einzugraben. In der Realität mache ich mir noch nicht mal die Mühe, meinen Liegestuhl aufzuklappen. Denn gesetzt den Fall, die lieben Kleinen beschäftigen sich tatsächlich selbständig im Grünen und ich kann zur Gartenschere greifen, dann dauert es erwartungsgemäss keine drei Minuten, bevor es irgendwo knallt und dann schreit. Worauf Mama alles stehen und liegen lässt und zum Unfallort eilt. Dieser Vorgang wiederholt sich an einem Nachmittag gerne bis zu zehnmal, unterbrochen nur durch «Ich habe Hunger»- und «Ich will schaukeln»-Intermezzi meines Ältesten. Der Jüngere kann noch nicht sprechen, er beschränkt sich darauf, meine Gartengeräte (je grösser und spitziger, desto besser) zu verschleppen. Das Resultat: eine genervte Mutter, wucherndes Unkraut überall und gefährdete Kinder. Der eigene Garten ist ein trügerisches Idyll. Noch tröste ich mich mit dem Gedanken, dass alles besser wird, sind die Kleinen nur etwas älter. Ja, dass sie mir gar helfen, dass sie gärtnernd die Natur kennen und verstehen lernen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, oder?

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