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ZOO: Der kurze Weg nach Australien

Koalas sind sehr heikle Vielfrasse. Sie sind Bewohner der neuen Australien-Anlage im Zoo Zürich, die gestern eröffnet worden ist. Um ihren Hunger zu stillen, züchtet ein Pflanzenbauer extra Eukalyptus.
Bruno Knellwolf
Eines der beiden Koala-Männchen im Zoo Zürich.

Eines der beiden Koala-Männchen im Zoo Zürich.

Bruno Knellwolf

Die Berge seien beeindruckend in der Schweiz. «Und der Verkehr bei euch ist verrückt, überall diese Ampeln und Fussgänger, die dazwischenlaufen», sagt der Australier John Weigel lachend, der für die Eröffnung der neuen Australien-Anlage im Zoo Zürich in die Schweiz gereist ist. Eigentlich nicht um die Berge zu bestaunen, sondern um seine zwei männlichen Koalas zu sehen, die vor gut einem Monat aus seinem Aus­tralian Reptile Park in der Nähe von Sydney nach Zürich gekommen sind.

Selbst hat Direktor Weigel dreissig Koalas in seinem Park. «Mehr geht nicht, sonst brauche ich sofort zwei Angestellte mehr», sagt er. Denn die Haltung von Koalas ist nicht ganz einfach. Die etwa acht Kilogramm schweren Beuteltiere sind sehr wählerisch, was die Nahrung betrifft. Sie fressen nur die Blätter und Triebe des Eukalyptus. Während Weigel die Nahrung von australischen Strassenbaubeamten erhält, die überall den Eukalyptus zurückschneiden müssen, ist das im Zoo Zürich für die beiden zwei Jahre jungen Koalas nicht so einfach.

Eukalyptus wird extra in der Schweiz angepflanzt

Gelöst hat man das Problem mit der Firma Lüscher Gartenbau-Baumschulen, die nun extra für die Halbbrüder Mikey und Milo Eukalyptus in ihren Gewächshäusern anpflanzt. Allerdings müssen zwanzig verschiedene Eukalyptusarten gezüchtet werden, wie Martin Bauert, Leitender Kurator vom Zoo Zürich, erklärt: «Pflanzen haben nicht gern, wenn sie gefressen werden.» Deshalb bilden sie gerne Abwehrstoffe, Bitter- und Giftstoffe. So auch der an sich schon recht giftige Eukalyptus. «Deshalb fressen die Koalas gewisse Arten plötzlich nicht mehr.» Die heiklen Tiere verderben sich sonst den Magen. «Das kennt man auch von Giraffen, die Akazien fressen», sagt Bauert. Letztere schütten einen Pflanzenbotenstoff aus und warnen die anderen Akazien vor den Giraffen. Diese fressen deshalb nicht im Wind der Akazien, um ihre Fressabsichten nicht zu verraten. «Die Interaktion zwischen Säugetieren und Pflanzen ist viel grösser, als man denkt», sagt Bauert.

Die Koalas fressen täglich etwa zehn Prozent ihres Körpergewichts, wie Koala-Pflegerin Claudia Rudolph von Rohr sagt. Das heisst, etwa 600 Gramm Blattmasse, die aber nicht älter als zwei Tage sein darf. Die Firma Lüscher liefert deshalb drei- bis viermal pro Woche aus ihrem breiten Eukalyptusangebot. In einem Jahr wird noch mehr Futter nötig sein, dann wird John Weigel aus seinem Australian Reptile Park zwei Koala-Weibchen nachliefern. Noch sitzen die beiden Männchen im Haus, für den Spaziergang in der Aussenanlage ist es den Koalas wohl noch zu kalt. «Bei zwanzig Grad lassen wir sie raus. In Australien sind sie allerdings auch kältere Temperaturen gewohnt», sagt die Koala-Pflegerin, die extra zur Schulung nach Australien reisen musste, weil das die Ausfuhrbestimmungen so vorschreiben, wie Zoodirektor Alex Rübel erklärt.

Neben den Koalas wohnt im umgebauten Australien-Haus, das im Jahr 1959 bezeichnenderweise der Oper in Sydney nachgebaut worden ist, aber zuerst zum Afrika-Haus wurde, eine Riesenechse, die Zoodirektor Rübel unbedingt wollte. Ein junger Riesenwaran schleicht über die rote Erde, der bis zu 2,5 Meter lang werden kann. «Sie können auf den Hinterbeinen stehen und rennen. Bis zu 40 Kilometer pro Stunde schnell», sagt Rübel. Daneben sind auch noch kleinere Echsen im Australien-Haus einquartiert wie der Pilbara-Felsenwaran und die Tannenzapfenechsen, die feste Partner in ihrem Lebensplan haben.

Anlage für 9,9 Millionen Franken

Für Australien symbolisch ist auch das Känguru, das in der der australischen Baumsavanne nachgebauten Anlage ebenfalls einen Platz hat. Und zwar in der Art des Bennett-Wallaby. Vertreten in der 5500 Quadratmeter grossen und 9,9 Millionen Franken teuren Anlage ist auch der Emu, der zweitgrösste Straussenvogel. Wie auch der Lachende Hans, der wie ein Mensch lachen kann, damit aber nicht etwa lustig sein will, sondern sein Revier verteidigt, wie Rübel erklärt.

Wie in vielen anderen Fällen ist auch die Zürcher Australien-Anlage mit einem Naturschutzprojekt in der Heimat der gezeigten Tiere verbunden. «In unserem Park haben wir Tasmanian Devils», sagt John Weigel. Diese Beutelteufel sind in Australien bereits ausgerottet und in Tasmanien stark gefährdet, weil viele an einem Tumor leiden, wie Weigel erzählt. Die fuchsgrossen Raubtiere ernähren sich in der Wildnis von Kängurus. Auch in Weigels Park. «Kängurus gibt es in Aus­tralien zu viele. Wir erhalten jeden Tag vierzig geschossene als Nahrung für die Beutelteufel.»

«Fast ausgestorben sind neben dem Tasmanischen Beutelteufel aber auch viele andere Beuteltiere», ergänzt Rübel. Zum Beispiel das Parmawallaby oder die Kurznasenbeutler. Der Grund dafür sind die ehemals von den Engländern aus Europa eingeführten Tiere: Fuchs, Kaninchen, Katzen und verwilderte Hunde. «Die eingeschleppten Tiere sind der Hauptgrund für den Verlust der Artenvielfalt», sagt Rübel. Dagegen will man nun gemeinsam im Rahmen des Projekts «Australian Ark» mit einem Zuchtprojekt des Australian Reptile Park vorgehen.

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