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Zehn Brücken musst du sehn

Die Schweiz ist ein Brückenland. Allein die SBB führen ihre Gleise über 6000 Bahnbrücken, die seit 160 Jahren meist mit hoher Kunstfertigkeit gebaut worden sind. 102 Exklusivitäten wurden ausgewählt – zehn aus der Ostschweiz.
Bruno Knellwolf
Viadukt Goldach: Der 77 Meter lange Mauerwerksviadukt über die Goldach, gebaut 1856, gehört zu den ältesten Schweizer Bahnbrücken. (Bild: Bruno Knellwolf)

Viadukt Goldach: Der 77 Meter lange Mauerwerksviadukt über die Goldach, gebaut 1856, gehört zu den ältesten Schweizer Bahnbrücken. (Bild: Bruno Knellwolf)

Brücken zu schlagen ist sprichwörtlich. Brücken verbinden, verändern Landschaften und Menschen, die dank der Brücken zueinander finden. Die Schweiz ist ein Land der Brücken – über 6000 besitzen allein die SBB, hinzu kommen rund 2250 Brücken von Privat- und Bergbahnen.

Eisenbahnbrücken sind Zeugen hoher Ingenieurskunst, kein Wunder gilt der Brückenbau als Königsdisziplin im Bauingenieurwesen. Das hat Tradition – Brückenbauer wie Hans Ulrich Grubenmann im 18. Jahrhundert und der Betonpionier Robert Maillart sind auch im Ausland sehr anerkannte Schweizer Ingenieure.

Schweizer Bahnbrücken sind oft von grosser Schönheit, überspannen Täler und Flüsse und gelten als Kulturgüter. Sie sind Zeugen hoher Baukunst der letzten 160 Jahre. Vor 200 Jahren sind auf Initiative von Industriellen und Kaufleuten erste Projekte für Bahnstrecken entstanden, die wegen politischer Instabilität nicht realisiert wurden. Erst 1844 erreichte die erste Eisenbahn auf Schweizer Boden vom Elsass her die Stadt Basel. Die von Bankier Martin Escher-Hess gegründete Nordbahn baute darauf die Strecke Zürich–Baden, und 1847 nahm die «Spanisch-Brötli-Bahn» den Betrieb auf.

Erste Bahnbrücke bei Dietlikon

Somit war die erste Bahnbrücke der Schweiz nötig. Diese überspannte vor Dietikon den Schäflibach. Die kurze Steinbogenbrücke ist die älteste erhaltene Bahnbrücke der Schweiz. Sie wird nach wie vor befahren, wie im Buch «Schweizer Bahnbrücken» zu lesen ist. Da sie aber zwischen Betonträgern eingeklemmt ist, ist sie kaum mehr zu sehen.

Bald nach der Gründung des Bundesstaates 1848 brach in der Schweiz ein Bauboom aus. Es herrschte Goldgräberstimmung – Bahnstrecken, Tunnels, Bahnhöfe und natürlich Bahnbrücken wurden gebaut, in einem Wettbewerb verschiedener Unternehmen, den nicht alle wirtschaftlich überlebten.

Das war mit ein Grund für die Verstaatlichung der fünf grössten Bahngesellschaften und deren Überführung in die Schweizerischen Bundesbahnen, die 1902 ihren Betrieb aufnahmen. Heute sind 891 Brücken der SBB mehr als hundert Jahre alt, die Hälfte aller 6000 Bahnbrücken sind älter als fünfzig Jahre. Die ältesten Brücken sind gemauert oder aus Schweisseisen konstruiert. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich zunehmend die Betonbauweise durch – auch die heutigen Bahnbrücken werden vorwiegend in Beton erstellt.

Diese müssen heute immer grössere Lasten tragen, denn immer mehr und schwerere Züge mit mehr Tempo rollen über die Brücken. Das erzeugt Lasten, für die die Bauwerke nicht konzipiert wurden. Viele Bahnbrücken mussten oder müssen deshalb verstärkt werden, oder gar ersetzt, was Denkmalschützer auf den Plan ruft.

Stärker als gedacht

Interessant ist aber, dass sich bei Anwendung neuer Berechnungsmethoden oft herausgestellt hat, dass alte Brücken weit stärker sind als angenommen und damit die rasenden Züge weiterhin sicher hinüberleiten – allenfalls nach einigen baulichen Eingriffen, wie Oliver Martin vom Bundesamt für Kultur schreibt.

Mehr als erhaltenswert sind sicher jene 102 exemplarischen Bahnbrücken, welche die Buchautoren zusammen mit der SBB-Fachstelle für Denkmalpflege aus den 6000 vorhandenen ausgewählt haben. Sie zeigen alle Epochen und die wichtigsten Konstruktionsarten des Bahnbrückenbaus in der Schweiz. Die wichtigen Baumaterialien aus Stein, Stahl und Beton sowie die Konstruktionen mit Fachwerk, Bogen und Balken.

Ein Bijou in Goldach

Solche Bijous gibt es natürlich auch in der Ostschweiz. Eine der ältesten Schweizer Bahnbrücken steht in Goldach. Der Viadukt mit fünf Halbkreisgewölben entstand 1856 nach Plänen Karl von Etzels. Die Bauteile sind in klassizistischer Manier durch Gesimse und unterschiedliche Bearbeitung der Steine voneinander abgesetzt. Auch das originale Geländer ist noch vorhanden. Vom Goldacher Viadukt gibt es einen Zwilling in Rümlingen BL. Die Form und die Grösse ihrer Bogen sind identisch. Der deutsche Ingenieur Etzel hat das hölzerne Lehrgerüst, auf dem die Gewölbe des Goldacher Viadukts gemauert wurden, nach Vollendung des Baus nicht zerstört, sondern vom Bodensee in den Basler Jura transportiert und darauf den Rümlinger Viadukt gebaut.

Die höchste Bahnbrücke

Eine andere Besonderheit ist der Sitterviadukt der SOB in St. Gallen. Mit 99 Meter Höhe ist er die höchste Bahnbrücke und sein Mittelstück der weitestgespannte Stahlträger der Schweiz. Der Viadukt ist seit dem Bau von 1908 bis 1910 kaum verändert worden. Insgesamt zehn Brücken aus der Ostschweiz sind durch das Fachgremium in den erlauchten Kreis der Schweizer Exklusivitäten aufgenommen worden (siehe Grafik).

Conzett/Rota/Brühwiler/van Rooden: Schweizer Bahnbrücken, Scheidegger & Spiess 2013, 239 S., 74.90 Fr.

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