Zebras: Schon Charles Darwin hat sich geirrt

Es gibt jede Menge Erklärungen, wozu die Streifen der Zebras gut sein sollen. Sollen sie die Konturen der Tiere verwischen? Oder sind sie nützlich bei der Abwehr von Tsetsefliegen? Forscher haben darauf nun endlich eine Antwort.

Martin Vieweg
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Die Frage nach dem Zweck des seltsamen Kostüms des Zebras hat eine lange Tradition: Innerartliche Kommunikation, der Schutz vor Insekten, Verwirrung von Feinden und vor allem Tarnung galten bisher als mögliche Erklärungen.

Streifen verwischen Konturen

Als eine Art Grundfunktion galt dabei bislang der Tarneffekt: Die Streifen mögen zwar auf den ersten Blick besonders auffällig wirken – in den Weiten der Savanne könnten sie aber die Konturen der Tiere auflösen und sie so für Löwen oder Hyänen schwer erkennbar machen, so die Annahme.

Ergebnisse der letzten Jahre stärkten allerdings auch die Parasiten-Theorie als wichtigen Zweck der Streifen: Experimente hatten gezeigt, dass Tsetsefliegen und andere blutsaugende Insekten schwarzweiss gestreifte Oberflächen meiden.

Eine Studie der Forscher um Tim Caro von der University of California in Davis kam 2014 zum Schluss, dass diese Funktion die ausschlaggebende sein könnte. Ob allerdings nicht zusätzlich ein Tarneffekt vorliegt, blieb unklar.

Wie Streifen auf Löwen wirken

Dieser Frage haben sich Caro und seine Kollegen nun gezielt gewidmet. Um zu testen, inwieweit die Streifen einen Tarneffekt vor dem Hintergrund der Savanne vermitteln können, analysierten die Forscher Aufnahmen von Zebras in Tansania. Sie simulierten dabei, wie die Streifen bei unterschiedlichen Bedingungen auf Löwen und Hyänen wirken.

Sie würden Zebras auch riechen

Informationen über das Sehvermögen dieser Raubtiere bildeten dafür die Grundlage. «Wir haben Berechnungen durchgeführt, durch die wir einschätzen konnten, bei welchen Entfernungen Löwen, Hyänen und auch Zebras die Streifen bei Tageslicht, Dämmerung und in der Nacht sehen können», erklärt Co-Autorin Amanda Melin von der University of Calgary. Tim Caros Fazit: «Wir haben keinerlei Hinweise dafür gefunden, dass die Streifen irgendeinen Tarneffekt gegenüber Raubtieren vermitteln.

Das heisst: In einer Entfernung, in der die Streifen einen Effekt haben könnten, würden die Raubtiere die Zebras auch schon hören und riechen. Den Forschern zufolge können Löwen die Konturen von Zebras ausserdem genauso gut sehen wie die von ähnlich grossen Beutetieren ohne Streifen wie Wasserböcken oder Antilopen. «Wir halten deshalb die Hypothese, die schon von Charles Darwin und Alfred Russel Wallace angeführt wurde, für falsch», sagt Tim Caro.

Somit spricht das Ergebnis nun dafür, dass nicht Tarnung, sondern der Insektenschutz der massgebende Faktor hinter der markanten Zeichnung war. Dies legten bereits die Ergebnisse der Forscher von 2014 nahe.

Der Faktor Blutsauger

Sie hatten bei dieser Studie die Eigenschaften der Fellzeichnungen und die Verbreitungsgebiete der sieben Zebra-Arten erfasst sowie die von weiteren Pferde- und Esel-Arten. Ihr Ergebnis lautet: Je mehr blutsaugende Insekten es im Verbreitungsgebiet eines Tieres gibt, desto ausgeprägter sind die Streifenmuster. Der Faktor Blutsauger erklärt deshalb die Verbreitung der Streifenmuster.

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