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Wohin mit der ausgedienten Lounge?

Auf vielen Schweizer Sitzplätzen wird auf Rattan-Lounges relaxt. Was passiert, wenn die sperrigen Sessel ausgedient haben? Mangels Recycling-Möglichkeiten landen die trendigen Kunststoff-Möbel in der Kehrichtverbrennungsanlage.
Christa Kamm-Sager
Bequem, aber meist aus Kunststoff geflochten: Moderne Rattan-Möbel. (Bild: fotolia)

Bequem, aber meist aus Kunststoff geflochten: Moderne Rattan-Möbel. (Bild: fotolia)

Edel sehen sie aus, bequem ist es, in einem Lounge-Möbel zu relaxen. Kein Wunder boomen Rattanmöbel für den Outdoor-Bereich. Wie viele Tonnen der Trendmöbel in den letzten Jahren in Schweizer Möbelhäusern abgesetzt wurden, lässt sich nur erahnen. Klar ist: Selten sind Rattanmöbel wirklich auch aus den Stängeln der Pflanze geflochten, die ihnen ursprünglich den Namen gab; die tropische Rotangpalme mit ihren 600 Unterarten und ihren langen und biegsamen Trieben. Heute sind die meisten Outdoor-Rattanmöbel aus dem wetterfesten Kunststoff Polyethylen hergestellt und tragen bei einem Kauf dazu bei, dass der Pro-Kopf-Verbrauch von Plastik in Europa bei jährlich 100 Kilogramm liegt.

Trend begann vor sieben Jahren
Bei Möbel Svoboda aus Schwarzenbach hat der Trend zu den geflochtenen Gartenmöbeln aus Kunststoff vor rund sieben Jahren eingesetzt. Mit der Entsorgungsfrage ist das Möbelgeschäft noch kaum konfrontiert: "Die Rattanmöbel sind langlebig", sagt Christian Lieberherr, Stellvertreter Einkauf Gartenmöbel bei Möbel Svoboda. In den letzten Jahren wurden im Loungebereich bei Svoboda fast ausschliesslich Rattan-Möbel verkauft, entsorgt werden musste jedoch kaum ein Stück. "Langsam stellen wir eine gewisse Sättigung fest und einen Trend zu etwas leichteren Gartenmöbeln." Möchte jemand seine ausgediente Lounge nun durch eine neue ersetzen, kann er bei einem Ersatzkauf die alten Stücke bei Svoboda zur Entsorgung mitbringen. "Wir übergeben die Möbel unserem Recycler, der verwertet, was noch brauchbar ist", so Lieberherr. Die Nachfrage nach Rattanmöbeln aus Naturprodukten sei nicht vorhanden. Deshalb würden praktisch nur Möbel mit Kunststoff-Geflecht verkauft. Importiert werden sie aus China, Indonesien, Vietnam und den Philippinen.

Recyclen heisst verbrennen
Recyclen heisst im Fall von Polyethylen in der Schweiz in der Regel: Verbrennen. Das sagt Corina Gyssler vom WWF. "Wenn Polyethylen wirklich wiederverwertet würde, wäre das Material gar nicht so schlecht", meint die Kommunikationsbeauftragte des WWF. Die Materialwahl für Gartenmöbel, sei für Konsumenten nicht einfach, so Gyssler. Einheimisches Holz - was das beste wäre - sei in der Regel nicht so wetterbeständig. Tropenholz - falls nicht FSC-zertifiziert - fragwürdig. "Wir stellen uns auf den Standpunkt, dass es am besten ist, möglichst selten eine Neuanschaffung zu tätigen und alles, was noch brauchbar ist, weiter zu benutzen, weiter zu verkaufen oder zu verschenken", so die WWF-Sprecherin.

Möglichst lange nutzen
Ähnlich tönt es bei der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz ,"Pusch": "Wenn einem etwas verleidet ist, es aber noch funktioniert, dann sollte man es weitergeben, statt entsorgen", sagt Projektleiterin Priska Messmer. In der Schweiz gebe es leider noch zu wenige Möglichkeiten, Plastik zu recyclieren, obwohl man verschiedene Kunststoffe, darunter auch Polyethylen, durchaus wieder aufbereiten könnte. "Die meisten Kunststoffe landen im Kehricht und werden verbrannt. Das produziert wenigstens Wärme und Strom." Es werde noch längere Zeit dauern, bis Kunststoffprodukte wie Möbel in der Schweiz komplett wiederverwertet werden. Bis dahin gelte es, achtsam zu kaufen, zu reparieren und etwas möglichst lange zu nutzen.

Polyethylen

Polyethylen ist der weltweit am meisten produzierte Kunststoff. Typische Produkte sind Abfallsäcke, Rohrleitungssysteme oder Folien für die Landwirtschaft. Die Basis von Polyethylen ist Ethylengas, das aus Ethanol hergestellt wird. Polyethylen ist nicht natürlich abbaubar, kann an der Sonne verspröden und zerfällt dann in immer kleinere Teile (Mikroplastik). Produkte aus Polyethylen besitzen einen hohen Heizwert, der dem von Heizöl entspricht. Wird reiner Polyethylen verbrannt, entstehen keine toxischen Brandgase. (chs)


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