Wo kommen nur all die Blumen her?

Ich erinnere mich genau an diese Jeans. Mittelblau, leichter Schlag, perfekter Schnitt und auf den Gesässtaschen zwei Blumen. Gestickte Glockenblumen, um genau zu sein, in Violett-Lila. Ich mochte diese Jeans nicht wegen dieser Blumen, sondern trotz dieser Blumen.

Katja Fischer De Santi
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Ich erinnere mich genau an diese Jeans. Mittelblau, leichter Schlag, perfekter Schnitt und auf den Gesässtaschen zwei Blumen. Gestickte Glockenblumen, um genau zu sein, in Violett-Lila. Ich mochte diese Jeans nicht wegen dieser Blumen, sondern trotz dieser Blumen. Ich hatte es noch nie so mit Verzierungen, Schnörkeln und schon gar nicht mit floralen Stickereien. Aber damals ging es nicht ohne Aufnäher und Stickereien (vor allem auf Denim!). Sie zu entfernen hätte nichts gebracht, man hätte dann nur gesehen, dass da mal Blumen waren, was ich für die noch schlimmere Schmach hielt.

Nun gut, alles lange her und gut verarbeitet. Zumindest bis ich die Bilder der Pre-Fall-Kollektionen 2016 sah. Aufnäher und aufgenähte Blumen überall. Gucci hat es besonders auf die Spitze getrieben, kaum ein Teil, auf dem nicht irgendwo ein Blümchen spriesst. Gerne ranken sie sich wie Unkraut an Hosenbeinen hoch oder wuchern auf bodenlangen Jupes. Sonia Rykiel versucht sich derweil mit Glitzer-Aufnäher auf einem Jeans-Kostüm und Valentino appliziert Leder-Blumen auf einen Wildlederjupe.

Ich sehe diesem Treiben mit grossem Unbehagen zu. Denn es wird wohl keine zwei Saisons mehr gehen, bis auch auf den Jeans meiner Lieblingsmarken Blumen erblühen. Vielleicht habe ich mich bis dann daran gewöhnt, vielleicht kaufe ich mir zur Sicherheit auch jetzt noch einige Reserve-Hosen.

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