Wissenschaft vor der Haustüre

Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) feiert ihren 200. Geburtstag und tourt durch zwölf Schweizer Städte. Ab heute werden in St. Gallen während vier Tagen Einsichten in die Welt der Wissenschaft geboten.

Bruno Knellwolf
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INNENSTADT, ST. GALLEN:Die Wissenschafts-Tournee 'Forschung live' kommt nach St. Gallen. Die Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) tourt aus Anlass ihres 200-Jahr-Jubiläums durch 12 Schweizer Städte. IM BILD: Objekt wird am Gallusplatz abgeladen. [18.08.2015] © Benjamin Manser / TAGBLATT (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

INNENSTADT, ST. GALLEN:Die Wissenschafts-Tournee 'Forschung live' kommt nach St. Gallen. Die Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) tourt aus Anlass ihres 200-Jahr-Jubiläums durch 12 Schweizer Städte. IM BILD: Objekt wird am Gallusplatz abgeladen. [18.08.2015] © Benjamin Manser / TAGBLATT (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Bekannter als die Akademie der Naturwissenschaften selbst sind deren Kinder: «Meteo Schweiz, Swiss Topo mit seinen Landeskarten, der Schweizerische Nationalpark, Pro Natura und der Schweizerische Nationalfonds», sagt Marcel Falk von der Akademie, welche dieses Jahr ihren 200. Geburtstag feiert.

Die heutige Akademie, die 1815 bei Genf gegründet worden ist, ist nach Falk eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Eine Plattform, auf der sich die Wissenschaft selbst organisiert, nach Fächern und Disziplinen. «Zum Beispiel in einer Road Map der Astronomie, über die sich Astronomen treffen, um über Forschungsschwerpunkte zu verhandeln. Solche Road Maps gibt es für alle Disziplinen.»

Im Mittelpunkt steht die wissenschaftliche Politikberatung. Zum Thema Klima sind in der Akademie über tausend Wissenschafter zusammengeschlossen, welche die verschiedenen Auswirkungen des Klimawandels untersuchen. «Die Politik braucht dann jemand, der dieses Wissen verdaubar macht», sagt Falk. Das übernimmt die Akademie der Naturwissenschaften.

Distanz überbrücken

Der dritte Schwerpunkt ist der Dialog mit der Gesellschaft. Dabei gehe es darum, die oft gefühlte Distanz zur Wissenschaft zu überbrücken. Den Menschen zu erklären, wie sehr ihr eigenes Leben mit der Wissenschaft zu tun hat. «Unser Leben wäre anders ohne Naturwissenschaft. Das fängt schon beim Trinkwasser an», sagt Falk. Deshalb haben sich die Verantwortlichen zum 200. Geburtstag überlegt, mit der Forschung vor die Haustüre zu fahren. Seit Juni und noch bis Ende Oktober tourt die Akademie durch die Schweiz und gewährt in zwölf Städten Einblicke.

Seit heute ist die Tournée «Forschung live» in St. Gallen und bleibt noch bis am Sonntag. Projektleiterin Fabienne Barras erklärt, wie die Tour aufgebaut ist: «Wir wollen die Wissenschaft nicht bei den Universitäten vorstellen, sondern in den Fussgängerzonen.» Der Besucher taucht dort in drei Ausstellungsmodule ein, die gestern in St. Gallen an drei Orten in der Altstadt aufgestellt worden sind.

Das Thema der drei Einsichten heisst «Zeit und Wandel». Wer den Kopf in die Einsicht «Gestern» steckt, taucht ins Jahr 1815 ein. «Wir bieten eine Übersicht über die Schweizer Nobelpreisträger, zeigen, wie sich der Alpenraum über 200 Jahre gewandelt hat oder wie das Wetter früher anhand der Vogelbeobachtung vorausgesagt wurde», sagt Barras. In der Einsicht «Heute» präsentiert sich die Forschungslandschaft Schweiz. «Wissenschaftliche Themen, die im Alltag Widerhall finden», erklärt die Projektleiterin. Im Modul «Morgen» geht es schliesslich um die grossen Fragen der Zukunft: Energiegewinnung, Hirnforschung und ähnliches.

Forscher als Ansprechpartner

Beim Eintauchen behilflich sind Forscher aus der Ostschweiz, die von den Passanten befragt werden können. 17 wissenschaftliche Organisationen aus der Region sind beteiligt, nicht nur die Universität und Fachhochschule, sondern auch Gesellschaften. Auch das Naturmuseum, das einen grossen Anteil am Rahmenprogramm bestreitet: Morgen Donnerstag kann man einen Blick hinter die Kulissen des Naturmuseums werfen, in sein Sammlungsdepot mit seinen ca. 300 000 Objekten.

Am Freitag wird das Buch «Die Naturforschenden» von Patrick Kupper vorgestellt, in dem Historiker erzählen, wie Forscher die Schweiz geprägt haben. Zu lesen ist darin auch über «Zürich als Labor der globalen Rassenforschung» Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Wissenschaft, die in Deutschland bald von den Nationalsozialisten missbraucht wurde. Das zeigt, Wissenschaft kann nicht nur zum Guten verwendet werden.

«Fünf Tage Naturwissenschaften erlebbar nah» in St. Gallen, 19.8. bis 23.8. Programm unter www.forschung-live.ch und auf der App ScienceGuide

Auf dem Gallusplatz in St. Gallen stellt ein Kran die Einsicht «Morgen» an ihren Platz. In der Einsicht «Gestern» geht der Blick zurück ins Gründungsjahr der Akademie 1815 (Bild unten). (Bilder: Benjamin Manser, Yannick Andrea)

Auf dem Gallusplatz in St. Gallen stellt ein Kran die Einsicht «Morgen» an ihren Platz. In der Einsicht «Gestern» geht der Blick zurück ins Gründungsjahr der Akademie 1815 (Bild unten). (Bilder: Benjamin Manser, Yannick Andrea)

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