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WISSENSCHAFT: Bürger als Forscher

In Zeiten, in denen im Internet und in sozialen Netzwerken alternative Fakten die Welt erobern, gewinnt die Mitmach-Wissenschaft an Bedeutung.
Adrian Lobe
Wildpflanzen werden im Rahmen des Floreninventars Bern durch ehrenamtliche Pflanzenkenner für die Wissenschaft erhoben. (Bild: Getty)

Wildpflanzen werden im Rahmen des Floreninventars Bern durch ehrenamtliche Pflanzenkenner für die Wissenschaft erhoben. (Bild: Getty)

Adrian Lobe

Der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen ist viel früher erfolgt. Kurz nach der Inauguration von Donald Trump als US-Präsident wurden auf der offiziellen Webseite des Weissen Hauses die Seiten über Bürgerrechte, Klimawandel und Krankenversicherung im Archiv entfernt – so, als hätten diese Themen gar nie existiert.

Vor allem in den USA und auch weltweit sind Forscher in einem «March for Science» für die Wissenschaftsfreiheit auf die Strasse gegangen. Immer mehr US-Forschungsinstitute fühlen sich von den Direktiven der Trump-Administration gegängelt. Da bekommen Citizen-Science-Projekte neue Bedeutung. Auf der Crowdfunding-Seite «Zooniverse» sind Projekte zur Mitarbeit ausgeschrieben: Hobbyforscher können in sämtlichen wissenschaftlichen Disziplinen – von Astrologie bis Zoologie – Geländestrukturen auf dem Mars klassifizieren oder alte Schiffslogbücher nach Klimadaten auswerten – alles vom heimischen Computer aus. Nun könnte man einwenden, dass die Wissenschaft Internetnutzer als kostenlose Angestellte missbraucht, doch die Hobbyforscher tun dies freiwillig, im Dienste der Wissenschaft.

Alle Küstentypen der Welt festhalten

In Deutschland gibt es von Staat und Universitäten unterstützte «Citizen-Science»-Plattformen, wo Forschungsinstitute Projekte zum Mitmachen einstellen. In einem Projekt der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, «Ozean der Zukunft», können Menschen weltweit ihre Küstenselfies hochladen und zu einer globalen Datenbank von Küstentypen beitragen. «Ob Mallorca oder Ecuador, ob Steilkuste oder Hafenanlage, ob von vor zehn Jahren oder gestern – jedes Foto fliesst in eine globale Datenbank und verbessert eine wichtige ­wissenschaftliche Grundlage zur Entwicklung von langfristigen Anpassungsstrategien», heisst es in der Projektbeschreibung.

Die einzigen Voraussetzungen: Sie dürfen keine Gesichter zeigen, und der Kustentyp, wie etwa Sand, Steine oder Felsen, muss erkennbar sein. Die gesammelten Daten werden in Modelle eingespeist, die Wissenschaftern helfen, Voraussagen zu treffen, wie sich Küsten in verschiedenen Situationen verhalten. Diese Vor­aussagen informieren Entscheidungsträger dann darüber, welche Schutzmassnahmen zu treffen sind und welche Länder internationale Hilfe benötigen.

Auch in der Schweiz gibt es mit schweiz-forscht.ch eine von den Akademien der Wissenschaft unterstützte Citizen-Science-Plattform, bei der Freiwillige an Wissenschaft beteiligt werden. Im Rahmen des Floreninventars Bern werden durch ehrenamtliche Pflanzenkenner die auf Stadtboden vorkommenden Wildpflanzen erhoben. «Das Engagement der Bevölkerung und das oft sehr spezialisierte Wissen von Citizen Scientists ist für die Wissenschaft eine grosse Chance: Sie erhalten umfassende Datensätze, die sie alleine nicht sammeln und organisieren könnten», heisst es auf der Webseite. «Die Ergebnisse dienen als Grundlage für den Schutz und die Förderung gefährdeter Arten, für die Beurteilung städtischer Planungen und Bauprojekte und für Bildung und Forschung.»

«Schweiz Forscht» verweist auf die lange Tradition der Bürgerwissenschaft. Der amerikanische Staatsgründer und spätere Präsident Benjamin Franklin war ein Citizen Scientist avant la lettre. Als Universalist schrieb er nicht nur an der Unabhängigkeitserklärung mit, sondern erfand auch den Blitzableiter. Daran könnte sich Donald Trump ein Vorbild nehmen.

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