Wird schon schiefgehen, denken wir

Nur alle zwei Jahre packt uns das Fussballfieber, zur Europa- oder zur Weltmeisterschaft. Es ist eine eher milde Erkrankung. Wir montieren keine Fähnchen am Auto, nehmen nicht an Tipspielen teil und backen auch keine Kuchen mit Puderzucker-Schweizerkreuz.

Rolf App
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Rolf App)

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Nur alle zwei Jahre packt uns das Fussballfieber, zur Europa- oder zur Weltmeisterschaft. Es ist eine eher milde Erkrankung. Wir montieren keine Fähnchen am Auto, nehmen nicht an Tipspielen teil und backen auch keine Kuchen mit Puderzucker-Schweizerkreuz. Uns plagt kein Selbstbewusstsein wie jene Deutschen, die sich vor einer Woche im Zermatter Café nach dem ersten Tor der deutschen Mannschaft schon zu Europameistern erklärten. Zur Nationalhymne aufgestanden sind die Herren auch.

Immerhin: Wir halten uns den Abend frei und rücken unsere zwei Lehnsessel näher zum Fernseher hin. Dann kommentieren wir tapfer mit denen um die Wette, die das Fernsehen SRF ins Studio gebeten hat und denen man Experten sagt.

An einen Sieg der Schweizer glauben wir nicht so recht. Den Gegner halten wir entweder für körperlich oder technisch überlegen oder wir vermuten das Glück auf seiner Seite. Wird schon schiefgehen, denken wir, während die Nationalhymnen gespielt werden. Und lehnen uns entspannt zurück.

Umso grösser ist die Freude, wenn wider jede Erwartung ein Sieg oder ein Unentschieden herausschaut. Minute um Minute verfolgen wir jetzt mit Bangen das Hin und Her auf dem Spielfeld. Uns will scheinen, es liege ein Tor in der Luft – aber eines gegen die Schweiz. Dass die dann ihr 0:0 gegen die Franzosen so ohne Wackeln über die Runden bringt, das überrascht uns doch.

Die Kommentatoren sind des Lobes voll. Wir aber bleiben vorsichtig. Wird schon schiefgehen, denken wir.