Wir Menschen sind Sklaven des Todes

Manchmal weckt eine traurige Nachricht eine Erinnerung. Am Samstag hatten wir die Nachricht im Blatt, der Schriftsteller Dante Andrea Franzetti sei, erst 56 Jahre alt, an Komplikationen nach einer Herzoperation gestorben. Vier Jahre ist es her, dass dieser Dante Andrea Franzetti in St.

Rolf App
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book (Bild: Rolf App)

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Manchmal weckt eine traurige Nachricht eine Erinnerung. Am Samstag hatten wir die Nachricht im Blatt, der Schriftsteller Dante Andrea Franzetti sei, erst 56 Jahre alt, an Komplikationen nach einer Herzoperation gestorben. Vier Jahre ist es her, dass dieser Dante Andrea Franzetti in St. Gallen war, um im Keller der Buchhandlung «Zur Rose» zusammen mit Pic, dem Clown, ein ungewöhnliches Buch vorzustellen.

«Das Bein ohne Mann» besteht aus kurzen und längeren Texten, die sich die beiden in einer Art Pingpong zugespielt haben. Sie erzählen Geschichten, tauschen sich über ihre Leidenschaften aus, schildern das Leben, das sie führen. Beide sind sie Väter, beide lieben sie Fussball, beide haben sie Sinn für das Kleine, Unscheinbare. Zum Beispiel der Schreibtisch. Franzetti beschreibt mit der ihm eigenen Melancholie die Erinnerungsstücke, die sich darauf abgelagert haben, den Aschenbecher etwa mit dem Milchzahn des Jüngsten darin. Und stellt dann fest: «Mein Schreibtisch erzählt auch die Geschichte meiner Niederlagen, weil diese Souvenirs aus besseren Zeiten stammen.»

Auch dem Tod hat Franzetti ein kleines Kapitel gewidmet. «Beikommen kann man ihm nicht, ihn nur auf Distanz halten für einige Zeit», schreibt er da, und dass er schnell sterben möchte. Er zitiert Schopenhauer, denn auf den Tod treffe zu, was dieser über das Glück geschrieben habe: «Abwesenheit von Leid.» Wir aber seien Sklaven des Todes, denn «wir entreissen uns ihm nur durch List, Ablenkung, Aktivität. Vorübergehend».

Pic & Dante Andrea Franzetti: Das Bein ohne Mann, Lenos 2011