WILDTIERE: Kanada lässt die Bisons los

Mehr als ein Jahrhundert nach ihrem Verschwinden setzt die kanadische Umweltbehörde 16 Tiere in einem Nationalpark aus.

Gerd Braune/Ottawa
Drucken
Teilen
Ab in die Freiheit: Die ausgesetzten Präriebisons rennen aus dem Transportcontainer im Banff-Nationalpark. (Bild: Dan Rafla)

Ab in die Freiheit: Die ausgesetzten Präriebisons rennen aus dem Transportcontainer im Banff-Nationalpark. (Bild: Dan Rafla)

Der Bison prägte einst die nordamerikanische Prärie. Dann wurde er fast ausgerottet. Nun unternimmt die kanadische Regierung den Versuch, den Bison in den Banff-Nationalpark in den Rocky Mountains einzuführen. «Dies ist ein historischer Moment und die perfekte Art, Kanadas 150. Geburtstag zu feiern», meint Umweltministerin Catherine McKenna mit Blick auf die Feiern zum 150. Geburtstag Kanadas in diesem Jahr. «Der Bison ist nicht nur eine Schlüsselgattung und eine Ikone der kanadischen Geschichte, er ist auch integraler Teil des Lebens der indiienen Völker.»

Ab in die Freiheit: Die ausgesetzten Präriebisons rennen aus dem Transportcontainer im Banff-Nationalpark. (Bild: Parks Canada / Dan Rafla)
8 Bilder
Bisons zählen zu den Ikonen der kanadischen Geschichte. (Bild: Johane Janelle / ©Parks Canada Bison)
Cameron Johnson/Parks Canada (Bild: Cameron Johnson / ©Parks Canada Bison)
Cameron Johnson/Parks Canada (Bild: Cameron Johnson / ©Parks Canada Bison)
Johane Janelle (Bild: Johane Janelle / ©Parks Canada Bison)
Mit diesen Autos – beladen mit Transportboxen – wurden die Tiere in den Nationalpark gebracht. (Bild: Johane Janelle / ©Parks Canada Bison)
Johane Janelle (Bild: Johane Janelle / ©Parks Canada Bison)
Im Transportcontainer wurden die 16 Tiere in den Park gebracht. (Bild: Dan Rafla / ©Parks Canada)

Ab in die Freiheit: Die ausgesetzten Präriebisons rennen aus dem Transportcontainer im Banff-Nationalpark. (Bild: Parks Canada / Dan Rafla)

Acht Kilometer langer Zaun

Am Montag wurden die Tiere auf einer Weide im «Panther-Tal» des Parks freigelassen. Die Präriebisons stammen aus dem Elk Island National Park, 35 Kilometer östlich von Edmonton, der Hauptstadt der Provinz Alberta. In Elk Island, Kanadas grösstem umzäuntem Nationalpark, leben seit mehr als 100 Jahren Prärie­bisons. Darüber hinaus gibt es in fünf weiteren kanadischen Nationalparks Bisons. Anfang des Jahres wurden im Elk-Island-Park 16 gesunde Tiere, überwiegend zwei Jahre alte schwangere Weibchen, aus der mehrere hundert Tiere starken Herde ausgesucht und drei Wochen in Quarantäne gehalten und untersucht. Vor wenigen Tagen wurden sie in Containern nach Banff gebracht. Von dort aus wurden die Container mit Helikoptern ins «Panther-Tal» transportiert.

Sechzehn Monate werden sie nun auf einer grossen Weide im Park gehalten, bevor sie im Sommer 2018 in einen etwa 1200 Quadratkilometer grossen Bereich des Parks entlassen werden, wo sie frei herumziehen können. Die Landschaft des ausgesuchten Siedlungsgebietes – das für die Tiere attraktive Weideland und natürliche Barrieren – sollen sicherstellen, dass die Bisons in diesem Bereich bleiben. Nur an einer Stelle soll ein acht Kilometer langer Zaun die Tiere «ermutigen», wie die zuständige Behörde Parks Canada berichtet, in dieser Zone zu bleiben. Ziel ist es, dass sich dieser Bestand zu einer grösseren frei lebenden Herde entwickelt, die dann wiederum in Kanada und anderen Ländern zum Aufbau weiterer Herden beitragen kann. «Dies ist ein grosser Tag für den Nationalpark von Banff und für Kanada und ein grosser Tag für die Erhaltung von Wildtieren in der Geschichte Nordamerikas», sagte der Umweltschützer und Autor Harvey Locke dem kanadischen Rundfunk CBC.

10000 Bisons ziehen frei umher

Für die Indianer bedeutete der Bison Leben. Gab es Büffel, dann mussten die Indianer der Prärie und der nördlichen Waldregionen keinen Hunger leiden. Als im 17. Jahrhundert europäische Entdecker und Siedler in den Westen des heutigen Kanada vordrangen, zogen schätzungsweise zwei Millionen Präriebisons über die endlosen Ebenen. Ende des 19. Jahrhunderts führte das «grosse Abschlachten» binnen weniger Jahrzehnte fast zur völligen Ausrottung des Bisons.

Dem etwas kräftigeren Waldbison erging es nicht besser. Da es von dieser Gattung aber wesentlich weniger Tiere gab – vage Schätzungen sprechen von etwa 170000 Tieren Mitte des 17. Jahrhunderts –, war er schneller vom Untergang bedroht. Ende des 19. Jahrhunderts war er in Nordwestkanada und Alaska fast völlig ausgelöscht.

Der Bison prägte die Prärielandschaft und spielte über Jahrtausende eine Rolle als «ökologischer Ingenieur», wie es Keith Aune, Bisonexperte der US-amerikanischen Wildlife Conserva­tion Society (WCS), formuliert. Die von Bisons bevölkerte Prärie bot Lebensraum für Vögel, Insekten und kleine Säugetiere, der Bison diente Menschen, Grizzlys und Wölfen als Nahrung. Wasserhaushalt und Bodenqualität wurden durch den Bison beeinflusst.

Aber der Bison verlor den Wettbewerb um Weideland mit dem von Siedlern eingeführten Vieh. Nun erlebt er einen Wiederaufstieg in Nationalparks. Mittlerweile können nach Angaben des WCS in grösseren Schutzgebieten etwa 10 000 frei lebende Bisons herumziehen. 2010 hatte der Management-Plan für den Park von Banff, den ältesten Nationalpark Kanadas, die Wiederansiedlung der Bisons als Ziel formuliert. 6,4 Millionen Kanadische Dollar – knapp 5 Millionen Franken – wurden hierfür bereitgestellt.