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Wie wird das Auto deklariert?

Versteuerung des Autos, Freiwilligenarbeit oder Pensionskassenkapital auf Freizügigkeitskonti: Am Steuertelefon hatte Steuerexperte José Muro vor einer Woche eine Fülle von Fragen zu beantworten. Eine kleine Auswahl.
José Muro am letzten Dienstag auf der Tagblatt-Redaktion. (Bild: Urs Bucher)

José Muro am letzten Dienstag auf der Tagblatt-Redaktion. (Bild: Urs Bucher)

Fahrzeugwert

Ich wohne im Kanton Thurgau und habe im Jahr 2014 ein privates Fahrzeug für 50 000 Franken erworben. Wie und zu welchem Wert muss ich dieses Fahrzeug deklarieren?

José Muro: Private Motorfahrzeuge (Autos, Motorräder) sind auf Seite 4 der Steuererklärung als Vermögenswert zu deklarieren. Sie sollten den Fahrzeugtyp, den Kaufpreis und das Anschaffungsjahr angeben. Zur Ermittlung des Verkehrswertes kann pro Jahr seit Erwerb eine Wertverminderung von 20% vom Kaufpreis abgezogen werden. Diese Regelung gilt sowohl für den Kanton Thurgau als auch St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden. Fahrzeuge, die vor mehr als 5 Jahren gekauft wurden, sind in den Kantonen Thurgau und St. Gallen nur noch pro memoria mit 1 Franken zu erfassen. Im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist nach 5 Jahren in der Regel ein Restwert von 10% einzusetzen.

Bei Ihrem Fahrzeug beträgt der steuerlich massgebende Verkehrswert per 31. Dezember 2015 somit 40 000 Franken.

Photovoltaikanlage

Im Jahr 2015 habe ich auf dem Dach meines rund 30jährigen Einfamilienhauses eine Photovoltaikanlage erstellen lassen. Die Kosten beliefen sich auf rund 30 000 Franken, wobei ich im Jahr 2016 aus Förderbeiträgen vermutlich noch circa 7000 Franken erhalten werde. Was ist hier steuerlich alles zu beachten?

José Muro: Investitionen, die dem Energiesparen und dem Umweltschutz dienen, sind den Liegenschaftsunterhaltskosten gleichgestellt und grundsätzlich vollumfänglich abziehbar. Die entsprechenden Massnahmen sind dann abzugsfähig, wenn sie sich auf den Ersatz von veralteten oder die erstmalige Anbringung von neuen Bauteilen oder Installationen in bestehenden Gebäuden beziehen. Energiespar- und Umweltschutzmassnahmen, welche bei einem Neubau oder bei einer Totalsanierung vorgenommen werden, gelten hingegen vollumfänglich als bei der Einkommenssteuer nicht abzugsfähige, wertvermehrende Anlagekosten. Diese Kosten können erst bei einem späteren Verkauf bei der Grundstückgewinnsteuer geltend gemacht werden.

Die Praxis, was als Neubau und was als bestehendes Gebäude gilt, ist kantonal unterschiedlich, wobei die meisten Kantone (Thurgau, Appenzell Ausserrhoden) die Bundessteuerregelung von 5 Jahren übernommen haben. In St. Gallen gilt aber eine Frist von 2 Jahren. Dies bedeutet, dass Investitionen in eine Photovoltaikanlage innerhalb von 2 Jahren nach der Erstellung eines Gebäudes als wertvermehrend betrachtet werden. Investitionen in Gebäude, die schon über 2 Jahre alt sind, werden wie in Ihrem Fall als Liegenschaftsunterhalt zum Abzug zugelassen. Sie können somit in der Steuererklärung 2015 nebst den üblichen Liegenschaftskosten auch die Photovoltaikinvestitionen vollumfänglich geltend machen.

Förderbeiträge aus dem Gebäudeprogramm kürzen die abziehbaren Unterhaltskosten. Wenn die Förderbeiträge im gleichen Jahr bezahlt werden, ist einfach der Nettobeitrag (in Ihrem Fall 23 000 Franken) zu deklarieren. Wenn die Förderbeiträge später ausbezahlt werden, können die Liegenschaftskosten vollumfänglich geltend gemacht werden. Dafür muss der Förderbeitrag im Jahr der Bezahlung als steuerbares Einkommen deklariert werden.

Amortisation der Hypothek

Auf meinem Einfamilienhaus lastet noch eine Festhypothek (Zinssatz 2%) von 200 000 Franken, die Mitte des Jahres 2016 ausläuft und erneuert werden müsste. Ich verfüge über liquide Mittel in der Höhe von 250 000 Franken. Nun stellt sich mir die Frage, ob ich die Hypothek ganz oder teilweise amortisieren oder ob ich die liquiden Mittel anderweitig anlegen soll?

José Muro: Diese Frage ist wohl eines der am häufigsten diskutierten Steuerthemen überhaupt, da eine Reduktion der Hypothek und der Schuldzinsen zu einer höheren Einkommenssteuer führt. Meines Erachtens gibt es keine generelle Empfehlung, da die Anlagestrategie des Steuerpflichtigen eine Rolle spielt. Dazu das folgende Beispiel: Wenn Sie die liquiden Mittel von 250 000 Franken risikolos halten (z. B. auf einem Sparkonto), dürften Sie praktisch keine Zinserträge erzielen. Der Hypothekarzins beträgt 2%, was unter Berücksichtigung eines durchschnittlichen Steuereffekts noch rund 1,5% ausmacht. In diesem Fall liegt Ihre Rendite nach Steuern bei minus 1,5%, weshalb es empfehlenswert ist, die Hypothek ganz oder zumindest teilweise zu amortisieren.

Wenn Sie Ihre 250 000 Franken eher risikobehaftet angelegt haben (Wertpapiere, derivate Produkte) und dabei beispielsweise eine Rendite von 2,5% erzielen, ist der Ertrag höher als der Hypothekarzins. In einem solchen Fall wäre es selbst unter Beachtung des Steuereffekts der Erträge vorteilhafter, wenn Sie die Hypothek nicht amortisieren.

Wenn Sie die liquiden Mittel nicht oder nur teilweise zur Amortisation verwenden wollen, könnte man von einer Festhypothek zu einer Geldmarkthypothek (z. B. Libor) wechseln, da die Zinssätze kaum steigen dürften. So reduzieren Sie Ihren Zinsaufwand und müssten eine tiefere Rendite erzielen, um trotzdem noch im Plus zu bleiben.

Und nicht zuletzt weise ich darauf hin, dass bei älteren Arbeitnehmern drauf zu achten ist, dass die Hypothekarhöhe unter Beachtung der Einkünfte nach einer Pensionierung festgelegt wird. Oft beurteilen die Hypothekargläubiger die Tragbarkeit nach einer Pensionierung schlechter als vorher. Unter diesem Aspekt empfehle ich zu prüfen, wie hoch die Hypothek im Zeitpunkt der Pensionierung sein sollte.

Freizügigkeit

Ich habe mich Mitte des letzten Jahres mit 62 Jahren frühzeitig pensionieren lassen. Die Pensionskasse meines damaligen Arbeitgebers hat mir das vorhandene Pensionskassenkapital auf zwei Freizügigkeitskonti überwiesen, was wohl damit zu tun hat, dass ich einfach gekündigt habe. Nun hat mein Anlageberater grösste Bedenken, dass sich das Geld weiterhin in steuerlich privilegierten Freizügigkeitskonti befindet. Sind diese Bedenken gerechtfertigt?

José Muro: Wie Sie richtig erwähnt haben, sind Gelder der 2. Säule, die sich entweder bei der Pensionskasse oder auf Freizügigkeitskonti respektive -policen befinden, dahingehend steuerlich privilegiert, dass weder Einkommenssteuern (auf Zinserträgen) noch Vermögenssteuern (auf dem Kapital) anfallen. Erst wenn diese Gelder in das freie Vermögen überführt werden, fallen Steuern an. Vorerst ist eine moderate Jahressteuer auf dem Kapitalbezug zu leisten, danach fallen Einkommens- und Vermögenssteuern an.

Eine zentrale Frage ist, ob das Vorsorgereglement Ihrer Pensionskasse eine vorzeitige Pensionierung vorsieht. Wenn nämlich die Vorsorgeeinrichtung die Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung geregelt hat, tritt der Vorsorgefall nicht erst mit dem Erreichen des ordentlichen/reglementarischen Rentenalters (z. B. Alter 64 für Frauen beziehungsweise 65 für Männer) ein, sondern grundsätzlich bereits im Zeitpunkt, in dem das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird; vorausgesetzt, die Kündigung des Arbeitsvertrages erfolgt in einem Alter, in dem bereits ein reglementarischer Anspruch auf Altersleistungen besteht. In einem solchen Fall liegt kein Freizügigkeitsfall vor, weshalb das Alterskapital nicht auf eine Freizügigkeitsform übertragen werden darf.

Verlässt die versicherte Person die Vorsorgeeinrichtung zwischen dem frühestmöglichen und dem ordentlichen reglementarischen Rentenalter und führt sie die Erwerbstätigkeit weiter oder ist als arbeitslos gemeldet, liegt hingegen ein Freizügigkeitsfall vor. In diesen Fällen – oder wenn die Vorsorgeeinrichtung überhaupt keine vorzeitige Pensionierung vorsieht – ist die Überweisung auf ein oder maximal zwei Freizügigkeitskonti zulässig.

Nach meiner Erfahrung prüfen Vorsorgeeinrichtungen sorgfältig, ob ein Freizügigkeits- oder Vorsorgefall eintritt. Da die Pensionskasse Ihres ehemaligen Arbeitgebers Ihr Guthaben auf zwei Freizügigkeitskonti überwiesen hat, muss ich annehmen, dass diese Pensionskasse keine vorzeitige Pensionierung kennt. Somit dürfte es sich bei Ihnen um einen Freizügigkeitsfall handeln und die Überweisung war statthaft. Bitte beachten Sie, dass Freizügigkeitsguthaben, unabhängig von einer Erwerbstätigkeit, bis fünf Jahre nach dem ordentlichen AHV-Rentenalter stehen gelassen werden dürfen. Wenn Sie also nicht unbedingt auf diese Gelder angewiesen sind, könnte man die Auszahlung bis zu Ihrem 70. Geburtstag hinauszögern.

Kosten bei Freiwilligenarbeit

Ich gehe in meiner Freizeit der Freiwilligenarbeit nach, die mir Kosten im Bereich der Fahrt und der Verpflegung verursacht. Kann man solche Kosten steuermindernd abziehen?

José Muro: Die Diskussion über die Steuerwirkung von Freiwilligenarbeit ist nicht neu. Aber selbst im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit (2011) gab es politisch zwar etwas Bewegung (Motion Streiff-Feller), aber weder seitens des Parlaments noch des Bundesrats ein Entgegenkommen. Deshalb ist es leider auch heute noch so, dass weder die Freiwilligenarbeit selbst – im Sinne der geldmässigen Unterstützung von steuerbefreiten Institutionen (Spenden) – noch die Kosten, die durch die Freiwilligenarbeit entstehen, steuerlich in Abzug gebracht werden können. Damit solche Kosten zum Abzug zugelassen würden, müsste ein kausales Einkommen erzielt werden, welches mit einem Lohnausweis bestätigt wird. Aber gerade bei der Freiwilligenarbeit gibt es ja keine Entschädigung. Meines Erachtens könnten seitens der involvierten Institute Spesenreglemente etwas Abhilfe schaffen, indem wenigsten die Kosten der Freiwilligenarbeit gedeckt werden. Aber das hängt naturgemäss von den finanziellen Möglichkeiten der Institute ab.

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