Wie man seine Sünden los wird

Nur Heilige kommen nach römisch-katholischer Lehre direkt in den Himmel. Für alle anderen Katholiken zieht jede Sünde nach der Beichte auch eine zeitliche Strafe nach sich.

Francesco Welti
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Nur Heilige kommen nach römisch-katholischer Lehre direkt in den Himmel. Für alle anderen Katholiken zieht jede Sünde nach der Beichte auch eine zeitliche Strafe nach sich. Je mehr Sünden ein Katholik begangen hat, umso länger muss er nach dem Tod im Fegefeuer bei der Reinigung seiner Missetaten schmoren, bevor er ins Paradies eintreten kann.

Was ein Ablass bewirkt

Verbunden ist diese Vorstellung mit grossen Qualen. Mit einem Ablass tilgen die Gläubigen die Strafe für Sünden, die ihnen in der Beichte schon vergeben wurden, und lässt sich die Zeit im Fegefeuer verkürzen oder sogar aufheben. Damit lässt sich Geld machen.

Aufschwung durch Kreuzzüge

Der Ablasshandel ist das prominenteste Beispiel, wie Geistliche damals aus den Ängsten der Menschen Profit schlagen. Ablässe können vom Papst, von Kardinälen oder Bischöfen ausgesprochen werden. Die ersten Ablässe werden im 11. Jahrhundert von südfranzösischen Bischöfen gewährt. Einen Aufschwung erlebt das Ablasswesen dann mit den Kreuzzügen und dem Aufkommen des Pilgerwesens. Papst Urban II. stellt im Jahr 1095 den Teilnehmern am Kreuzzug den Nachlass aller zeitlichen Sündenstrafen in Aussicht. Er geht davon aus, dass die Gefahren und Strapazen auf dem Weg nach Jerusalem dies rechtfertigen. So spielt der Ablass vom späten Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert in der Katholischen Kirche eine grosse Rolle.

120 Ablassbriefe

Auch für die Schweiz sind eine ganze Reihe von Ablässen dokumentiert. Ihre Nutzung verstärkt sich, nachdem vom 14. Jahrhundert an die Möglichkeit besteht, die durch den Ablass zu gewinnenden Gnaden Verstorbenen zuzuwenden. So wird der Ablass zum wirksamsten Instrument der Heilssicherung. Für die Innerschweiz zum Beispiel sind bis 1450 etwa 120 Ablassbriefe dokumentiert.

Die Reformation macht Schluss

Die Reformation, die in der Schweiz 1519 beginnt, macht nicht nur mit dem Ablasshandel Schluss, sondern auch mit dem Fegefeuer. Der Mensch kann nach reformierter Vorstellung allein durch seinen Glauben von allen Sünden befreit werden.