«Wie in einem Schraubstock»

Der St. Galler Kardiologe Hans Rickli erklärt, was Herzinfarkt-Symptome von gewöhnlichen «Chassis-Schmerzen» zwischen Kinn und Bauchnabel unterscheidet.

Bruno Knellwolf
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Herr Rickli, wer einen Herzinfarkt erleidet, muss so schnell wie möglich in ärztliche Behandlung. Wie lange dauert das in der Regel?

Hans Rickli: Unsere Daten aus dem Schweizerischen Herzinfarkt-Register zeigen, dass es 160 Minuten dauert, bis der Patient nach dem Bemerken der Symptome eine ärztliche Behandlung erhält.

Nicht jeder, der eine Enge in der Brust spürt, hat aber gleich einen Herzinfarkt.

Rickli: Es gibt auch «Chassis-Schmerzen». Nicht jeder Schmerz zwischen Kinn und Bauchnabel betrifft das Herz. Das ist die Schwierigkeit: Wie merkt ein Patient, ob es ein Herzinfarkt ist? Ein Herzinfarkt drückt den Betroffenen wie in einem Schraubstock zusammen. Das ist ein spezieller Schmerz, der nicht richtig lokalisierbar ist. Klassisch ist ein Brennen in der Mitte und das Gefühl von Enge.

Nicht alle Menschen sind gleich gefährdet. Welches sind die stärksten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Rickli: Die familiäre Veranlagung. Das heisst, wenn Geschwister und Eltern einen Herzinfarkt erlitten haben. Väter und Brüder unter 55 Jahren, weibliche Verwandte unter 65 – das spricht für eine Veranlagung. Das deutet auf eine vererbte Fettstoffwechsel-Störung hin, wegen der mehr schädliches Cholesterin produziert wird. Wenn solche Menschen mit familiärer Veranlagung zusätzlich rauchen, multiplizieren sie das Herzinfarkt-Risiko. Es gibt etwa neun Risikofaktoren, die das Risiko erhöhen. Nicht alle sind gleich beeinflussbar.

Den Herzinfarkt-Risikofaktor Rauchen kann jeder selber steuern. Was sollen jene mit familiärer Veranlagung tun?

Rickli: Ihr Risiko untersuchen lassen. Meist geht das einher mit hohen Cholesterin-Werten. Risiko-Gruppen brauchen Cholesterin-Medikamente wie auch jene, die schon einen Herzinfarkt erlitten haben. Das gilt grundsätzlich für die kleine Gruppe mit hohem Risiko. 80 Prozent der Bevölkerung haben aber ein tiefes Herzinfarkt-Risiko.